Schweizer Gold-Hoffnung Gremaud verraten – Trainer wechselt kurzfristig zur Konkurrentin
Es wirkt wie ein schlechtes Remake. Auf eine Frage zur Rückkehr des Zürcher Trainers Misra Noto in ihr Umfeld liess Mathilde Gremaud eine kleine «Bombe» platzen. «Vor drei Tagen hat er schon wieder die Seiten gewechselt und sich entschieden, China zu helfen (Und damit der zweifachen Olympiasiegerin Eileen Gu, Anm.d.Red.). Das hat mich eiskalt erwischt», sagte die Freiburgerin mit zusammengebissenen Zähnen.
Zur Erinnerung: Noto hatte die Schweizerinnen mehrere Jahre trainiert, bevor er vor den Olympischen Spielen in Peking zu Eileen Gu wechselte. Mit seiner Hilfe gewann die chinesisch-amerikanische Athletin Gold in der Halfpipe und im Big Air sowie Silber im Slopestyle – hinter Gremaud.
Gremaud sinnt nicht nach Rache
War die Freiburgerin an den X Games in Colorado von Noto begleitet worden? «Nein, wir haben keine Wettkämpfe zusammen bestritten. Er war Ende Jahr in Laax, weil er mit einem Italiener dort war, und danach in Corvatsch mit mir.»
Bedeutet dieser gefühlte Stich in den Rücken nun zusätzliche Motivation für die Olympiasiegerin im Slopestyle? «Ja und nein. Wir haben viel darüber gesprochen, aber es liegt nicht wirklich in meinem Charakter, so auf Rache zu sinnen und mir zu sagen: ‹Ich will sie fertig machen.› Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren. Was passiert ist: Er hat in meinen Augen an Bedeutung verloren. Einmal, okay – ich brauchte drei Jahre, um das zu verdauen. Aber zweimal, das ist jetzt genug.»
Trotzdem ein starkes Team
Zum Glück steht die zweifache Slopestyle-Weltmeisterin, die am Sonntag 26 Jahre alt wird, nach dieser Episode nicht ohne Unterstützung da. Sie kann weiterhin auf Greg Tüscher zählen, den Trainer der Nationalmannschaft. Er hatte sie unter anderem beim Big Air in Aspen entscheidend geholfen, den so spektakulären Sprung «Nose Butter 1260 Safety» zu stehen, der ihr den Sieg einbrachte.
«Es ist nicht so, dass mein Team auseinanderbricht – mit Greg habe ich ein super Verhältnis», erklärt sie. «Zunächst habe ich mit Misra gearbeitet, weil Greg nicht ständig verfügbar war. Ich brauchte jemanden, der mich in der Vorbereitung begleitet. Ich werde das behalten, was ich mit Misra erarbeitet habe, das ändert nichts an meinem Skifahren. Aber als Person ist er für mich kein anständiger Mensch. Wir teilen definitiv nicht dieselben Werte, da bin ich mir zu hundert Prozent sicher. Ich hatte vorher noch Hoffnung. Ich dachte, das könnte vielleicht etwas Langfristiges werden. Aber jetzt ist für mich ganz klar: Das Kapitel ist abgeschlossen.»
Die beste Antwort von Gremaud wäre dieselbe wie vor vier Jahren in Peking: Olympisches Gold. Und diesmal vor einem grossen Teil ihres Fanclubs. (ram/sda)
