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Dayana Yastremska erreicht den Halbfinal des Australian Open

Dayana Yastremska of Ukraine celebrates after defeating Linda Noskova of the Czech Republic in their quarterfinal match at the Australian Open tennis championships at Melbourne Park, Melbourne, Austra ...
Dayana Yastremska steht als Qualifikantin im Halbfinal der Australian Open. Bild: keystone

Ukrainerin schreibt Tennisgeschichte: «Alles im Leben erreicht man nur durch kämpfen»

Im Viertelfinal der Australian Open schrieb Dayana Yastremska Tennisgeschichte. Zum ersten Mal seit 46 Jahren erreichte eine Qualifikantin in Melbourne den Halbfinal. Die Ukrainerin denkt nach ihrem grössten Karriereerfolg auch an ihre Landsleute.
24.01.2024, 11:0224.01.2024, 14:03
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Nach einer Stunde und 19 Minuten ist es so weit: Die Ukrainerin Dayana Yastremska nutzt im Spiel gegen die Tschechin Linda Noskova ihren ersten Matchball zum Zweisatzsieg (6:3, 6:4). «Ich habe einfach mein Bestes gegeben. Alles im Leben erreicht man nur durch kämpfen», meinte die überwältigte 23-Jährige nach ihrem Triumph in der Rod-Laver-Arena in Melbourne.

Dayana Yastremskas Einzug in den Halbfinal der Australien Open ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Das letzte Mal gelang dies einer Qualifikantin im Jahr 1978. Die Australierin Christine Matison erreichte sensationell den Halbfinal, wo sie schliesslich an der US-Amerikanerin Betsy Nagelsen scheiterte. Matisons Sensationsgeschichte ist nun 46 Jahre her, doppelt so lange, wie die 23-jährige Yastremska alt ist.

Angesprochen auf das historische Ausmass ihrer Leistung, meinte die Ukrainerin dann auch: «Es ist schön, diese Geschichte zu schreiben. Das letzte Mal, als das jemand schaffte, war ich noch nicht einmal geboren».

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass mitten im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine drei Tennisspielerinnen aus dem osteuropäischen Land im Achtelfinal der Australian Open standen. Obwohl wohl wenige auf die Qualifikantin und Nummer 93 der Weltrangliste gesetzt hätten, ist Yastremska nun die einzige ihrer Landsfrauen, die noch übrig bleibt.

«Ich will einfach ein Signal an die Menschen in der Ukraine senden, dass ich wirklich stolz auf unser Land bin.»
Dayana Yastremska

An ihre Landsleute dachte die 23-Jährige dann auch nach dem Sieg gegen Noskova. «Ich bin stolz auf unsere Kämpfer in der Ukraine», schrieb sie im Vorbeigehen auf die Kameralinse.

In einem Interview nach dem Spiel erklärte sie diese Geste folgendermassen: «Sie verdienen wirklich unseren Respekt. Ich versuche immer, etwas über die Ukraine zu schreiben. Ich denke, das ist meine Mission hier. Ich will einfach ein Signal an die Menschen in der Ukraine senden, dass ich wirklich stolz auf unser Land bin.»

epaselect epa11099974 A view of a message written on the front of a camera by Dayana Yastremska of Ukraine, which reads: 'I?m proud of our fighting people from Ukraine' following her Quaterf ...
Yastremskas Nachricht an ihre Landsleute.Bild: keystone

Die Tennisspielerin aus Odessa ist auch persönlich vom Krieg betroffen. Nach der russischen Invasion flüchtete sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester nach Frankreich.

Mit dem grössten Erfolg ihrer Karriere zurück in den Top-50

2018 in Hongkong und 2019 in Hua Hin sowie in Strassburg konnte Yastremska bereits WTA-Turniere für sich entscheiden. Auf der grossen Grand-Slam-Bühne ist der Einzug in den Halbfinal der Australian Open ihr bisher grösster Erfolg.

Die Ukrainerin schaffte es im Jahr 2020 bis auf Platz 21 des WTA-Rankings, fiel danach aber aufgrund einer Dopingsperre aus den Top-100. Mit dem Sieg gegen Noskova wird sie nach dem Turnier in Australien wieder in die Top-50 zurückkehren.

Die Doping-Sperre aus dem Jahr 2021 wurde rund sechs Monate später wieder aufgehoben, da Yastremska weder Vorsatz noch Nachlässigkeit nachgewiesen werden konnten. Auch abgesehen von den Dopingvorwürfen sieht sich die Ukrainerin mit dem Vorwurf von unsportlichem Verhalten konfrontiert. So warfen ihr die Spielerinnen Caroline Wozniacki und Ajla Tomljanovic vor, durch unnötige «Medical Timeouts» absichtlich den Rhythmus der Gegnerin zu stören.

Eine Frau mit vielen Talenten

Bevor Yastremska mit zwölf Jahren ganz auf das Tennis setzte, versuchte sich die polysportive Athletin auch im Schwimmen, Turnen, Tanzen und in der Gymnastik. Sollte es mit ihrer Tenniskarriere nicht wie gewünscht vorangehen, kann sie sich auf ein weiteres Talent verlassen. 2020 veröffentlichte die 23-Jährige nämlich zwei Songs auf Ukrainisch.

Im Moment steht das Tennis aber klar im Fokus. Am Donnerstag bestreitet Dayana Yastremska ihren Halbfinal. Sie trifft auf die Chinesin Zheng Qinwen, die die Russin Anna Kalinskaja in drei Sätzen schlug.

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