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Joao Sousa of Portugal in action against Cedrik-Marcel Stebe of Germany during a semi final game at the Swiss Open tennis tournament in Gstaad, Switzerland, on Saturday, July 27, 2019. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Dunkle Wolken brauen sich über dem Weltsport Tennis zusammen. Bild: KEYSTONE

Mindestlohn für Tennis-Profis? So mies geht es der zweiten und dritten Garde

Die Tennisprofis könnten noch lange warten müssen, bis sie mit ihrem Sport wieder Geld verdienen. Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass es Hilfe braucht, um einen Kahlschlag zu verhindern. Die Frage ist: von wem?



Wer hat, dem wird gegeben. Die Tennisspieler Frankreichs, Grossbritanniens und der USA, die auch in normalen Zeiten auf eine sehr grosszügige Unterstützung zählen können, dürfen auch diesmal auf ihren nationalen Verband zählen. Jeweils mehrere Dutzend Millionen sprachen diese im Rahmen eines Corona-Hilfspakets für Spieler, Coaches, Tennislehrer, Klubs und Sportanlagen. Sie können es sich leisten, dank der Millionen, welche die Grand-Slam-Turniere jedes Jahr an Gewinn abwerfen.

Von einem solchen Geldsegen kann Swiss Tennis nur träumen. Der Präsident René Stammbach winkt ab. «Leider können wir nicht allen unseren Spielerinnen und Spielern helfen, die von dieser Pandemie betroffen sind», erklärt er gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Auch der Schweizer Verband rechnet mit Mindereinnahmen. Je länger nicht gespielt werden kann, desto grösser werden sie. «An die Konsequenzen, falls die ganze Saison ausfallen würde, wage ich gar nicht zu denken», sagt er nachdenklich.

All die Laaksonens und Vögeles dieser Tennis-Welt haben es schwer

Immerhin ist Swiss Tennis finanziell solide aufgestellt. Für manche Spieler, die nicht zu den Topverdienern gehören, wird die Krise hingegen schon bald einmal existenzbedrohend. Stefanie Vögele (WTA 109), Viktorija Golubic (WTA 123) oder Henri Laaksonen (ATP 137), die alle im letzten Jahr zumindest teilweise den Top 100 angehörten, verdienten 2019 zwischen rund 250'000 bis 440'000 Dollar Preisgeld.

Trotz hoher Steuerabgaben vor Ort, Reisekosten und dem Lohn für Coach oder Physiotherapeut lässt sich davon leben und ab und zu auch ein wenig etwas für schlechtere Zeiten wie jetzt auf die Seite legen. Als Selbständigerwerbende dürften sie auch zumindest einen Teil ihres Einnahmenausfalls aktuell über die Erwerbsersatzentschädigung geltend machen.

Gedanken über Zukunft als Profi

Schlechter sieht es für die dritte Kategorie von Tennisspielern aus. Der Schweizer Davis-Cup-Spieler Sandro Ehrat, Nummer 393 der Welt, sagte gegenüber dem Fernsehen SRF: «Ich bange derzeit um meine Profikarriere. Die Situation macht mir natürlich ein wenig Angst. Ich habe auch noch eine Familie.» Natürlich mache er sich Gedanken, wie und ob es weitergehe, gab der 29-jährige Vater eines Sohns zu.

epa07840108 Sandro Ehrat of Switzerland celebrates after defeating Martin Klizan of Slovakia during the Davis Cup Europe/Africa Group I first round tie between Slovakia and Switzerland in Bratislava, Slovakia, 13 September 2019.  EPA/JAKUB GAVLAK

Exploit im Davis Cup: Sandro Ehrat schlägt im vergangenen September den Slowaken Martin Klizan. Bild: EPA

Der Schaffhauser stellt sich aber auf den Standpunkt, dass die Topstars ihnen nichts schuldig seien. Die Neuenburgerin Conny Perrin, WTA-Nummer 255 und aktuell in Kalifornien von einer Ausgangssperre betroffen, erklärte gegenüber Keystone-SDA hingegen: «Ich hoffe, dass die Diskussionen zu Verbesserungen für alle Circuits führt. ATP (Männer), WTA (Frauen) und ITF (Turniere der unteren Kategorien).»

