Eltern von Muriel Furrer kämpfen mit Anwalt für die Wahrheit
Der tragische Unfall von Muriel Furrer und seine Umstände haben aufgewühlt. Die Geschichte der jungen Rennfahrerin, die ganz in der Nähe des Unfallorts in Egg im Zürcher Oberland aufwuchs und der Velo-WM in Zürich als lokale Botschafterin ihr Gesicht gab, ging um die Welt.
Noch immer sind viele Fragen unbeantwortet. Wie kann es sein, dass Muriel Furrers Sturz während des Juniorinnenrennens unbemerkt blieb und sie anderthalb Stunden schwer verletzt in einem Waldstück oberhalb von Küsnacht ZH liegen blieb, ohne dass jemand Alarm schlug? Wie kann es sein, dass sie erst durch einen Zufall gefunden wurde?
Muriel Furrers Eltern Christine und Reto Furrer geht es nicht um Schuldzuweisungen, das betonen sie im Gespräch mit CH Media immer wieder. Doch sie wollen Antworten. Die Staatsanwaltschaft hat, wie bei solchen Unfällen üblich, den Auftrag den Unfallhergang zu untersuchen. Sie prüft, ob ein Straftatbestand erfüllt ist oder nicht.
Zweifel am Sicherheitskonzept
Im Frühling 2025 lag ein erstes medizinisches Gutachten zum Todesfall vor. Was genau darin steht, legen weder Staatsanwaltschaft noch die Familie Furrer offen. Klar ist jedoch: Die Erkenntnisse aus dem Bericht sprechen aus der Sicht der Eltern dafür, dass der Unfallhergang noch weiter untersucht werden muss. «Wir geben uns noch nicht zufrieden mit dem, was aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Polizei bisher herausgekommen ist», sagt Christine Furrer.
Und ihr Mann Reto merkt an: «Muriel kommt dadurch zwar nicht zurück, aber es darf auch nicht unter den Tisch gekehrt werden, dass eine Athletin anderthalb Stunden an einer Rad-Weltmeisterschaft, die von professionellen Veranstaltern durchgeführt wurde, so lange nicht auffindbar war.»
«Die verzögerte Bemerkung des Unfalls und die lange dauernde Bergung wollen wir erklärt haben. Zudem wissen wir nicht, ob das Sicherheitskonzept an der WM ausreichend war. Dies ist auch wichtig, um bestimmte Aspekte für die Zukunft gegebenenfalls zu verbessern», sagt Mutter Christine.
Ob die Staatsanwaltschaft weitere Untersuchungshandlungen vornimmt, ist derzeit nach Informationsstand der Familie Furrer noch unklar. Furrers werden in der Wahrung ihrer rechtlichen Interessen von einem Anwalt unterstützt.
Die Zürcher Staatsanwaltschaft lässt über einen Sprecher ausrichten, dass sie aufgrund der Strafprozessordnung keine weiteren Informationen zur noch nicht abgeschlossenen Untersuchung bekanntgeben kann. Sie rechnet mit einem Abschluss des Verfahrens im ersten Quartal 2026.
Eltern fordern mehr Sicherheit im Radsport
WM-Renndirektor Olivier Senn hatte unmittelbar nach den Weltmeisterschaften gesagt, das Sicherheitskonzept sei gut und die Rennstrecken und deren Sicherung «auf allerhöchstem Niveau» gewesen.
Es sei an der Staatsanwaltschaft, zu ermitteln, ob Fehler passiert seien. Sollten die Ermittlungen ergeben, dass Fehler gemacht worden seien, «übernehmen wir als Organisator und ich persönlich selbstverständlich die Verantwortung», sagte der Aargauer.
Als Direktor der Tour de Suisse hat Senn im Sommer ein GPS-Tracking eingeführt, wie es technologisch schon lange möglich wäre, vom Radweltverband UCI aber bei Weltmeisterschaften nicht gewünscht war. Mit einem solchen wäre Muriel Furrer schneller gefunden und versorgt worden. Ob das ihr Leben gerettet hätte, ist allerdings offen. Das ist auch den Eltern von Muriel Furrer bewusst.
Sie sprechen sich generell für mehr Sicherheit im Radsport aus. Dazu gehören neben dem Tracking auch Airbags, die das Risiko von Nacken- und Rückenverletzungen reduzieren, und Entwicklungen an Helmen. «Es wird unglaublich viel getan, um Helme aerodynamischer zu machen, aber viel zu wenig, um sie sicherer zu machen», sagt Reto Furrer. (aargauerzeitung.ch)
