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Medikamentenpreise: Roche und Novartis warnen nach Trump-Deal vor Folgen

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«Am Scheideweg»: Warum Roche und Novartis trotz Deal mit Trump nicht aufatmen können

Donald Trump hat die Schweiz als Referenzland für Medikamentenpreise auserkoren. Die Auswirkungen könnten weitreichend sein.
08.01.2026, 20:4408.01.2026, 20:44
Pascal Michel / ch media

Donald Trump hat der Pharmaindustrie eine bittere Pille verordnet. Mit seiner Zoll-Drohung zwingt der US-Präsident die Firmen dazu, ihre Medikamente direkt in den USA zu produzieren. Diese Verlagerung wird auch die Schweiz zu spüren bekommen. Roche-Präsident Severin Schwan sprach bereits davon, «dass der Kuchen für Investitionen im Rest der Welt immer kleiner wird.»

«Made in USA» reicht Trump allerdings nicht. Er zielt auch auf die rekordhohen amerikanischen Preise – und damit indirekt auf die üppigen Umsätze und Gewinne der Firmen. Dazu hat der US-Präsident mit den führenden Konzernen, darunter Roche und Novartis, kürzlich Vereinbarungen ausgehandelt. Die Schweizer Schwergewichte verpflichten sich dabei, Preiskorrekturen bei einzelnen Medikamenten vorzunehmen. Doch diese dürften die Branche nicht allzu hart treffen.

Der Sitz der Firma Roche mit den Tuermen im Abendlicht in Basel, am Mittwoch, 17. Dezember 2025. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Die Roche-Türme in Basel.Bild: keystone

Für die Industrie waren die USA bisher ein Schlaraffenland

Aus Sicht der Branche ist aber klar: Der Druck bleibt hoch. Der Präsident des Verbands Interpharma, Jörg-Michael Rupp, sprach am Donnerstag an einer Pressekonferenz gar davon, dass die Schweizer Pharma «am Scheideweg steht».

Denn Donald Trump denkt weit über die jüngsten «Deals» hinaus. Er plant längerfristig gleich in drei staatlichen Gesundheitsprogrammen empfindliche Preissenkungen. Dabei richtet er sich nach dem sogenannten MFN-Prinzip (Most Favoured Nation). Das bedeutet, dass die Medikamentenpreise in den USA künftig nicht höher sein dürfen als im günstigsten Referenzland. Dazu hat die Trump-Regierung verschiedene Referenzländer ausgewählt.

Für die Schweiz und ihre Pharma-Giganten hätte das direkte Folgen. Die Schweiz gehört in allen drei Programmen zu den Referenzländern. Das heisst: Die Preise, die der Bund hier für neue patentgeschützte Arzneimittel setzt, beeinflussen direkt jene in den USA. Das Problem aus Sicht der Branche: Die Schweiz wirft zu wenig Geld für solche Medikamente auf. Dies könnte künftig die Preise, die Roche oder Novartis in den USA verlangen können, drücken. Laut Schätzungen der Beratungsfirma Executive Insight Healthcare Consultants könnten diese Preisabschläge bis zu 40 Prozent der jährlichen US-Arzneimittelausgaben treffen.

Novartis hat f
Novartis steht unter Druck.Bild: sda

«Es wird für Pharmafirmen künftig ökonomisch nicht mehr möglich sein, in der Schweiz neue Medikamente zu einem substanziell tieferen Preis zu lancieren. Denn das wäre ein Risiko für die Vergütung in den USA», sagt Novartis-Schweiz-Chef David Traub. Die Folgen wären in dieser Logik im Inland zu spüren: Die Firmen werden nicht nur härter um Preise verhandeln. Sie könnten auch auf Neulancierungen in der Schweiz verzichten. Ganz nach dem Motto: Besser kein Preis als ein tiefer Preis.

«Es gibt keine Innenpolitik mehr»

Deshalb lobbyiert die Branche nun für höhere Medikamentenpreise. Wobei die Branchenvertreter lieber von einer «angemessenen Honorierung von Innovation» sprechen. So könnten Versorgungsengpässe verhindert und das Risiko wegbrechender Umsätze in den USA minimiert werden.

Auf ein konkretes Ausgabenziel wollte sich Interpharma-Geschäftsführer René Buholzer auf Nachfrage nicht festlegen. Man müsse sich aber an den anderen Referenzländern wie Deutschland (0,67 Prozent des BIP), Frankreich (0,82 Prozent des BIP) oder Italien (1,04 Prozent des BIP) orientieren. Die Schweiz wirft derzeit 0,43 Prozent des BIP für patentgeschützte Medikamente auf.

Jörg-Michael Rupp formulierte es so: «In der neuen Weltordnung gibt es keine innenpolitischen Entscheide mehr. Wer nur die Kosten im Blick hat, schwächt die hiesige Pharmaindustrie.» Und diese generiere hierzulande nach wie vor enorme Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Medikamente lagern in einem Regal der Apotheke Weissenau, die Apotheke des Spitals Interlaken, eingelagert und bewirtschaftet, fotografiert am Freitag, 10. Februar 2023 in Interlaken. Die Apotheke der ...
Die Medikamentenpreise in der Schweiz wirken sich auf jene in den USA aus.Bild: KEYSTONE

Die Diskussion um die US-Preise ist nur ein Teil der komplexen Gemengelage. Denn der Amtsantritt von Donald Trump hat nur bestehende Probleme verschärft – so sieht es jedenfalls Interpharma. Neben den Vergütungen von Medikamenten spielen im Standortwettbewerb auch Steuerbelastung, Forschungsumfeld, die Digitalisierung oder der Arbeitsmarkt eine Rolle. Auch hier hinke die Schweiz hinterher, monieren die Branchenvertreter. Rupp sagte: «Wenn es der Pharma schlecht läuft, läuft es auch der Schweiz schlecht.»

Die Warnrufe scheinen mittlerweile in Bundesbern angekommen zu sein. Der Bundesrat hat erste Schritte eingeleitet (siehe Box). Bei der Diskussion um die Medikamentenpreise dürfte es allerdings keine schnelle Lösung geben. Bisher stellt sich das Bundesamt für Gesundheit klar dagegen.

Der abtretende Vize Thomas Christen bekräftigte diese Woche gegenüber CH Media: «Wenn nun die Pharmahersteller gleichzeitig höhere Medikamentenpreise fordern und Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe ausschütten, reibe ich mir schon etwas die Augen.» Man könne die Auswirkung höherer Medikamentenpreise auf die Prämien nicht einfach ignorieren. (aargauerzeitung.ch)

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