Vonn nach Beinbruch ein zweites Mal operiert – emotionale Worte von Trainer Svindal
Ihr heftiger Sturz war ein Schock für die Sportwelt. Lindsey Vonn war am Sonntagmittag trotz eines kürzlich erlittenen Kreuzbandrisses zur Olympia-Abfahrt in Cortina d'Ampezzo gestartet und schon nach wenigen Fahrsekunden schwer gestürzt. Die 41-Jährige zog sich einen Bruch im linken Bein zu.
Wenige Stunden nach dem Sturz war Vonn im Ca'-Fontello-Spital in Treviso erstmals operiert worden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, gestützt auf eine gut unterrichtete Person, es sei noch eine zweite Operation durchgeführt worden. Die Eingriffe sollten dazu beitragen, den Zustand der Patientin zu stabilisieren und Komplikationen zu verhindern. Vonns persönlicher Arzt habe den italienischen Ärzten assistiert.
Svindal: «In schwierigen Momenten zeigt sich der wahre Charakter»
Im Verlauf des Tages soll es offizielle Angaben zum Gesundheitszustand der «Speed-Queen» geben. Spekuliert wird, ob Vonn für die weitere Behandlung zeitnah in die USA geflogen wird.
24 Stunden nach dem Unfall hat sich ihr Trainer Aksel Lund Svindal ausführlich dazu geäussert. Auf Instagram schrieb er: «Lindsey, du bist unglaublich mutig. Du inspirierst die Menschen, die deine Reise verfolgen und uns, die wir jeden Tag eng mit dir zusammenarbeiten.»
Gold ging trotzdem an die USA, weil Breezy Johnson nach dem WM-Titel auch den Olympiasieg holte. Noch im Rettungshelikopter habe sich Vonn an ihre Landsfrau gewendet, berichtet Svindal. «‹Sag Breezy: Glückwunsch und gute Arbeit›, das war die Botschaft, die du den Trainern mitgeben wolltest, bevor du in den Spital geflogen wurdest. In schwierigen Momenten zeigt sich der wahre Charakter», hielt der Norweger, der 2018 selber Abfahrts-Olympiasieger wurde, fest.
Johan Eliasch, der Präsident des Ski-Weltverbands FIS, äusserte sich am Montag zur Frage, wer über einen Start von verletzten Athleten entscheiden soll. «Ich bin fest davon überzeugt, dass dies von der Person selbst entscheiden werden muss», sagte Eliasch. «In ihrem Fall ist es so, dass sie ihre Verletzungen sicherlich besser kennt als jeder andere. Wichtig ist auch zu verstehen, dass sie bei ihrem Unfall unglaublich viel Pech hatte – das war ein Fall von eins zu tausend.»
Vonn: «Bin nicht auf der Suche nach Sinn, Aufmerksamkeit oder Geld»
Lindsey Vonns Start war eine der grössten Geschichten dieser Olympischen Spiele. Die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2010 und vierfache Gesamtweltcupsiegerin war 2019 zurückgetreten. Nach einer Pause von fünfeinhalb Jahren kehrte sie mit dem grossen Ziel zurück, in Cortina d'Ampezzo noch einmal Olympiasiegerin zu werden – auf jener Strecke, die ihr wie kaum eine andere lag. Dass sie seit dem Frühling 2024 eine Titan-Prothese im rechten Knie hat, war Vonn kein Hindernis.
«Ich bin nicht auf der Suche nach Sinn, Aufmerksamkeit oder Geld», schrieb sie noch am Tag vor ihrem Sturz in einem längeren Instagram-Post. Sie sei so oft nach dem Grund für ihr Comeback gefragt worden und die Antwort sei sehr simpel: «Ich liebe Skirennen einfach.»
Als Siegesanwärterin an die Olympischen Spiele gereist
Die Rückkehr verlief äusserst erfolgreich. In dieser Saison gewann Vonn zwei Weltcup-Abfahrten, sie stand in den drei anderen Rennen ebenfalls auf dem Podest und reiste als überlegene Führende der Disziplinenwertung in die Dolomiten. Die Hoffnungen erlebten jedoch eine Woche vor Tag X einen argen Dämpfer: Bei einem Sturz im Super-G von Crans-Montana zog sich Vonn einen Kreuzbandriss im linken Knie zu.
Trotzdem trat sie bei Olympia an, im Abschlusstraining fuhr sie bereits wieder auf Rang 3. Doch im Rennen war der Traum für die Startnummer 13 schon nach 13 Sekunden ausgeträumt. Und damit ist eine schillernde und extrem erfolgreiche Karriere wohl endgültig vorbei.