Muratoglou bringt Mindestlohn ins Spiel

Das Coronavirus verschärft eine Krise, die bereits seit Langem latent schwelt. An der Spitze werden Millionen verdient, doch bereits ab etwa Rang 200 der Weltrangliste kämpfen die Tennisspieler ums Überleben, selbst in normalen Zeiten. Der französische Starcoach (unter anderen von Serena Williams) Patrick Mouratoglou weist darauf hin, dass der Tennissport nicht nur von seinen Stars lebe. Man müsse auch an die Spieler hinter den Top 100 denken.

Er stellt sich eine Art Mindestlohn vor. Und die Georgierin Sofia Shapatava, Nummer 371 der Welt und im letzten Jahr mit einem Preisgeld von gut 15'000 Dollar, verlangt in einer Online-Petition finanzielle Unterstützung durch die Verbände. Immerhin seien auch andere Einkünfte wie Trainerstunden, Interclub-Meisterschaften oder Preisgeld-Turniere ausserhalb der WTA versiegt.

Hilfsplan der Topverdiener

Zumindest bei den Männern scheint erste Hilfe in der Pipeline. Verschiedene Medien berichteten am Samstag von einem Plan, den der ATP-Spielerrat unter der Führung von Präsident Novak Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal entworfen hat. Er sieht einen Hilfsfonds vor, den die Spieler der Top 100 (plus die Top 20 im Doppel) äufnen sollen. Die Beiträge lägen zwischen 30'000 (Top 5) und 5000 Dollar (Doppel und Platz 51 bis 100). Die vier Grand-Slam-Turniere sollen jeweils eine halbe Million beisteuern, von den ATP Finals Ende Jahr möchten sie die Hälfte des Preisgelds in den Fonds fliessen lassen. Insgesamt gäbe das einen Topf von mehr als vier Millionen Dollar.

Ziel sei es, den Spielern auf den Weltranglistenplätzen 250 bis 700 je 10'000 Dollar zukommen zu lassen, um die aktuelle Krise zu überbrücken. «Wir glauben, dass wir uns zusammenschliessen müssen, um diesen Spielern zu helfen», zitierte die französische Sportzeitung «L'Equipe» aus dem Brief von Djokovic. «Viele von ihnen denken darüber nach, den Tennis zu verlassen, weil sie finanziell nicht überleben können.»

Hilfe anderer Art könnte es von Swiss Tennis geben. «Wenn man wieder spielen darf, werden wir uns bemühen, mehrere Turniere für die besten Spielerinnen und Spieler der Schweiz zu organisieren», verrät Alessandro Greco, Leiter Spitzensport. «Vielleicht mit, vielleicht ohne Zuschauer. Aber sie werden Lust haben, wettkampfmässig zu spielen, bevor es auf der Profitour wieder los geht.» Ob das noch in diesem Jahr sein wird, wagt Greco nicht zu prophezeien. Trotz Hilfe, die Zeit wird für das Gros der Tennisprofis nicht einfacher. (ram/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gubbe 20.04.2020 10:07
    Highlight Highlight Der Spendenansatz von den 'Tennisgrössen' ist falsch. Man muss nicht den Verbänden und den Organisatoren mehr Geld aus der Tasche ziehen. Diese Grossverdiener sollten maximal nur noch 30% ihrer Prämien bekommen, der Rest auf die Minderverdiener aufgeteilt. Übrigens ist Tennis ein Spiel und ein Sport, den man nicht machen muss.
  • Sarkasmusdetektor 19.04.2020 20:45
    Highlight Highlight Dabei ist Social Distancing beim Tennis doch praktisch Teil der Spielregeln.
  • poltergeist 19.04.2020 16:18
    Highlight Highlight Das ist doch kein Problem solange sich die Finanzierung innerhalb des Tennis abspielt. Problematisch wird es erst wenn der Staat einspringen soll.
    • Chääschueche 19.04.2020 22:19
      Highlight Highlight Kurze Frage: Der Staat Profitiert ja vom Sport.
      Da wären Steuern welche z.B. Sportclubs/Vereine zahlen. MWSt einnahmen durch Ticketverkäufe, Tourismus bei Sportanlässen (nicht unbedingt XXL Anlässe) usw.

