Wissen
Blogs

Künstliche Intelligenz im Jahr 2026 – wir wagen drei Vorhersagen

Wir schauen in die KI-Kristallkugel.
Wir schauen in die KI-Kristallkugel.bild: severin trösch
KI-Kosmos

Künstliche Intelligenz im Jahr 2026 – wir wagen drei Vorhersagen

Die Künstliche Intelligenz wurde 2025 mächtiger, selbstständiger und allgegenwärtiger. Und was bringt dieses Jahr? Drei vorsichtige Vorhersagen zeigen, wohin sich die KI im Jahr 2026 bewegen könnte.
23.01.2026, 20:4523.01.2026, 20:45

2025 war ein intensives KI-Jahr – die Modelle wurden grösser, besser und vielfältiger: Es kamen «Reasoning-Modelle» auf, welche in Echtzeit Antworten berechnen und heute die Benchmarks dominieren. Dazu wurden KI-Systeme als «Agents» immer selbstständiger und so gut im Generieren von Bildern und Videos, dass wir gegen Ende Jahr von einer Welle aus täuschend echtem «AI-Slop» überrollt wurden. Wie geht das alles weiter? Lasst uns – aus den Trends der letzten Jahre – einige Vorhersagen für 2026 wagen.

Die Unbekömmlichkeit gewisser Vorhersagen

Zuerst aber ein Wort der Warnung: Technologische Entwicklungen vorherzusagen ist aufgrund der Komplexität der Materie, der vielen Einflussfaktoren und der schieren Zufälligkeit von manchen Durchbrüchen schwierig. Sehr schwierig. So schwierig sogar, dass auch ganz grosse Tech-Tenöre sich schon zünftig die Finger verbrannt haben.

Internetpionier und Turingpreis-Gewinner Robert Metcalfe beispielsweise. Er prophezeite im Dezember 1995, dass das Internet im Jahr danach «katastrophal kollabieren» würde. Dies war katastrophal falsch – und hatte ein kurioses Nachspiel: Metcalfe hatte nämlich versprochen, er würde «seine Worte essen» (Englisch: «eat his words», was so viel heisst wie «das Gesagte zurücknehmen»), falls seine Vorhersage nicht zutreffen würde. Ein Jahr später hat er dies dann getan. Buchstäblich. Und zwar indem er bei einem Referat einen Ausdruck seiner damaligen Aussage ass.

Ein Roboter «eating his words».
Ein Roboter «eating his words».bild: severin trösch

So kann’s also ziemlich unbekömmlich werden – metaphorisch und tatsächlich – wenn man zu steile Vorhersagen macht. Seien wir also vorsichtig!

Vorhersagen für 2026

Trotz des Risikos, diese in einem Jahr ausdrucken und essen zu müssen, folgen drei Vorhersagen, wie sich die KI-Technologie 2026 entwickeln wird – basierend auf den Trends der letzten Jahre:

Vorhersage 1: Die Intelligenzzunahme geht ungebremst weiter

Der Trend zu immer intelligenteren KI-Modellen – also besserer Performance in allen möglichen Intelligenzaufgaben – ist seit Jahren ungebrochen. Dies war möglich, weil immer mehr Rechenleistung zur Verfügung stand und die AI-Labs immer bessere Wege fanden, um Rechenleistung in Intelligenz umzumünzen.

Zunahme der Intelligenz (Aggregat aus verschiedenen Benchmarks) der Top-KI-Systeme seit 2022.
Zunahme der Intelligenz (Aggregat aus verschiedenen Benchmarks) der Top-KI-Systeme seit 2022. grafik: Artificial Analysis

Beides wird 2026 weitergehen: Es werden riesige Datacenter in Betrieb genommen und die Ingenieurinnen finden auf verschiedensten Ebenen – bezüglich Effizienz der Chips, Architektur der neuronalen Netzwerke oder Denkstrategie der Modelle – neue Kniffs.

Die KI-Systeme werden 2026 also ungebremst intelligenter werden und in allen Benchmarks neue Bestleistungen aufstellen. Ende 2026 werden die Cutting-Edge-Modelle gar so gut sein, dass sie in sämtlichen textbasierten Benchmarks besser sind als ein durchschnittlicher Mensch.

Vorhersage 2: KI-Agenten überschreiten die Schwelle

2025 sind viele verschiedene KI-Agenten aufgekommen – Systeme also, die nicht nur clever antworten, sondern auch gleich Arbeiten erledigen. Allerdings sind die Aufgaben, welche die AI-Agents aktuell lösen können, noch immer recht simpel: Beispielsweise durchsuchen sie selbstständig das Web, generieren PDFs, erstellen einfache Powerpoint-Folien oder schreiben kurze Computerprogramme.

Dies wird sich 2026 ändern: Gemäss der KI-Forschungsorganisation METR werden nämlich die Programmiertasks, welche KI-Agenten verlässlich vollführen können, exponentiell länger – konkret verdoppeln sie sich alle sieben Monate in der Dauer. So könnten wir Ende 2026 mit Agenten rechnen, die ca. zweistündige Programmierarbeiten erfolgreich bewältigen. Eine parallele Entwicklung ist in anderen Aufgabenbereichen zu erwarten. Mit diesem Schritt überschreiten einzelne Agenten die kritische Schwelle von «netter Spielerei» zu «tatsächlich brauchbar» und werden somit endgültig zu Standardtools.

