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Alayah Pilgrim: Porträt einer Fussballerin, die du kennen musst

Alayah Pilgrim
Alayah Pilgrim gehört zu den talentiertesten Fussballerinnen in der Schweiz.Bild: Aya baalbaki

Porträt einer Fussballerin, die du kennen musst

Alayah Pilgrim gehört zu den talentiertesten Fussballerinnen in der Schweiz. Diesen Sommer hat sie einen Vertrag bei den FCZ-Frauen unterschrieben. Wer ist die Person hinter dem Fussball-Talent?
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28.11.2022, 10:5328.11.2022, 13:14
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Es ist 10 Uhr, als die Schulglocke ertönt. Alle Kinder ziehen sich die Jacke über, schnüren sich die Schuhe und rennen aus dem Schulhaus.

Die einen versammeln sich auf dem Spielplatz, andere geniessen die 15 Minuten Pause im Baumhaus und eine weitere Gruppe bolzt auf dem Fussballplatz. Immer mit dabei: Alayah Pilgrim. «Ich war das einzige Mädchen, das mit den Jungs mitspielen durfte», erzählt sie im Gespräch mit watson.

Die Fussballerin nimmt einen grossen Schluck Wasser, holt tief Luft und sagt: «Meine Kindheit verbrachte ich wesentlich mit Jungs.»

Sie hätten sie gemocht, weil sie anders war als die anderen Mädchen. Fussball, Unihockey und Volleyball waren alles Sportarten, in denen Alayah mühelos mit den männlichen Klassenkameraden mithalten konnte. Ihre grösste Leidenschaft war aber schon immer der Fussball.

Alayah Pilgrim
Einen wesentlichen Teil ihrer Kindheit verbrachte Alayah mit Jungs.bild: aya baalbaki

Heimlich ins Training

Die Begeisterung für den Sport entdeckte sie früh. Dies erstaunt, wenn man ihre Familiengeschichte anschaut. «Bei mir zu Hause spielte niemand Fussball. Irgendwie ist es komisch, dass sich das alles so ergeben hat», erzählt die heute 19-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht.

Alayah ist stolz auf ihren Werdegang. Aufgewachsen ist sie in Muri im Kanton Aargau. Dort hat sie auch im Kindheitsalter ihre ersten Fussballturniere absolviert. Schon als junges Mädchen sei ein Trainer nach einem Spiel auf sie zugekommen.

Gleich geht es weiter mit einer der talentiertesten Fussballerinnen, aber vorab eine kurze Unterbrechung:

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Und nun zurück zum Interview ...

Dieser entdeckte ihr Talent und lud sie zu einem Probetraining beim FC Muri ein. «Bei den Jungs», sagt die heutige Profi-Fussballerin. Damals gab es in Muri auch noch gar keine Frauenmannschaft.

Auf dem Weg nach Hause konnte es Alayah kaum erwarten, ihrer Mutter davon zu erzählen – so aufgeregt war die damals 6-Jährige. Noch nie sei sie in so einem Tempo nach Hause geeilt.

«Leider war meine Mutter nicht so begeistert von der Idee», erzählt Alayah. Ihr sei darum nichts anderes übrig geblieben, als heimlich ins Probetraining zu gehen. Ihrer Mutter erzählte sie, dass sie bei Kolleginnen sei.

Alayah Pilgrim
Von ihrem ersten Training wusste ihre Mutter nichts.bild: aya baalbaki

Da die 6-jährige Alayah kein Equipment besass, musste sie sich dieses von Freunden ausleihen. Gesagt, getan.

Ihr erstes Training beim FC Muri fand an einem Mittwochnachmittag statt. Alayah setzte sich aufs Fahrrad und radelte zum Sportplatz. «Ich weiss noch, dass der Trainer von mir begeistert war. Er wollte mich unbedingt im Team haben.» Ihre Mutter stand dem Fussball jedoch immer noch etwas kritisch gegenüber.

Der Trainer nahm schliesslich Kontakt zur Mutter auf. «Er schaffte es, sie zu überzeugen. Von da an ging es erst richtig los», erinnert sich Alayah.

Die Anfänge im Profi-Fussball

Alayah fiel auf. Sie begriff schnell, wie sie ihre Gegnerinnen mit ihrer explosiven Art durcheinander bringen konnte. Bis zum Teenager-Alter spielte sie aber vor allem mit den Jungs. «Danach merkte man die körperlichen Unterschiede extrem. Das ging plötzlich so schnell», erzählt sie.

Sie wechselte schliesslich zum Frauenteam des FC Aarau, absolvierte aber weiterhin Trainings mit den Junioren. Irgendwann sei das organisatorisch nicht mehr aufgegangen.

«Ich fühlte mich keinem Team wirklich zugehörig. Also entschied ich mich, bei den Frauen zu bleiben.» Bei den Juniorinnen kam sie in die U17-Auswahl. Und schon bald darauf durfte sie beim FC Aarau Frauen in der National-Liga B mitspielen. Sie spielte in der zweithöchsten Liga der Frauen und das mit nur 15 Jahren.

Alayah Pilgrim
Kein geringerer Club als der FC Basel wurde auf Alayah aufmerksam.bild: aya baalbaki

Obwohl sie dort eine der jüngsten Spielerinnen war, ging sie alles andere als unter. Kein geringerer Club als der FC Basel wurde auf Alayah aufmerksam. Diese Chance liess sie sich nicht entgehen. Im Jahr 2020, mit 17 Jahren, packte sie ihre Koffer und zog in den Campus des FC Basels ein. «Ich hatte dort ein Zimmer. Das war sehr praktisch.»

