Brasilianer Pinheiro Braathen schreibt Geschichte: «Mein wahres Ziel war Authentizität»
Den Unterschied machte Lucas Pinheiro Braathen auf den ersten 20 Fahrsekunden im ersten Lauf. Der Brasilianer mit Startnummer 1 erwischte den Übergang vom steileren Starthang so gut wie niemand nach ihm. Von diesem Tempo profitierte er in der ganzen oberen Hälfte, nahm seiner Konkurrenz bis zur zweiten Zwischenzeit sechs Zehntel und mehr ab. So betrug die Reserve auf Marco Odermatt bei Halbzeit schon fast eine Sekunde.
Dieses Polster verwaltete Pinheiro Braathen am Ende souverän. «Ich wusste, dass ich Odermatt nur mit hundertprozentigem Einsatz schlagen kann», analysierte Braathen nach seinem Triumph im ORF. Er habe einfach ans Limit gehen müssen, dann sei auch der eine oder andere Fehler dringelegen.
So schreibt der 25-Jährige Sportgeschichte. Er ist der erste Mensch der Welt, der für Brasilien und ganz Südamerika eine Medaille bei den Olympischen Winterspielen gewinnt. Eine Tatsache, die Pinheiro Braathen beinahe zu Tränen rührt: «Es ist absolut unmöglich, meine Emotionen jetzt in Worte zu fassen.» Er sei einfach dankbar, sagte der Brasilianer. Dankbar für seine Familie, sein Team und das Land Brasilien, dass sie zusammen Geschichte schreiben konnten.
Alberto Tomba chiama Braathen dopo la vittoria dell’oro: abbiamo finito le lacrime pic.twitter.com/O1Xh5miiHV
— Eurosport IT (@Eurosport_IT) February 14, 2026
In Oslo geboren, wuchs Pinheiro Braathen mit einer brasilianischen Mutter und einem norwegischen Vater in Norwegen auf. Die ersten fünf Jahre seiner Weltcup-Karriere fuhr er auch für den Verband seines Vaterlands – damals noch als Lucas Braathen. Doch immer wieder geriet er mit der norwegischen Skiföderation aneinander. So verkündete er aufgrund der ständigen Differenzen im Oktober 2023 überraschend seinen sofortigen Rücktritt vom Ski-Weltcup.
Rund ein halbes Jahr später verkündete Pinheiro Braathen seine Pläne, in den Weltcup zurückzukehren und künftig für Brasilien aufzulaufen. Die Resultate waren immer zweitrangig, bestätigt der 25-Jährige auch nach seinem Olympiasieg. «Mein wahres Ziel war, authentisch zu sein. Dass ich mich selbst sein kann», erklärt Pinheiro Braathen. Und sobald das möglich war, seien auch die Resultate wieder gekommen.
Pinheiro Braathen hofft, mit seinem Olympiasieg auch andere zu eigenen Träumen und Erfolgen inspiriert zu haben. «Ich hoffe, zu Hause haben alle zugesehen und gemerkt, dass es nicht wichtig ist, wie du aussiehst, woher du kommst oder welche Sprache du sprichst», sagt der Brasilianer. «Wichtig ist nur, was in deinem Herzen ist.»
Schweizer Dreifachsieg verhindert
Mit seinem Triumph verhinderte Pinheiro Braathen auch einen Schweizer Dreifachsieg im olympischen Riesenslalom. Am Ende hatte er noch 58 Hundertstel Reserve auf Marco Odermatt, der seine dritte Medaille an den diesjährigen Spielen gewann. Anders als noch vor vier Jahren, als er in Peking bei ähnlich misslichen Verhältnissen im Schneetreiben Gold holte, glänzt seine Medaille nun silbern.
Mit Loïc Meillard schaffte es ein zweiter Schweizer auf das Podest. Für den Westschweizer gibt es wie schon im Vorjahr an der WM die Bronzemedaille. Es ist seine zweite in Bormio nach dem Gewinn von Silber in der Team-Kombination mit Marco Odermatt.
Auf dem undankbaren 4. Platz klassierte sich Thomas Tumler. Nach einem schwierigen Saisonstart rief er im wichtigsten Rennen der Saison seine bisher beste Leistung ab. Am Ende fehlten dem WM-Zweiten von Saalbach 28 Hundertstel zu Bronze.
Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