      Dann sollte es jetzt nur Fair sein, das Profisportler auch Unterstützt werden. Zumindest mit einem Betrag von dem Mann/Frau Leben kann. Und nein ich Spreche nicht von den Grossverdienern. Das sind nämlich nur die wenigsten.
  • NothingtToSeeHere 19.04.2020 16:17
    Highlight Highlight In Sportarten wie z.b dem Downhill Mountainbiken ist man als Top 100 Athlet noch lange nicht finanziell abgesichert.
    Die Preisgelder sind klein, die Sponsorenverträge bleiben aus wenn man nicht in die Top 20 gehört (da nur diese Live auf Red Bull TV gezeigt werden)

    Gibt auch Schweizer Fahrer, die sich trotz Top Leistungen, ohne Beruf nebenbei nicht mal das Flugticket leisten könnten.



  • Gawayn 19.04.2020 16:08
    Highlight Highlight Warum soll man den Tennisspielern ein Mindest Lohn geben, aber niemand sonst in der Schweiz hat ein Anrecht drauf?
    Bevor es in der CH kein Mindestlohn für Büezer gibt, braucht es auch keinen für Sportler.

    Dann wäre die Frage, warum die Tennisspieler und nicht Judokas, Schachspieler, Bogenschützen etc?

    Sorry kann es nich nach vollziehen.
    Sport ist Hobby. Es gibt Welche die werden gut genug, von ihrem Hobby zu leben.
    Die meisten nicht.
    Und das ist gut so!
    • Selbstverantwortin 19.04.2020 16:29
      Highlight Highlight Bezüglich staatlichem Mindestlohn hast du natürlich völlig recht. Dass die sehr reichen Top-Spieler anderen etwas helfen wollen, finde ich aber positiv.
    • Gawayn 19.04.2020 16:42
      Highlight Highlight @Verantwortin.
      Klar können die Tennisprofis mit ihren Millionen tun was die immer lustig sind.

      So lange dafür keine öffentlichen Gelder genutzt werden ist es OK.
      Ich seh den Nutzen aber nicht ein.
      Besser ein Center zur Förderung der Spieler eröffnen.
      Wenn daraus Talente hervor gehen, kommen Sponsoren dafür von ganz alleine..
    • Chääschueche 19.04.2020 22:11
      Highlight Highlight So viele falschinfos...

      "aber niemand sonst in der Schweiz hat ein Anrecht drauf?"

      In allen Branchen mit einem GAV (Bauhaupt- und Nebengewerbe, Detailhandel (Migros/Coop), Post, SBB u.a.) gibt es seit JAHREN mindestlöhne.

      Ca. 1,8 Millionen Arbeitnehmer haben einen Mindestlohn.

      Nachzulesen bei der UNIA bzw. den GAVs der entsprechenden Branchen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luca Regnipuzz 19.04.2020 15:16
    Highlight Highlight Und was hindert denn die Tennis Profis daran, einer Arbeit nachzugehen, wo sie einen Mehrwert generieren, um dafür dann bezahlt zu werden? Über 99% der Sportler können nicht von Preisgeldern/Sponsorengeldern leben und haben sich arrangiert
    • Silent_Revolution 19.04.2020 19:17
      Highlight Highlight Profi wirst du nur, wenn du alles auf eine Karte setzt und eben nicht arbeiten gehst. Dass ein 29-jähriger Ehrat nichts mehr reissen wird ist klar. Deshalb hätte er sich schon vor 2-3 Jahren Gedanken diesbezüglich machen sollen.

      Aber ein angehender Profi im Teenager- oder jungen Erwachsenenalter kann nicht arbeiten, wenn er Profi werden will.
    • Chääschueche 19.04.2020 22:24
      Highlight Highlight @Luca
      99% der Tennisprofis Arbeiten neben dem Sport obwohl Sie im normallfall alle 2-4 Wochen für mehrere Tage/Wochen ausser Landes sind?

      Das Training kommt dann noch dazu..X Stunden pro Woche.

      Ist wohl leichter gesagt als getan ;)

      Oder kennst du einige Beispiele? Ich kenne keine Tennisprofis die einen 2ten Job haben. Aber hast du Links? Hab nichts gefunden via. Google.

      Danke im voraus.
    • Luca Regnipuzz 20.04.2020 00:22
      Highlight Highlight Meine Aussage war vielleicht etwas provokant. Natürlich ist es für diese "knappen" Profis auch sehr unschön, was grad passiert. Ich merke halt, wie ich mit meiner Empathie an Grenzen komme, denn es gibt nun mal im Moment Millionen von schlimmeren Schicksalen durch die Folgen des Virus.

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