Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Andrew Gillum, mayor of Tallahassee, gestures as he takes the stage to speak during the third day of the Democratic National Convention in Philadelphia , Wednesday, July 27, 2016. (AP Photo/Paul Sancya)

Jung, schwarz, progressiv und erfolgreich: Andrew Gillum hat die Ausscheidung der Demokraten für den Gouverneursposten in Florida gewonnen. Bild: AP/AP

Analyse

Die Amerikaner entdecken den Sozialismus (oder was sie dafür halten)

Überraschungssiege von Linken und Progressiven bei den Vorwahlen der Demokraten. Der Sozialismus wird in den USA salonfähig.



Zuerst kickte in Brooklyn die junge und völlig unbekannte Barkeeperin Alexandria Ocasio-Cortez ein Schwergewicht der demokratischen Partei aus dem Rennen. Jetzt hat in Florida der 38-jährige Andrew Gillum nachgelegt. Der schwarze Bürgermeister der Hauptstadt Tallahassee hat das Ausscheidungsrennen der Demokraten um die Wahl des Gouverneurs von Florida gegen die Favoritin des Parteiestablishments gewonnen.

New York congressional candidate Alexandria Ocasio-Cortez laughs while listening to a speaker at a fundraiser Thursday, Aug. 2, 2018, in Los Angeles. The 28-year-old startled the party when she defeated 10-term U.S. Rep. Joe Crowley in a New York City Democratic primary. (AP Photo/Jae C. Hong)

Charisma pur: Alexandra Ocasio-Cortez. Bild: AP/AP

Ocasio-Cortez ist eine bekennende Sozialistin. Gillum bezeichnet sich nur als «progressiv», vertritt aber ebenfalls sehr linke Anliegen: Unter anderem will er die Unternehmenssteuern erhöhen, um mehr Geld für Schulen und Universitäten zur Verfügung zu haben. Er setzt sich für eine Einheitskrankenkasse für alle und für einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde ein.

Ocasio-Cortez und Gillum sind über Nacht national berühmt geworden. Beide stammen aus einfachsten Verhältnissen. Die Eltern von Ocasio-Cortez sind Immigranten aus Puerto Rico, Gillums Vater war Bauarbeiter, seine Mutter Schulbus-Chauffeurin. Er ist das fünfte von sieben Kindern.

epaselect epa05354095 US Democratic Party presidential candidate Bernie Sanders speaks at a campaign rally at the D.C. Armory in Washington, DC, USA, 09 June 2016.  Earlier in the day, President Obama met with Sanders about the future of his campaign; Sanders said he looks forward to working with Hillary Clinton to defeat Donald Trump.  EPA/JIM LO SCALZO

Hat es vorgemacht: Bernie Sanders. Bild: EPA/EPA

Ihre politischen Sporen hat Cocasio-Cortez als Wahlhelferin von Bernie Sanders verdient. Gillum wird ebenfalls vom erklärten Sozialisten und Senator aus Vermont unterstützt, obwohl er noch vor zwei Jahren im Team Clinton gespielt hat.

Der Vormarsch der jungen Sozialisten scheint auf den ersten Blick ein Steilpass für die Republikaner zu sein. Sie lassen sich nicht zweimal bitten: Gillum sei «ein gescheiterter sozialistischer Bürgermeister, der es zulässt, dass Verbrechen und andere Probleme in seiner Stadt florieren», tweetete Donald Trump.

Donald Trump Jr., left, greets Florida gubernatorial candidate U.S. Rep. Ron DeSantis at a campaign rally Wednesday, July 18, 2018, in Orlando, Fla. (AP Photo/John Raoux)

Vereint im Geist: Donald Trump jr. (links) und Ron DeSantis.  Bild: AP/AP

Der Präsident hat derweil Ron DeSantis, den Sieger bei den Republikanern, unterstützt. Das ist nicht weiter verwunderlich: Der Harvard-Jurist geht in seiner Trump-Verehrung so weit, dass er seinem Sohn das Lesen mit dem Slogan «Make America Great Again» beibringt.

DeSantis ist so etwas wie ein Trump für den armen Mann. Wie sein Idol setzt er auf die Karte Rassismus. Wer Trumps frauenfeindliche Äusserungen kritisiert, ist in seinen Augen ein Verräter. Die Wahl Gillums kommentierte er mit den Worten, Florida könne es nicht zulassen, dass seine Errungenschaften «vor die Affen gehen» («monkey this up»). Die rassistischen Untertöne sind nicht zu überhören.

Ob Rassismus und Angst vor Sozialismus den Republikanern zum Sieg verhelfen werden, ist jedoch fraglich. Die Amerikaner haben die Angst vor dem Sozialismus abgelegt. So hat kürzlich eine Gallup-Umfrage ergeben, dass eine Mehrheit der jungen Wähler der Demokratischen Partei den Sozialismus dem Kapitalismus vorziehen.

abspielen

Dänemark ist Vorbild für Bernie Sanders & Co. Video: YouTube/CNN

Doch was genau verstehen die Amerikaner unter Sozialismus? Bernie Sanders nennt als Vorbild seines Gesellschaftsmodells die skandinavischen Länder. Das «bedeutet nicht, dass Dutzende von Millionen Amerikaner sich die Regierung an den Schalthebeln der Unternehmen wünschen», stellt Paul Krugman fest. «Es bedeutet bloss, dass sie sich ein Amerika wünschen, das ein bisschen mehr wie Dänemark ist.» Krugman ist Nobelpreis-gekrönter Ökonom und Kolumnist in der «New York Times».

