Odermatt über Silber im Riesenslalom: «Die schönste Medaille dieser Spiele»
Hudelwetter in Bormio – aber der Olympiasieger tanzt Samba. Lucas Pinheiro Braathen beschert Brasilien das erste Gold an Winterspielen.
Der 25-jährige brasilianisch-norwegische Doppelbürger verhinderte damit den zweiten Olympiasieg von Marco Odermatt. Der Nidwaldner hatte vor vier Jahren in Peking im Riesenslalom triumphiert und wollte am Samstag seine letzte Chance packen, auch 2026 eine Goldmedaille zu gewinnen.
Vier Rennen, drei Medaillen
In der Abfahrt wurde «Odi» undankbarer Vierter. In der Team-Kombination gewann er an der Seite von Loïc Meillard Silber, im Super-G Bronze. Im Riesenslalom war Gold schon bei Halbzeit nur noch schwierig zu erringen: Pinheiro Braathen hatte mit Startnummer 1 einen Fabellauf gezeigt und Odermatt 95 Hundertstel abgenommen. Zwar kam der Schweizer in der Entscheidung noch heran, doch letztlich verlor er den Kampf um den Olympiasieg mit 0,58 Sekunden deutlich.
«Auch heute war klar Gold das Ziel», sagte Marco Odermatt im SRF-Interview. «Aber ich bin sehr, sehr zufrieden. Wenn man meine Konstanz betrachtet: Ich bin in jedem Rennen da, ob im Weltcup oder hier, das ist unglaublich.» Angesichts der Umstände bezeichnete er die Silbermedaille im ORF als «die für mich schönste Medaille dieser Spiele».
«Beschissene» Vorbereitung
Nach anstrengenden Wochen mit vielen Speedrennen in Wengen, Kitzbühel und an den Olympischen Spielen stand Odermatt zuletzt nur selten auf Riesenslalom-Skis. «Beschissen» nannte er seine Vorbereitung auf dieses Rennen, der 28-Jährige wollte das aber nicht als Ausrede gelten lassen.
«Ich bin selber schuld, dass ich so viele andere Disziplinen fahre. Klar, Lucas konnte sich in den letzten Wochen akribisch auf das heutige Rennen vorbereiten. Mit der Startnummer 1 erhielt er zudem eine perfekte Vorlage, aber er setzte es auch perfekt um.» Pinheiro Braathen sei im 1. Lauf «vielleicht der Lauf seines Lebens» gelungen.
Am «Tag X» immer bereit
Der vierfache Gesamtweltcupsieger, der in diesem Winter auf bestem Weg zum fünften Erfolg in Serie ist, besitzt nun vier Olympiamedaillen. Als dominierender Skirennfahrer der Gegenwart war Odermatt in Bormio in jedem seiner vier Einsätze bereit, als es am «Tag X» ernst galt.
Dass das alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist, bewies am Freitagabend Ilia Malinin. Der überragende Eiskunstläufer der Gegenwart zerbrach am hohen Erwartungsdruck. Malinin rutschte als Führender nach dem Kurzprogramm in der Kür noch auf Rang 8 ab.
«Seit vier, fünf Jahren habe ich praktisch keine Aussetzer», betonte Odermatt. «Ich konnte auch hier meine Leistung abrufen, vielleicht nicht immer 100 Prozent, aber immer 99 Prozent.»
Letztlich lag es wohl primär am Wettkampfglück, dass Marco Odermatt nicht erneut Olympiasieger geworden ist. Aber wer die Spiele mit drei Medaillen verlässt, war überaus erfolgreich. Im Spitzensport glänzt nicht nur Gold.
