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Giovanni Franzoni – der Sieger vom Lauberhorn verlor besten Freund

Marco Odermatt gratuliert dem späteren Sieger Giovanni Franzoni zu seiner starken Fahrt.
Marco Odermatt gratuliert dem späteren Sieger Giovanni Franzoni zu seiner starken Fahrt.Bild: srf

Der verstorbene Franzoso war sein bester Freund – so emotional ist Franzonis Wengen-Sieg

Giovanni Franzoni hat im Super-G am Lauberhorn seinen ersten Weltcup-Sieg eingefahren. Mit seiner Fahrt beeindruckte er gar Marco Odermatt – dabei hat der Senkrechtstarter vom Gardasee schwierige Monate hinter sich.
16.01.2026, 14:3716.01.2026, 16:53

Einer wusste direkt, dass es ganz schwer werden würde, diese Fahrt von Giovanni Franzoni noch zu überbieten: Marco Odermatt. Der Weltcup-Dominator und grosse Favorit im Super-G am Lauberhorn biss sich wie alle Fahrer vor und nach ihm die Zähne an der Bestzeit des Italieners mit der Startnummer 1 aus. Nach der Zieleinfahrt sagte der 28-jährige Odermatt dem vier Jahre jüngeren Franzoni: «Ich habe deine Fahrt gesehen und gedacht: Das ist Platz 1.»

Zu dem Zeitpunkt gab sich Franzoni noch zurückhaltend. Schliesslich standen noch etliche Fahrer oben. Doch Odermatts Gefühl sollte sich bewahrheiten. Giovanni Franzoni war nicht mehr von der Spitze zu verdrängen. Der Senkrechtstarter vom Gardasee, der vor dieser Saison noch nie auf einem Weltcup-Podest gestanden hatte, feierte in Wengen seine Siegpremiere. Dem Österreicher Stefan Babinsky nahm er 35 Hundertstel ab, Vorjahressieger Franjo von Allmen folgte mit zwei weiteren Hundertsteln Rückstand, Odermatt fiel gar über eine halbe Sekunde zurück.

Es war ein weiteres Zeichen, dass sich Franzoni in Wengen wohlzufühlen scheint und auch in der Abfahrt vom morgigen Samstag mit ihm zu rechnen ist. In den beiden Trainings distanzierte er die Konkurrenz jeweils um über eine Sekunde. «Ich liebe diese Strecke, obwohl ich vor zwei Jahren einen schweren Unfall hatte. Aber ich holte hier auch meine ersten Weltcup-Punkte, es ist eine sehr spezielle Piste», sagte Franzoni im Interview mit dem SRF.

Dass Franzoni in dieser Saison so erfolgreich Ski fährt, ist alles andere als selbstverständlich. Der Tod von Matteo Franzoso nach einem Trainingsunfall hat alle Skifahrerinnen und -fahrer und vor allem das italienische Team hart getroffen. Doch für Franzoni war es ein besonders grosser Schicksalsschlag.

Franzoso war für ihn die «wichtigste Stütze», sagte Franzoni der Gazzetta dello Sport nach seinem ersten Weltcup-Podest in Gröden im Dezember, das er Franzoso widmete. Sein Freund habe ihm immer «eine unglaubliche emotionale Gelassenheit» gegeben. Noch immer würden ihm manchmal die Tränen kommen, weil er es nicht fassen könne und sich frage: «Was zum Teufel mache ich hier eigentlich?»

Der Sport war seine Rettung, berichtet Franzoni. «Hätte ich nicht weiter skifahren können, wäre ich in eine Krise geraten.» Er werde die Lebensfreude Franzosos stets bei sich tragen, versprach er nach dessen Tod im September, «jede meiner Kurven wird auch deine sein. Wir werden jedes Rennen und jedes Training gemeinsam bestreiten und den Traum weiterleben, den wir immer geteilt haben.» Ein Traum ging mit dem Sieg am Lauberhorn nun in Erfüllung.

Nach seiner Premiere in Gröden hatte er auf Instagram geschrieben: «Ich habe mir versprochen, dass das erste Podium auch dir gehören würde. Und so war es auch, denn deine Erinnerung hat mir jeden Tag Kraft gegeben. Ich danke dir, Matte.»

«Es ist verrückt», rang Franzoni nach seiner Siegpremiere nach Worten. «Ich weiss nicht, was ich sagen soll.» Am Vortag habe er ein Banner mit der Aufschrift «Home of Legends» gesehen, nun feierte er ausgerechnet auf der legendären Lauberhorn-Piste seinen ersten Sieg. «Ich bin keine Legende, nur ein normaler Typ, der hier gewonnen hat», so der 24-jährige Italiener.

Italy's Giovanni Franzoni celebrates winning an alpine ski, men's World Cup super-G, in Wengen, Switzerland, Friday Jan. 16, 2026. (AP Photo/Giovanni Zenoni)
Switzerland World Cup Alpine Ski ...
Mit Nasenpflaster steht Giovanni Franzoni erstmals ganz oben auf dem Podest.Bild: keystone

Auch als Franzoni am Freitagnachmittag mit Nasenpflaster auf dem Leaderthron in Wengen sass, dürfte er an seinen verstorbenen Freund gedacht haben. Und fährt er so weiter, kann er Matteo Franzoso vielleicht bald weitere Siege oder gar eine Olympiamedaille widmen.

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quelle: keystone / peter schneider
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3 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RuBisCO
16.01.2026 16:05registriert Oktober 2021
Sympatischer Junge, schöne Geschichte!
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3
Sollst du an die WM 2030 in Marokko reisen?
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