Darüber hinaus werden KI-Agenten vermehrt miteinander kombiniert – also quasi als Team von mehreren, spezialisierten Sub-Agenten. Solche Multi-Agent-Systeme sind – analog zu menschlichen Teams – leistungsfähiger und genereller einsetzbar als einzelne Teammitglieder. 2026 werden wir also auch eine Steigerung in der Generalität von KI-Agenten erleben.

Vorhersage 3: «World Model» wird das Buzzword des Jahres

Ein «World Model» ist ein System, das nicht nur sprachliche Information, sondern noch fundamentalere Zusammenhänge über die Welt versteht: Es hat eine physikalische Intuition, begreift Ursache und Wirkung oder sagt korrekt voraus, wie sich mechanische Systeme entwickeln.

Dies erlaubt es, verschiedene Szenarien der Welt zu simulieren und davon zu lernen – etwas, das heutige KI-Systeme noch nicht können. Dieses tiefere Verständnis der Welt ist für die Entwicklung von KI, die nicht «nur» auf dem Computer, sondern eben auch in der physischen Welt nützlich ist, zentral – z.B. für das Entwickeln von Robotern.

Heutige KI-Modelle, vor allem die Video-generierenden Systeme, zeigen bereits Proto-Ansätze von solchen World Models. Aber es geht noch mehr. Und die grossen Tech-Player wissen das. Daher wird man 2026 viel von World Models hören.

Was ist ein «World Model»?
Ein World Model ist ein internes Modell, mit dem eine KI die physische Welt, ihre Dynamik und Ursache-Wirkungs-Beziehungen simuliert – um Szenarien vorherzusagen, zu planen und Entscheidungen zu treffen. Ein World Model geht damit über blosse textbasierte Intelligenz hinaus.

Und was mache ich damit?

Ob nun die drei Vorhersagen genau so eintreffen oder nicht – fest steht, dass wir auch dieses Jahr wieder viel Neues antreffen werden in der KI. Daher einige pragmatische Tipps, um sich 2026 möglichst gut im KI-Dschungel zurechtzufinden:

  • Bleib am Puls: Verfolge die Entwicklungen in der KI regelmässig – nicht im Minutentakt, aber auch nicht nur halbjährlich. Es existieren viele Newsletters (oder Blogs!), welche dich regelmässig auf der relevanten Flughöhe auf den neuesten Stand bringen.
  • Probiere immer wieder aus: Teste Tools, nutze sie, verwerfe sie – und gib verworfenen Tools später eine zweite Chance. Systeme werden schnell besser und ein «Nein» von heute kann morgen ein «Ja» sein. So erhöhst du die Chance, dass du für deine Anwendungsfälle das beste Tool findest.
  • Sprich mit Menschen: Es ist wichtig, dass wir nicht nur als Individuen, sondern als ganze Gesellschaft einen guten Umgang mit KI finden. Daher müssen wir darüber sprechen – über Erfahrungen, Erfolge, Frust und Ängste. Und zwar mit anderen Menschen – nicht nur mit KIs.
Zur Person
Severin Trösch ist der Kopf hinter der künstlichen Intelligenz bei der Datahouse AG – einer Firma, die alles mit Daten macht und fast alles davon kann. Die Komplexität hinter der KI hat ihn nicht nur seine letzten Haare gekostet, sondern auch motiviert, das KI-Kauderwelsch so zu erklären, dass auch Nicht-Nerds den Durchblick kriegen.
Severin Trösch
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
35 Beweisfotos, die zeigen, dass KI-Fotos herrlich kurios sein können
1 / 37
35 Beweisfotos, die zeigen, dass KI-Fotos herrlich kurios sein können
Ein KI-generierter Trump beim Zubereiten der Urwalddroge Ayahuasca.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Mit wenigen Klicks zum Deep Fake
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
76 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Swen Goldpreis
23.01.2026 20:56registriert April 2019
Wenn das hier keine bezahlte Schleichwerbung ist, würde ich euch dringend empfehlen, Gastartikel nur von Leuten zu akzeptieren, die nicht mit einer eigenen Firma maximal befangen sind.

Aber zum Inhalt: Generative KI ist in den letzten zwei Jahren wenn überhaupt höchstens minimal besser geworden. Das hängt auch damit zusammen, dass KIs zunehmend mit KI-Müll trainiert werden.

Viele nicht-befangene Experten gehen davon aus, dass die KI-Nutzung 2026 sinken wird, weil halt viele Leute gemerkt haben, dass KI nicht Arbeit abnimmt, sondern oft einfach zusätzliche Arbeit schafft.
2814
Melden
Zum Kommentar
76
ETH-Studie zeigt: Darum könnten sich E-Autos in Afrika rasch durchsetzen
Eine neue Studie von Schweizer und afrikanischen Forschern zeigt: Dank Solarstrom könnten Elektroautos in Afrika viel früher rentabel werden als bislang erwartet.
Der Fahrzeugbestand in Afrika dürfte sich bis 2050 verdoppeln. Laut einer neuen Studie könnten Elektrofahrzeuge dabei eine grössere Rolle spielen als bisher angenommen.
Zur Story