Sport
Super League

YB verpasst Europa erstmals seit 13 Jahren – diese Probleme bestehen

Renato Steffen (LUG), celebrate 1-0 goal, during the Super League championship match between FC Lugano and BSC Young Boys, Sunday, May 3, 2026 in Lugano. (KEYSTONE / Ti-Press / Pablo Gianinazzi)
Ausgerechnet Renato Steffen besiegelte das Schicksal seines Ex-Klubs.Bild: keystone

YB verpasst Europa erstmals seit 13 Jahren – und steht vor 3 grossen Fragen

Nun ist es bittere Realität für die Young Boys: Erstmals seit der Saison 2013/14 werden die Berner nicht am Europacup teilnehmen. Nun steht YB vor drei Kehrausspielen – und grossen Fragen, die es im Sommer zu lösen gibt.
04.05.2026, 17:3304.05.2026, 17:33

Ab der Saison 2014/15 waren die Berner Young Boys immer in Europa vertreten – mindestens in der Qualifikation zu einem der mittlerweile drei europäischen Wettbewerbe. In der nächsten Saison wird YB aber definitiv nicht im Europacup spielen. Drei Runden vor Schluss ist der vierte Platz nicht mehr zu erreichen, in den letzten drei Spielen gegen Basel (h), Meister Thun (a) und Sion (h) geht es also um nichts mehr. YB wird die Saison ziemlich sicher als Sechster abschliessen, es ist die schlechteste Platzierung seit 13 Jahren.

Standings provided by Sofascore

Man wolle zwar nochmal alles raushauen, sagte Captain Loris Benito nach der 0:1-Niederlage in Lugano vom Sonntag bei Blue, doch: «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht die Nase voll habe vom Ganzen. Es ist gut, wenn die Saison bald mal fertig ist!»

Vorne hui, hinten pfui

Schon das ganze Jahr über sei YB zu anfällig für Fehler und zu unsauber im Abschluss gewesen, findet der 34-jährige Innenverteidiger. Besonders problematisch war für YB jedoch die schwache Defensive. Denn den ligaweit zweitmeisten Toren (66) stehen die viertmeisten Gegentore (63) gegenüber.

«Es passt zu dieser Saison, es passt einfach nichts zusammen.»
Gregory Wüthrich

Gerade bei Ecken waren die Berner immer wieder verwundbar. Auch am Ursprung des einzigen Tors in Lugano stand ein Eckball. Ausgerechnet Ex-YB-Profi Renato Steffen traf zum Sieg. Der 1,70 m grosse Flügelspieler wurde von deutlich grösser gewachsenen Gegenspielern wie Chris Bedia oder Gregory Wüthrich völlig alleingelassen und kam zu seinem erst zweiten Kopfballtor in der Super League.

«Ich bringe das nicht nur mit der Körpergrösse und der Physis in Verbindung, sondern auch mit der totalen Bereitschaft und dem Willen, das Duell einfach zu gewinnen», sagte Trainer Gerardo Seoane über das Gegentor in der 85. Minute zur Berner Zeitung. Dies darf als mehr oder weniger subtile Kritik an seinen Spielern verstanden werden. Wüthrich, der selbst nicht ins Kopfballduell kam, tobte danach: «Es passt zu dieser Saison, es passt einfach nichts zusammen.»

Mit einer derart anfälligen Defensive war es für YB unmöglich, weiter vorne mitzuspielen. Dass es nun nicht einmal für einen Europacupplatz reicht, tue gemäss Benito unglaublich weh. «Das war unser Mindestziel», sagt er dem Blick, «dass wir es nicht schaffen, zeigt einmal mehr, dass in dieser Saison einiges nicht gut gegangen ist.» Abwehrpartner Wüthrich will hingegen nicht von Enttäuschung reden: «Was heisst enttäuschend? Es war einfach zu wenig, wir haben es uns nicht verdient.»

Unter Seoane wurde YB schlechter

Nach einer weiteren Saison, in welcher der Klub hinter den Erwartungen zurückblieb, steht YB vor vielen Fragezeichen. Der Trainerwechsel von Giorgio Contini zu Gerardo Seoane Ende Oktober brachte nicht die erhoffte Wende. Der dreifache Meistertrainer kam in 24 Ligaspielen nur auf einen Punkteschnitt von 1,25 Zählern. Das wäre in der Super League gleichbedeutend mit Platz 8. In elf Partien unter Contini waren es noch 1,64 Punkte pro Spiel.

«Wenn eine Saison so läuft, hat keiner seinen Beitrag zu 100 Prozent bringen können.»
Trainer Gerardo Seoane

Seoane sieht vor allem sich selbst, aber auch die Spieler in der Verantwortung: «Wenn eine Saison so läuft, hat keiner seinen Beitrag zu 100 Prozent bringen können.» Der Trainer kündigte eine tiefgehende Analyse an, die «zu möglichen Massnahmen, dass wir in der nächsten Saison hoffentlich besser auftreten» führen soll. Ob Seoane in der nächsten Saison noch an der Seitenlinie steht, um diese umzusetzen, müssten andere beantworten, sagte der 47-Jährige. «Ich habe einen gültigen Vertrag. Das ist alles, was es dazu zu sagen gibt.»

