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Sebastian Stalder: Der Tüftler und «Wilhelm Tell des Biathlons»

231126 Sebastian Stalder of Switzerland competes in the men s 20 km individual during the IBU World Cup on November 26, 2023 in
Stalder am Sonntag unterwegs zum besten Weltcup-Resultat seiner Karriere.Bild: www.imago-images.de

Wie der Tüftler Sebastian Stalder zum «Wilhelm Tell des Biathlons» wurde

Sebastian Stalder setzte zum Weltcupauftakt der Nordisch- und Biathlon-Fraktion das Schweizer Glanzlicht. Platz 5 im Einzel von Östersund gelang auch dank dem Gewehrschaft Marke Eigenbau. Heute (Start um 15.20 Uhr) geht die Saison am gleichen Ort mit der ersten Staffel des Winters weiter.
30.11.2023, 10:20
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Man stelle sich vor, Marco Odermatt würde seine Skis selber fabrizieren, Mujinga Kambundji an ihren Sprint-Schuhen herumbasteln oder Sebastian Stalder sein Gewehr selber bauen. Eigentlich undenkbar.

Aber der Biathlet gehört zu jener seltenen Sorte, die dies trotzdem tut. So wie es Simon Ammann mit dem gekrümmten Bindungsstab vorgemacht hat und mit dem Karbon-Schuh immer noch vorlebt, tüftelt auch Stalder an seinem Gewehr herum. «Das lüftet den Kopf», sagt der Zürcher Oberländer.

Der Schweizer Biathlet Sebastian Stalder, aufgenommen im Rahmen eines Medientreffens, am Montag, 6. November 2023, in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Stalder startet seit 2018 im Weltcup.Bild: keystone

Ein Coup in Sachen Erfindergeist

In der grünlich glänzenden Waffe steckt viel Familienarbeit. Vor Jahren begannen Sebastian und sein Vater Rolf Stalder, ein gelernter Zimmermann, an einem eigenen Gewehrschaft zu pröbeln. Dazu wurden verschiedene Materialien verwendet, unter anderem Holz, Karbon und Aluminium. So wurde der Schaft stabil wie auch leicht.

Beim Ladesystem gelang den beiden in Sachen Erfindergeist und Kreativität ein Coup. Die Magazine sind im Schaft eingelassen und rutschen beim Magazinwechsel nach. Dies ermöglicht es dem Schützen, die Schiessstandzeit um ein paar Sekunden zu verbessern.

Kaum einer trifft so gut wie er

Im Schiessen ist Stalder schlicht Weltklasse. Die Trefferquote von über 90 Prozent gehört zur höchsten im Biathlon. Auch Teamkollege Niklas Hartweg kommt nicht ganz an diesen Wert heran. Der 25-jährige Stalder schiesst so gut und präzise, dass die Stadion-Speaker im Ausland ab und an den Vergleich des treffsicheren Schweizers mit dem eidgenössischen Nationalhelden gerne aufnehmen und vom «Wilhelm Tell des Biathlons» sprechen. Der Vergleich ist gar nicht so abwegig. Stalder erlernte als Jugendlicher die Grundlagen des Schiessens im Armbrustschützenverein Ried-Gibswil.

epa10392612 Sebastian Stalder of Switzerland in action during the men's 10km Sprint race of the IBU Biathlon World Cup in Pokljuka, Slovenia, 06 January 2023. EPA/IGOR KUPLJENIK
Bereit machen fürs Liegendschiessen.Bild: keystone

Nun startete Stalder in Östersund mit einem starken fünften Rang im Einzel in die Weltcup-Saison und egalisierte sein Karriere-Bestresultat. Auch dieses hatte er im vergangenen März im schwedischen Biathlon-Mekka aufgestellt – damals im Massenstart. Der Schweizer griff sogar nach dem Sieg, ehe er sich im letzten Stehendschiessen den ersten Fehler des Wochenendes leistete.

Vorteil im Kampf Mann gegen Mann

Mit 29 von 30 möglichen Treffern untermauerte er in den ersten beiden Rennen der neuen Saison die enorme Stärke beim Schiessen. «Ich fühle mich am Schiessstand sehr gut, sehr stabil», sagt der treffsichere und schnelle Schütze. Das gibt ihm auch einen psychologischen Vorteil, der insbesondere im Kampf Mann gegen Mann zum Tragen kommen wird. Erfahrungsgemäss lässt sich der Gegner vom Schiesstempo seines Nachbarn mitreissen. Je schneller Stalder den ersten Schuss geben kann, desto mehr fühlt sich der Konkurrent unter Druck gesetzt.

Stalder ist ständig am Tüfteln. Am Gewehr hat er auf diese Saison hin kaum etwas geändert – die Waffe funktioniert ja perfekt. Aber nach intensivem Videostudium fand er heraus, dass er die Waffe für den Stehend-Anschlag besser auf die andere Seite abschwingen sollte, was er nun auch umgesetzt hat.

In der Loipe einen Zacken zugelegt

Nur übers Schiessen gewinnen auch die Treffsichersten im Biathlon nicht mehr. Deshalb setzte der Zürcher im Sommertraining intensiv auf den Langlauf und ist nun mit wesentlich mehr Schneekilometern in den Winter gestartet als früher. Das Ergebnis darf sich sehen lassen: In der reinen Laufzeit rangierte Stalder am Sonntag auf Position 22 unter 103 Athleten – solche Werte erreichte er in der vergangenen Saison selten.

Diese Form lässt auf einen Schweizer Exploit an der dritten Weltcup-Station des Winters hoffen: Vom 11. bis 17. Dezember finden in Lenzerheide erstmals überhaupt Rennen der höchsten Stufe statt. Im Februar 2025 gastiert die WM im Bündner Ferienort. (ram/sda)

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