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Jerome Powell: US-Notenbankchef mit angriffiger Videobotschaft an Trump

Video: watson/lucas zollinger

US-Notenbankchef spricht Tacheles mit Trump-Regierung

12.01.2026, 17:2112.01.2026, 18:03

Der Streit zwischen der Trump-Regierung und dem US-Notenbankchef Jerome Powell geht in die nächste Runde. Nachdem das Justizministerium ihn vorgeladen hat und mit strafrechtlichen Konsequenzen droht, schiesst der 72-Jährige in einem Video scharf zurück. Hier kannst du dir den knapp zweiminütigen Clip mit Untertiteln anschauen:

Video: watson/lucas zollinger

Offiziell ginge es bei der Vorladung um Aussagen, die er im Rahmen einer Anhörung im vergangenen Juni vor der Bankenkommission des Senats getätigt hätte, so Powell. Damals hatte er unter anderem Auskunft über ein Renovierungsprojekt gegeben, welches die US-Zentralbank seit mehreren Jahren durchführt. Dabei werden historische Bürogebäude saniert.

Bei diesem Umbau mussten die Kosten nach oben korrigiert werden, derzeit wird mit rund 2,5 Milliarden Dollar gerechnet. Powell soll dazu im Juni falsche Angaben gemacht haben, so das Justizministerium.

Hier gerieten Powell und Trump wegen des Renovierungsprojekts schon aneinander:

Davon will Powell nichts wissen. Für ihn ist klar: Die Vorladung und die damit verbundene Androhung strafrechtlicher Konsequenzen seien nur ein Vorwand. Vielmehr wolle die Trump-Regierung Druck auf ihn ausüben, weil sie mit dem festgelegten Leitzins nicht einverstanden sei.

«Die Androhung strafrechtlicher Konsequenzen ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze auf der Grundlage unserer bestmöglichen Einschätzung dessen festlegt, was im Interesse der Öffentlichkeit liegt, anstatt den Präferenzen des Präsidenten zu folgen.»
Jerome Powell in seiner Stellungnahme

Für US-Präsident Trump sind die Zinsen in den USA nämlich zu hoch. Er wünscht sich tiefe Zinsen, von welchen er sich eine Stimulation der Konjunktur verspricht. Damit wiederum will er die Chancen der Republikaner bei den diesjährigen Zwischenwahlen im November verbessern.

Geldpolitische Unabhängigkeit steht auf dem Spiel

Laut Powell geht es hierbei um viel mehr als nur den Umbau der Zentralbank-Büros. «Es geht darum, ob die Fed weiterhin in der Lage sein wird, die Zinssätze auf der Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Bedingungen festzulegen – oder ob die Geldpolitik stattdessen durch politischen Druck oder Einschüchterung bestimmt wird.»

epa12579066 A worker at the site as construction continues at the Federal Reserve headquarters' two historic buildings in Washington, DC, USA, 08 December 2025, that have not been fully renovated ...
Die Zentralbank-Baustelle im Dezember 2025.Bild: keystone

Die Zentralbank fungiert als Währungsbehörde der USA und ist politisch, institutionell und finanziell unabhängig. Trump oder die Regierung haben keine direkte Weisungsbefugnis. Ein Vorsitzender, in diesem Fall Powell, kann aufgrund geldpolitischer Meinungsverschiedenheiten nicht abgesetzt werden, dazu bräuchte es eine schwere Pflichtverletzung. Powell hat sich, seit er 2018 von Trump selbst ins Amt gekürt wurde, nichts dergleichen zu Schulden kommen lassen.

Trump will nichts mit Vorladung zu tun haben

Trump tat in einem Interview mit NBC News am Sonntag so, als hätte er mit den aktuellen Entwicklungen nichts zu tun. Er wisse nichts von den Vorladungen des Justizministeriums, so der 79-Jährige. Eine strafrechtliche Untersuchung habe ausserdem nichts zu tun mit den Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Weissen Haus und Powell über die Zinssätze.

Dass Trump mit Powell nicht zufrieden ist, dürfte er hingegen nicht leugnen können. Seit Monaten stichelt der Präsident gegen den Notenbankchef. Wiederholt hat er auch gesagt, dass er ihn am liebsten feuern würde. Dieser lässt sich jedoch nicht einschüchtern.

«Der öffentliche Dienst erfordert manchmal, dass man angesichts von Drohungen standhaft bleibt.»
Jerome Powell in seiner Stellungnahme

Er habe bereits unter vier verschiedenen Regierungen, sowohl republikanischen als auch demokratischen, für das Fed gearbeitet. Und er werde die ihm vom Senat anvertraute Aufgabe auch weiterhin ausführen, so Powell, und zwar integer und dem amerikanischen Volk verpflichtet.

Voraussichtlich kann er das noch bis zum 15. Mai tun. Dann läuft seine Amtszeit aus. Dann will Trump den Vorsitzenden des Nationalen Wirtschaftsrats im Weissen Haus, Kevin Hassett, als neuen Fed-Chef einsetzen.

epa12638880 US Director of the National Economic Council Kevin Hassett walks into the West Wing of the White House in Washington, DC, USA, 09 January 2026. EPA/JIM LO SCALZO
Kevin Hassett wäre Trumps Wunschkandidat, um Powells Nachfolger zu werden.Bild: keystone

Im zuständigen Ausschuss des Parlaments hat Trump jedoch nur eine knappe Mehrheit – und auch unter seinen republikanischen Verbündeten sehen viele die aktuelle Fehde mit der Notenbank kritisch. (lzo)

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53 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lohner
12.01.2026 17:33registriert August 2025
Powell lässt sich durch die Orange nicht einschüchtern und das ist gut so.
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KoSo73
12.01.2026 17:41registriert Februar 2024
der einzige der sich nicht auf die Knie fällt wenn die Orange den Raum betritt.
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HappyUster
12.01.2026 17:44registriert August 2020
Aber Herr 🍊
Ihr Ballroom am Weissen Haus...
Wie ist es da mit den Kosten?!
1641
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53
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