«Sozialistisch» ist also in den USA bestenfalls sozialdemokratisch in unserem Sinn. Sowohl Ocasio-Cortez als auch Gillum könnten hierzulande locker als gemässigte Sozialdemokraten durchgehen.

In den USA jedoch ist die Wahrnehmung eine andere. So hat eine Moderatorin von Fox News kürzlich Dänemark mit Venezuela verglichen (kein Witz). Dabei sind die durchschnittlichen Dänen wohlhabender und sozial viel besser geschützt als die durchschnittlichen Amerikaner – und sie sind auch glücklicher. Trump und die Republikaner könnten sich daher arg verzocken. Gerade den «Sozialisten» Ocasio-Cortez und Gillum gelingt es nämlich, die Basis zu mobilisieren. So haben bei den Vorwahlen in Florida diesmal rund ein Drittel mehr Wähler teilgenommen als üblich. Sollte dies auch am 6. November der Fall sein, dann dürfte es sehr eng werden für die Grand Old Party.

In this photo taken Wednesday, June 27, 2018, environmental activist & billionaire Tom Steyer poses at his offices in San Francisco. Arizona’s largest utility is fiercely opposing a push to mandate increased use of renewable energy in the sun-drenched state, setting up a political fight over the measure funded by Steyer. (AP Photo/Eric Risberg)

Hat Gillum finanziert: Der Milliardär Tom Steyer. Bild: AP/AP

Allerdings: Ganz lupenrein sind die sozialistischen Triumphe nicht. Gillums Sieg war nur möglich, weil er von zwei Milliardären und Hedge-Fund-Managern finanziert wurde: von Tom Steyer und George Soros.

Trump unter Druck

Trotz Teil-«Shutdown» der US-Regierung: Trump vergibt Bauvertrag für Mauer

Link zum Artikel

Die Lügenbilanz zum 700. Amtstag: Donald Trump, ein Pinocchio ohne Boden

Link zum Artikel

Trump erwägt bereits die nächste Entlassung – diesmal soll es den Notenbank-Chef treffen

Link zum Artikel

Trumps Personal-Verschleiss: So viele Leute sind (oder wurden) gegangen 🙈

Link zum Artikel

«Verbündete mit Respekt behandeln»: US-Verteidigungsminister geht – und kritisiert Trump

Link zum Artikel

Dieses Dokument beweist, dass Trump wegen des Trump Towers in Moskau gelogen hat

Link zum Artikel

Trump ergreift erstmals Massnahmen gegen Waffengewalt – Waffenlobby ist enttäuscht

Link zum Artikel

«Schockierendes Muster der Illegalität»: Trump-Stiftung wegen krummen Geschäften aufgelöst

Link zum Artikel

Urteil überraschend verschoben – Richter erhebt schwerste Vorwürfe gegen Michael Flynn

Link zum Artikel

Trump will den Prediger Gülen an Türkei ausliefern

Link zum Artikel

Trump kickt nächsten Minister raus – warum das Good News sind für Umweltschützer

Link zum Artikel

«Er hat mich angewiesen, die Zahlungen vorzunehmen» – hier packt Cohen über Trump aus

Link zum Artikel

Woher hatte Trump das ganze Wahlkampf-Geld? Es gibt neue Theorien

Link zum Artikel

Der Skandal-Verleger und Donald Trumps schmutzige Geheimnisse

Link zum Artikel

Selbst Trump spricht nun von einem Impeachment

Link zum Artikel

Stolpert Trump über diese drei Männer?

Link zum Artikel

Trump in der Defensive: Kelly geht, Russland-Affäre kommt neu auf

Link zum Artikel

Wie wär's mit einem Treffen von Putin und «Individuum 1»? Muellers neue heisse Spur

Link zum Artikel

Tillerson über Trump: «Ich sagte ihm, das kann man nicht machen, es verletzt das Gesetz»

Link zum Artikel

Saudi-Arabien soll US-Veteranen-Treff finanziert haben – in Trump-Hotels

Link zum Artikel

Putin-Sprecher bestätigt Kontakt zu Trumps Ex-Anwalt

Link zum Artikel

Im Trump Tower Moskau stand ein 50-Millionen-Penthouse für Putin bereit

Link zum Artikel

Ihr glaubt gar nicht, an wie vielen Fronten Trump kämpfen muss

Link zum Artikel

War's das, Donald Trump?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Ein Fussball-Dress für Donald Trump

Video: srf/SDA SRF

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Das berühmte Dorf «Fucking» ändert seinen Namen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Ade Pelz: Schweizer zeigen Canada Goose die kalte Schulter

Einst bot er Forschern in der Arktis Schutz vor Kälte, in den letzten Wintersaisons prägte er modisch Schweizer Stadtbilder – der pelzbesetzte Parka, besonders derjenige der Marke Canada Goose. Nun flaut der haarige Hype ab. 

Er war der grosse Renner der letzten Schweizer Winter: der Jackenhersteller Canada Goose. Hätte man für jede Sichtung dieser omnipräsenten Parkas mit Kojotenkapuze einen Franken gekriegt, hätte man sich selbst bald schon eines der teuren Exemplare leisten können. Und das alles trotz heftiger Kritik der Tierschutzorganisationen.

Diese Saison hatten die Status-Parkas aber einen schweren Start. «Im Vergleich zu 2017 ist der Verkauf der Jacken und Mäntel der Marke stark eingebrochen», sagt …

Artikel lesen
Link zum Artikel