Pendeln musste sie aber dennoch, da sich ihr Arbeitgeber in ihrem Heimatort Muri befand. Die Mittelfeldspielerin absolvierte im Spital eine Lehre als Fachfrau Gesundheit. «Um Sport, Schule und Arbeit unter einen Hut zu bringen, kam mir mein Arbeitgeber sehr entgegen. Von den Spät- und Nachtschichten wurde ich dispensiert. Somit wurde ich ausschliesslich in der Frühschicht eingeplant», sagt sie. Dieser Alltag sei kein Zuckerschlecken gewesen: «Manchmal bin ich gegen Mitternacht von einem Spiel nach Hause gekommen und musste frühmorgens wieder zur Arbeit».

Im letzten Lehrjahr wurde ihr Pensum dann auf 80 Prozent reduziert, was ihr zugutekam. «Mein Arbeitgeber unterstütze mich, wo er nur konnte. Dafür bin ich dankbar», sagt Alayah. Dieser Umstand habe ihr auch dazu verholfen, im Fussball Vollgas geben zu können.

Alayah Pilgrim
Die Mittelfeldspielerin absolvierte im Spital eine Lehre als Fachfrau Gesundheit.bild: aya baalbaki

Rückschläge

In ihrer ersten Saison beim FCB erzielte sie acht Tore. Schnell wuchs sie zur Stammspielerin heran. Doch es lief nicht alles wie geplant.

«Leider wurde ich immer wieder von Rückschlägen heimgesucht. Verletzungsbedingt verpasste ich einige Spiele», erzählt die Fussballerin. Solche Rückschläge begleiteten sie eine längere Zeit.

Trotz Ernährungsplan, Physio und Massage gelang es Alayah nicht, konstant fit zu bleiben: «Keine Ahnung, was ich falsch machte. Vielleicht war es einfach Pech». Gröbere Verletzungen erlitt sie glücklicherweise nie, weshalb sie keine längeren Fussballpausen einlegen musste.

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Alayah wurde immer wieder von Verletzungen heimgesucht.bild: aya baalbaki

Und in den Momenten, in denen sie auf dem Platz stand, fiel sie auf. Auch immer mehr andere Trainer wurden auf sie aufmerksam. Sie hatte verschiedene Angebote aus Deutschland, die sie ablehnte. «Ich wollte zunächst konstant fit werden und noch mehr Spielpraxis sammeln. Für mich war es zu früh, um ins Ausland zu wechseln», sagt sie heute.

Für einen anderen Verein, der ebenfalls an ihre Tür klopfte, war es aber nicht zu früh: für den FC Zürich. «Die beste Frauenmannschaft der Schweiz. Das Team, von dem viele Mädchen träumen», schwärmt Alayah.

Nach einem Besuch des FCZ-Campus sei sie vom Verein überzeugt gewesen. «Trainerin Inka Grings zeigte mir auf, welche Pläne sie mit mir verfolgen möchte. Ich fühlte mich wohl und konnte meine anfänglichen Vorurteile, die ich gegenüber dem Club hatte, beseitigen», so die Fussballerin.

Nach zwei Jahren beim FCB wechselte Alayah deshalb im Sommer 2022 zu den Zürcherinnen.

Zweites Standbein

Im Spital Muri arbeitet sie mittlerweile nicht mehr. Sie setzt alles auf die Karte Fussball. Und: Mit den sozialen Medien hat sie sich ein zweites Standbein aufgebaut. Als Influencerin macht sie auf TikTok Werbevideos für verschiedene Brands. Damit verdiene sich bedeutend mehr als mit Fussball, erzählt die Profisportlerin.

«Ich will mich nicht komplett verkaufen. Mit ist es wichtig, dass ich hinter den Marken stehen kann, für die ich Werbung produziere», sagt Alayah. In der Regel drehe sie mehrmals pro Woche solch ein Video.

Auf ihr Influencer-Dasein verzichten könne die Aargauerin erst, wenn sie einen Vertrag im Ausland unterschreiben würde. Ihr grösster Traum sei es, in der englischen Liga Fuss zu fassen.

Ihre Lieblingsspielerin, Sam Kerr, ist Stürmerin bei Chelsea. Ob Alayah eine Karriere bei Chelsea anstrebt, wollte sie watson nicht verraten. Nebst England interessiere sie sich ebenfalls für Spanien oder Italien.

Grösster Fan

Die Person, die Alayah das Fussballspielen verbieten wollte, ist heute ihr grösster Fan: ihre Mama. «Wir sind wie beste Freundinnen. Sie unterstützt mich, wo sie nur kann», freut sich Alayah.

So bereite sie ihrer Tochter beispielsweise jede Mahlzeit vor, die im Ernährungsplan aufgelistet sei. Und sie schaue praktisch jedes Spiel. Die Fussballspielerin ist dankbar: «Meine Mutter ist meine grösste mentale Stütze.»

Nebst ihrer Mama ist auch ihr Freund, Elijah Okafor, ein sehr wichtiger Bestandteil ihres Erfolgs. Der 19-Jährige wechselte diesen Sommer zum SC Paderborn in die zweite Bundesliga. «Wenn möglich, schauen wir jedes unserer Spiele live im TV und geben uns ehrliches Feedback», so die Aargauerin. Seit über drei Jahren sind die beiden ein Paar. Kennengelernt haben sie sich beim FC Basel.

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