Ihre Gegnerin spendete, damit die Schweizerin Natalie Maag bei Olympia fahren kann
Natalie Maag kann ihre Rührung und Dankbarkeit nicht verbergen. Wegen der finanziellen Probleme beim nationalen Verband Swiss-Sliding musste sie die zusätzlichen Aufwendungen, die es in einer Olympiasaison braucht, selber tragen. Dafür startete sie im Herbst ein Crowdfunding – mit durchschlagendem Erfolg.
Eine der ersten, die spendeten: Anna Berreiter, Olympia-Silbermedaillengewinnerin von Peking und im Gesamt-Weltcup aktuell als Sechste zwei Plätze vor Maag klassiert.
«Das sagen sie ja in vielen Sportarten, aber bei uns im Rodeln ist der Zusammenhalt schon sehr speziell», schwärmt die 28-Jährige aus dem Zürcher Oberland. «Wir sind wirklich eine grosse Familie. Wir haben auch eine Mädelsgruppe mit Deutschen, Österreicherinnen und Südtirolerinnen und fahren sogar zusammen in die Ferien.»
Am Ende kamen über 15'000 Franken zusammen – viel mehr als gedacht. Damit konnte sie auch die bewährte Zusammenarbeit mit der Athletiktrainerin und Vertrauten Daniela Mühlebach, die nun auch in Cortina dabei ist, fortsetzen.
Mentale Herausforderung und entzündeter Finger
«Das war ein mega Aufsteller», zeigt sich Maag sehr dankbar. Und es rettete vielleicht ihre Saison und sogar die Karriere. «Es war mental schwierig, in diese Saison zu gehen», gibt sie zu. «Ich kam an einen Punkt, wo ich nicht mehr sicher war, ob ich weiter kämpfen kann.»
Das erklärt auch, warum sie den gewünschten Schritt nach vorne nach den beiden Podestplätzen und Gesamtrang 5 in der letzten Saison nicht schaffte. Dazu kam ein entzündeter Finger, der sie am Start einschränkte und zum Schlucken von Antibiotika zwang.
Viele Podest-Kandidatinnen
Nun ist Maag aber wieder zuversichtlich, in den vier Läufen am Montag und Dienstag (jeweils ab 17.00 Uhr) ihren 9. Platz von Peking zu verbessern – nicht zuletzt dank dem 3. Platz von Mitte Januar in Oberhof, der gleichzeitig eine EM-Bronzemedaille einbrachte. «Die Erleichterung war mega gross.»
Auch, dass sie bei den Testwettkämpfen auf der neuen Olympiabahn den 5. Rang belegt, sorgt für Optimismus. «Es ist eine sehr lässige Bahn», findet die gelernte Büro-Kauffrau, die als Schweizer «Solokämpferin» seit einigen Jahren ins starke deutsche Team eingebettet und dort voll akzeptiert ist.
Den Traum von einer Medaille will sie nicht vollends aufgeben. «Olympia schreibt seine eigenen Geschichten und Gesetze», weiss Maag. Sie sieht das Feld enorm ausgeglichen, zehn bis zwölf Fahrerinnen würden für das Podest in Frage kommen. Als Beispiel nennt sie Sigulda, als sie nach dem ersten Durchgang nur Sechzehnte war – mit bloss zwei Zehnteln Rückstand. Das Mindestziel ist dieses Mal ein Diplom. (ram/sda)
