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Roger Federer opfert für die IPTL eine ganze Woche seiner wertvollen Zeit.<br data-editable="remove">
Roger Federer opfert für die IPTL eine ganze Woche seiner wertvollen Zeit.
Bild: ANINDITO MUKHERJEE/REUTERS

Jede Menge Selfies für unheimlich viel Geld – wie die IPTL uns Tennis-Fans für dumm verkauft

17.12.2015, 16:14

Es mutet schon etwas seltsam an: Da beklagen sich die Tennisstars jährlich über den überfrachteten Turnierkalender und dann jetten sie in der einzigen längeren Pause durch ganz Asien, um in der 2014 ins Leben gerufenen Tennis-Liga IPTL (International Premier Tennis League) ein Match nach dem anderen zu bestreiten.

Ob im japanischen Kobe, in Manila auf den Philippinen, in der indischen Metropole Neu Dehli, in Dubai oder Singapur – mit dabei sind fast alle Superstars der Branche: Von Rafael Nadal über Andy Murray bis Roger Federer, der sich sogar eine ganze Woche Zeit nimmt. Kurzfristig abgesagt hat Novak Djokovic, die Weltnummer 1. Er wird durch Stan Wawrinka ersetzt, der am letzten Spieltag in Singapur sogar mit Erzfeind Nick Kyrgios (Stichwort: «Kokkinakis hat deine Freundin geb....!») in einem Team spielt.

Warum tut sich das der frisch gebackene Schweizer Sportler des Jahres nur an? «Jeder weiss, warum wir dort antreten», sagt der French-Open-Champion in einem Interview mit «24 Heures» ohne Umschweife. Natürlich wegen des lieben Geldes. Die Gagen für die 45 Tennis-Cracks sind horrend. So soll Rafael Nadal pro Spieltag rund eine Million Dollar kassieren. Für nicht viel weniger tritt wohl Serena Williams an, die ihre Saison Anfang Oktober wegen einer Verletzung vorzeitig abbrach und sogar auf die WTA Finals verzichtete.

Doch bei der IPTL sind die Verlockungen einfach zu gross: Organisator Mahesh Bhupathi, einstige Weltnummer 1 im Doppel, hat für die Spieler ein Schlaraffenland geschaffen. Lukrative Gagen, null organisatorischer Aufwand, Residieren in Luxus-Hotels und viel Spass mit den Kollegen bei ein paar sportlich überhaupt nicht relevanten Duellen – Sportler-Herz was willst du mehr?!

Auch die Fans kommen – zumindest vordergründig – auf ihre Kosten: Zwar sind die Eintrittspreise horrend, für drei Tage muss man rund 200 Franken berappen. Doch durch sportlich fragwürdige Regeländerungen (Entscheidungspunkt bei Einstand, Auswechslungen mitten in der Partie) und Showeinlagen mit den Spielern auf der Bank wird dem Publikum kurzweilige Unterhaltung geboten. Wer nicht live dabei sein kann, muss nicht traurig sein: Die IPTL gibt's selbst in Europa stundenlang im Free-TV zu sehen und die sozialen Netzwerke werden mit Selfies und Videos nur so überschwemmt.

Jetzt müssten nur noch die Sponsoren profitieren. Ob sie das tun, ist noch ungewiss: Zahlen wurden bisher noch keine publiziert. Der Elektronik-Konzern Micromax erklärte aber vor der diesjährigen Austragung, dass man sein Engagement überdacht habe und nur noch als Sponsor und nicht mehr als Franchise-Nehmer der Indian Aces auftreten möchte. Der Grund: Im Vorjahr soll man mit der IPTL rund drei Millionen Dollar Verlust eingefahren haben.

Auch sportlich gibt der Event nicht viel her. Auch wenn Roger Federer etwas anderes behauptet: «Das ist kein Scooby-Doo-Tennis an einem Kids Day, wir spielen seriöses Tennis – mit dem Fun-Aspekt, für ein Team zu spielen», so der «Maestro». Ein bisschen scheinheilig. Denn auch der Rekord-Grand-Slam-Sieger kann auf dem Platz nicht verbergen, dass er nicht mit dem gleichen Engagement am Werk ist, wie wenn es um ATP-Punkte geht. Nicht umsonst hat er alle seine sechs bislang gespielten Sätze verloren.

Und so bleibt die IPTL am Ende eben doch, was sie ist und offenbar auch sein will: Eine gigantische Marketing-Veranstaltung mit viel Tamtam ohne sportlichen Reiz. Wo sich die Stars der Szene amüsieren dürfen und erst noch gross abkassieren können. Wo die Fans unterhalten werden, aber nie richtig mitfiebern können. Vorgegaukelter Spitzensport mit den besten ihrer Zunft.

Doch leider gehört das im kommerzialisierten Sport mittlerweile zum Tagesgeschäft. Im Fussball läuft es ja nicht anders: Das Pendant zur IPTL sind da die grossen Sommertours der europäischen Topklubs in Asien und den USA. Und uns wird wieder einmal vor Augen geführt: Geld diktiert die Sportwelt.

Wo Federer schon überall Tennis gespielt hat

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Wo Federer schon überall Tennis gespielt hat
quelle: epa / pool
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