Schweizer Speed-Dominanz wird zum Problem für Talente – Swiss-Ski hat überraschenden Plan
Die Schweizer Speed-Stars um Marco Odermatt und Franjo von Allmen dominieren im Weltcup. In der Abfahrt stehen neun Schweizer in den Top 30 der Disziplinenwertung. Cheftrainer Tom Stauffer darf aber nur acht Fixplätze vergeben. Einen zusätzlichen Weltcup-Startplatz für die Folgesaison erhält ein Fahrer nur dann, wenn er sich im Europacup unter den Top 3 der Disziplinenwertung klassiert.
Die Schweiz hat in der Abfahrt deshalb ein Überangebot. Auch, weil im Europacup Sandro Manser, Alessio Miggiano und Gaël Zulauf die Plätze 2 bis 4 belegen – also alle noch Chancen auf einen fixen Startplatz im Abfahrts-Weltcup haben. Für andere junge Schweizer ist es so unheimlich schwer, wichtige Erfahrungen im Weltcup zu sammeln.
Wie schnell das zum Problem werden kann, weiss ORF-Experte Hans Knauss. Der 55-Jährige gehörte zu einer österreichischen Generation, die im Weltcup fast alles abräumte. 1998 gab es gar mal einen Neunfachsieg im Super-G. «Letztendlich war es aber genau diese gigantische Dominanz unseres Teams, welche sich negativ auf unseren Nachwuchs ausgewirkt hat», sagt dieser gemäss Blick. Dadurch seien zwei Rennfahrer-Generationen verloren gegangen, erklärt Knauss. «Weil die Plätze im Weltcup zum grossen Teil vergeben waren, mussten viele Talente zu lange im Europacup darben, wo sie sich technisch nicht weiterentwickelt haben, weil die Pisten in der zweiten Liga vielfach zu einfach sind.»
Dies könnte nun auch der Schweiz passieren. Damit die Talente, denen weitere Saisons im zweitklassigen Europacup drohen, nicht verloren gehen, will Swiss-Ski ihnen nun eine andere Sportart näherbringen: Skicross. Swiss-Ski-CEO Walter Reusser berichtete gegenüber Blick, «dass wir im Frühling einigen Alpinen Schnupperkurse bei den Skicrossern anbieten werden».
Auch Tom Stauffer, Männer-Cheftrainer der Alpinen, hält dies für eine gute Idee. «Früher war es so, dass viele Alpine, die im Regionalen Leistungszentrum aussortiert wurden, zu den Skicrossern gewechselt sind, wo das Niveau nicht ganz so hoch ist.» Nun gebe es im Swiss-Ski-Kader einige alpine Skifahrer, die trotz sehr guten Niveaus geringe Chancen auf einen Weltcupeinsatz hätten. «Deshalb würde ein Transfer zum Ski-Cross für einige Athleten Sinn machen», so Stauffer.
Mit Blick auf die Schweizer Olympia-Teilnehmer könnte dies auch dem Skicross-Team guttun. Silbermedaillengewinner Alex Fiva ist bereits 40 Jahre alt, Ryan Regez ist 33 und Romain Détraz 32. Tobias Baur war mit 28 Jahren noch der Jüngste. Da würde junger Zuwachs nicht schaden. (nih)