Trainer Gerardo Seoane (YB) verlaesst das Feld nach der Niederlage im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys, YB, und dem FC Thun, FCT, vom Sonntag, 8. Maerz 2026 im ...
Gerardo Seoane konnte das Ruder bei YB nicht herumreissen.Bild: keystone

Geht das Supertalent?

Sicher bleiben dürfte Stürmer Chris Bedia, der mit 16 Super-League-Toren bester Torschütze bei YB ist. Für die Leihgabe von Union Berlin besitzen die Berner eine Kaufoption von rund 2,3 Millionen Franken. Routinier Christian Fassnacht brillierte mit 15 Ligatreffern ebenfalls. Der 32-Jährige erzielte gemeinsam mit Bedia also fast die Hälfte der 66 YB-Tore. Aber auch Jungstar Alvyn Sanches und Joël Monteiro stellten ihre Torgefahr unter Beweis.

Jedoch ist gerade bei Sanches nicht auszuschliessen, dass er die Berner ein Jahr nach seiner Ankunft aus Lausanne bereits wieder verlässt. Der 23-jährige Spielmacher weckte schon vor seiner schweren Verletzung, die ihn im letzten Jahr lange ausser Gefecht gesetzt hatte, Begehrlichkeiten im Ausland.

Alvyn Sanches a réalisé le doublé face à son ancienne équipe du LS.
Alvyn Sanches hat sich auf die Wunschlisten einiger Klubs aus den Topligen gespielt.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Es wäre ein herber Verlust für YB, das ohnehin schon vor einem grossen Sommer steht. In diesem müssen die Verantwortlichen um Sportchef Chrystoph Spycher einige wegweisende Entscheidungen treffen:

  1. Bleibt Trainer Gerardo Seoane?
  2. Wie kann die Defensive um die alternden Innenverteidiger Loris Benito und Gregory Wüthrich wieder sattelfester gemacht werden?
  3. Und wie bleibt die Offensive bei allfälligen Abgängen so torgefährlich wie in dieser Saison?

Nur wenn die YB-Führungsetage die richtigen Antworten findet, kann eine dritte Saison in Folge, in welcher der 17-fache Meister nichts mit dem Titelkampf in der Super League zu tun hat, verhindert werden.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die YB-Trainer in diesem Jahrtausend
1 / 22
Die YB-Trainer in diesem Jahrtausend
Nicht jeder Übungsleiter erhielt bei YB Kultstatus wie Adi Hütter, der als «Trainergott» verehrt wird. Die Trainer seit dem Jahr 2000.
quelle: keystone / peter klaunzer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So ausgelassen feiert Thun den Meistertitel
Video: ch media
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
19 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bluetgraetsche
04.05.2026 18:19registriert August 2025
Ich habe nun seit 26 Jahren ein Abo bei YB und werde es wieder verlängern. Meiner Meinung nach, tut es dem Verein gut, dass Europa verpasst wurde. Erstens sind/waren wir in Bern zu erfolgsverwöhnt und viele "Fans" sind erst seit 2018 da, wo die Meisterschaft ein Selbstläufer war, andererseits schadet ein wenig Demut niemanden bei Gelb-Schwarz. Freue mich auf die +/- 3k weniger Modefans und auf die kürzere Warteschlange beim Bierstand ;-)
563
Melden
Zum Kommentar
avatar
de_spy
04.05.2026 17:49registriert April 2016
Also die Trainerdiskussion wieder zu eröffnen, nachdem die Mannschaft eindrücklich unter verschiedenen Übungsleitern ihre Unzulänglichkeiten bewiesen hat, ist nicht verständlich. Ja, Gerry hat nochmal den schlechteren Punkteschnitt nun, aber es ist doch offensichtlich, dass die Grüppchen im "Team" und fehlende Leader statt Schwätzer die problème darstellen, die es zu lösen geben sollte mit höchster Prio.
392
Melden
Zum Kommentar
avatar
Junge mit Früchtekorb
04.05.2026 18:47registriert Oktober 2014
Wie sie 3,5 Millionen für einen impotenten Stürmer ausgeben, obwohl Bedia und Fassnacht die Torschützenliste anführen, anstatt diesen Stolperi Benito zu ersetzen. Was für eine Komödie.
212
Melden
Zum Kommentar
19
SCB bestätigt Eismeister-Bericht: Serge Aubin wird neuer Trainer
Der SC Bern wird bei der Trainersuche in Deutschland fündig. Serge Aubin stösst mit einem grossen Leistungsausweis von den Eisbären Berlin zum SCB. Der Kanadier unterschreibt einen Dreijahresvertrag.
Für Aubin ist es eine Rückkehr in die Schweiz. Auf die Saison 2018/19 übernahm der frühere NHL-Stürmer, der von 2004 bis 2011 mit Genève-Servette und Fribourg-Gottéron 243 Partien in der höchsten Schweizer Liga absolviert hatte, als Cheftrainer bei den ZSC Lions. Nach nicht einmal einem halben Jahr wurde er Mitte Januar durch Arno Del Curto ersetzt. Die Zürcher verpassten danach als Qualifikationssieger die Playoffs.
Zur Story