«Euer hitzköpfiger Niels» entschuldigt sich – Vreni Schneider baut Hintermann auf
Es war ein Sturm im Wasserglas, den Niels Hintermann am Mittwoch entfachte. Der Zürcher hatte die Kurzfristigkeit kritisiert, mit der er über die Details der internen Qualifikation im Schweizer Team ins Bild gesetzt wurde. Primär störte Hintermann, dass nur er und Stefan Rogentin um ein Ticket kämpfen müssen, während Alexis Monney als dritter Starter nebst Superstar Marco Odermatt und Abfahrts-Weltmeister Franjo von Allmen für das erste Olympia-Highlight am Samstag (11.30 Uhr) gesetzt ist.
Hintermann verschaffte seinem Ärger über diese Ausgangslage – zwei Fahrer um einen Startplatz statt drei um zwei – nach dem ersten Training Luft. So, wie man es von ihm gewohnt ist: Unverblümt. Aber jederzeit anständig.
«Rechtfertigt meine Reaktion nicht»
Da vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2026 von Mailand-Cortina am Freitagabend noch wenig läuft, reichte Hintermanns Reaktion für Schlagzeilen. Am Abend meldete sich der 30-Jährige auf Instagram. Hintermann schrieb: «Da sind die Emotionen wieder mal mit mir durchgegangen.» Das tue ihm aufrichtig leid. Er sei von einer anderen Konstellation in der Qualifikation ausgegangen. «Das hat mich aus der Bahn geworfen, rechtfertigt meine Reaktion aber nicht.»
Weiter wollte der dreifache Weltcupsieger klarstellen, dass es ihm zu keinem Zeitpunkt darum gegangen sei, dass er es Monney oder Rogentin nicht gönnen würde. «Ganz im Gegenteil. Ich habe keinerlei schlechtes oder feindliches Gefühl ihnen gegenüber – wir sind Teamkollegen, und ich respektiere ihre Leistungen voll und ganz. Sie haben und hätten den Startplatz sehr verdient.»
Vreni Schneiders Botschaft
Niels Hintermann, dem nach einer Krebserkrankung der Sprung zurück an die Abfahrts-Weltspitze gelungen ist, gehört zu jenen Sportlern, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen. Und er ist einer, der nun sagt: «Ich brenne für diesen Sport, manchmal vielleicht ein bisschen zu fest. Am Ende bin ich aber einfach ein Mensch, der nicht immer alles perfekt macht.» Er schliesst seinen Instagram-Post mit dem Gruss: «Euer hitzköpfiger Niels».
In den Kommentaren meldete sich unter anderem Vreni Schneider. Die erfolgreichste Schweizer Skirennfahrerin der Geschichte schrieb Hintermann, sie habe seine Reaktion verstanden. «Deshalb hast du ja schon viel gewonnen und vor allem hast du sehr hart gekämpft, dass du überhaupt da bist.» Die dreifache Olympiasiegerin Schneider wünscht «dem ganzen Team goldige Tage».
Im heutigen Training wird schon bald feststehen, welcher der beiden Schweizer schneller war. Stefan Rogentin eröffnet die interne Qualifikation mit Startnummer 1, Niels Hintermann folgt etwas später mit der 6. Cheftrainer Tom Stauffer liess gestern noch offen, ob einzig die Zeit über das Olympia-Ticket entscheidet, oder ob auch die Meinungen der Trainer einfliessen. Klar ist: Rogentin und Hintermann werden die Spielregeln vor ihrem Einsatz kennen.
