7 Sportler, die nicht durch Siege zu Olympia-Legenden wurden
«Teilnehmen ist wichtiger als siegen.» Die Haltung von Baron Pierre de Coubertin, dem Gründer der Olympischen Spiele der Moderne, ist legendär. In seinem Geiste traten bei den Wettkämpfen stets auch Sportlerinnen und Sportlern an, deren Medaillenchancen verschwindend klein waren. Trotzdem begeisterten sie Sportfans mit ihren Auftritten an Winterspielen – oder sie erfüllten sich mit der Teilnahme einen Lebenstraum.
Eddie «The Eagle» Edwards
Sein Name ist längst als Synonym für «Olympia-Tourist» etabliert, seine Geschichte schaffte es auf die Kinoleinwand. Michael «Eddie» Edwards, ein junger Brite mit Flaschenböden als Brillengläser, träumt von einer Teilnahme an den Spielen, verpasst als Skirennfahrer aber die Qualifikation für die Olympischen Spiele 1984. Edwards entdeckt Skisprungschanzen, sattelt um, stellt an der WM 1987 einen britischen Rekord auf und begeistert 1988 in Calgary die Massen.
Eddie «The Eagle» Edwards wird zwar zwei Mal Letzter, aber dafür wird er an der Schlussfeier erwähnt. Jubel brandet auf, als der Chef des Organisationskomitees die Leistungen der Sportler würdigt und sagt: «Sie haben Weltrekorde gebrochen, persönliche Bestleistungen aufgestellt und einer von ihnen flog gar wie ein Adler!»
Pita Taufatofua
Der Sportler aus Tonga sorgt 2016 an den Olympischen Sommerspielen von Rio de Janeiro für Aufsehen, als er bei der Eröffnungsfeier mit nacktem, eingeöltem Oberkörper ins Stadion einläuft. Taufatofua sattelt danach um, wechselt vom Taekwondo zum Langlauf, qualifiziert sich mit viel Einsatz für die Spiele 2018 in Pyeongchang – und präsentiert sich der Welt trotz Eiseskälte erneut oben ohne.
Der Langläufer schlägt sich über 15 Kilometer passabel. Doch Taufatofua leidet in der Loipe: «Das war eine Stunde Schmerz. Ich habe unterwegs die ganze Zeit nur gedacht: Was habe ich mir da bloss angetan?» Zwei Jahre, nachdem der Quereinsteiger zum ersten Mal in seinem Leben Schnee gesehen hatte, belegt er an den Olympischen Spielen Rang 114 von 119 Teilnehmern.
Jamaikas Bobfahrer
Das geht über eure Vorstellungskraft – Jamaika hat 'ne Bobmannschaft! Wohl keiner, der diesen Satz nicht schon mal gehört hat, denn die Geschichte, wie Jamaika 1988 zu einem olympischen Bobteam kam, wurde zum Film-Hit.
Natürlich ist die Kino-Adaption nicht eins zu eins die wahre Geschichte. Doch wie im Film sind Seifenkistenrennen auf Jamaika der Auslöser dazu, dass mit Dudley Stokes, Devon Harris, Michael White und Chris Stokes vier Athleten gefunden werden, die einen olympischen Bobkanal hinunterrasen.
«Es war kalt und rutschig … dazu kamen die dünnen Rennanzüge und dann soll man auch noch so schnell rennen wie man kann», erinnert sich Stokes. Er pilotiert den Zweierbob immerhin auf Rang 30 von 41 Teilnehmern, der Bewerb mit dem Viererbob endet mit einem Sturz im vierten Durchgang.
Elizabeth Swaney
Wie um alles in der Welt ist es möglich, dass eine Frau keinen einzigen Trick beherrscht, und trotzdem als Freestylerin bei den Olympischen Spielen teilnehmen darf? Diese Frage stellt sich die Sportfamilie, als sie sieht, wie Elizabeth Swaney die Halfpipe bewältigt und abgeschlagen Letzte wird.
Die Antwort ist: Sie ist clever und beharrlich. Swaney sucht sich einen Sport, den kaum jemand betreibt. Im Ski Freestyle gibt es Weltcupbewerbe mit sehr wenigen Teilnehmerinnen – sie geht dahin, wird Letzte, aber sammelt genügend Punkte, um sich für die Spiele 2018 zu qualifizieren. Dabei hilft die Tatsache, dass Elizabeth Swaney einen ungarischen Pass besitzt, denn im US-Team wäre die Amerikanerin chancenlos. So geht ihr Lebenstraum in Erfüllung.
Philip Boit
Er ist 1998 in Nagano Kenias erster Teilnehmer an Olympischen Winterspielen. Die Läufernation gewinnt in der Leichtathletik reihenweise Medaillen, Boit schaffte es über 800 m aber nicht ganz bis an die Weltspitze.
Das bleibt ihm auch auf Schnee versagt, über 10 Kilometer wird er Letzter. Weil Olympiasieger Björn Daehlie im Ziel auf ihn wartet, um ihn in Empfang zu nehmen, geht seine Geschichte um die Welt. Es entwickelt sich eine Freundschaft, die dazu führt, dass der Kenianer seinem Sohn den Vornamen Daehlie gibt.
Kwame Nkrumah-Acheampong
Ghanas Antwort auf Alberto Tomba erblickt das Licht der Welt in Grossbritannien. Dort arbeitet Nkrumah-Acheampong Jahre später in einer Skihalle, wo er gratis fahren kann und am Sport Gefallen findet.
Als «Schnee-Leopard» sorgt er 2010 an den Spielen in Vancouver primär mit seinem Outfit für Schlagzeilen. Im Slalom kommt er immerhin in beiden Durchgängen durch und belegt so Rang 47, direkt hinter Mexikos ewiger Ski-Legende Hubertus von Hohenlohe.
Bruno Banani
Die ersten 20 Jahre seines Lebens heisst der Rennrodler Fuahea Semi. Aber bei Olympia tritt der Sportler von der Pazifikinsel Tonga unter einem behördlich beglaubigten neuen Namen an. Im rodelverrückten Deutschland stösst der Athlet deswegen auf Interesse – schliesslich heisst Bruno Banani genau wie eine deutsche Kleidermarke.
Dass dies kein lustiger Zufall, sondern ein PR-Stunt dieser Firma ist, stellt sich dann bei «Spiegel»-Recherchen heraus. 2014 in Sotschi fährt Bruno Banani auf Rang 32 von 39 Startern.
