Wirtschaft
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100 Days: Crowdfunding-Plattform

Die Crowdfunding-Plattform 100 Days verzeichnet Erfolge en masse. Sie basiert auf der schon bestehenden Community um den Stadtblog Ron Orp – ein matchentscheidender Vorteil im Crowdfunding-Business. Schliesslich basiert der Erfolg der Plattformen auf der Anzahl Menschen, die daran teilnehmen.  Bild: 100days.net/Screenshot watson

Geldhäuser zittern vor Crowdfunding 

Wem würden Sie Ihr Geld anvertrauen – Bank oder Crowd?

Wells Fargo, die grösste Bank der Welt, fühlt sich von Crowdfunding-Plattformen bedroht. Auch in der Schweiz wird die Schwarmfinanzierung immer beliebter. Ersetzt die Masse bald die Bank?

Ein Musikstudio in Zürich, eine Sauna im Appenzell, ein Buch über Ziegen: Über Crowdfunding kann jede und jeder für eigene Projekte Geld sammeln oder ausleihen. Die Anzeigen reichen von «Ich kann zurzeit meine Steuern nicht zahlen» über «Wer finanziert mir meinen Sprachaufenthalt?» bis zur Suche nach finanziellen Partnern für Unternehmen und Investoren für Start-Ups – mit Zinsen und Gewinnbeteiligung. Das sind teilweise typische Bankgeschäfte. Doch bei Crowdfunding ersetzt die Masse die Bank.

Das beunruhigt die grösste Bank der Welt so sehr, dass sie Konsequenzen gezogen hat: Am Donnerstag hat Wells Fargo ihren Mitarbeitern verboten, Crowdlending zu betreiben, eine Form von Crowdfunding, bei der Konsumkredite, sogenannte Peer-to-Peer-Aktionen, vergeben werden. Der Grund: Solche Aktivitäten würden einen Interessenkonflikt darstellen. 

epa04020720 (FILE) A file photo dated 17 January 2013 showing Wells Fargo Bank branch connected to the Wells Fargo Bank and Company headquarters in San Francisco, California, USA. Wells Fargo & Company on 14 January 2014 reported diluted earnings per common share of $3.89 for 2013, up 16 per cent from $3.36 in 2012. Full year net income was $21.9 billion, compared with $18.9 billion in 2012. For fourth quarter 2013, net income was $5.6 billion, or $1.00 per share, compared with $5.1 billion, or $0.91 per share, for fourth quarter 2012.  EPA/JOHN G. MABANGLO

Die grösste Bank der Welt fürchtet sich: Wells Fargo, New York City. Bild: EPA

Crowdfunding

Crowdfunding ist eine alternative Art der Finanzierung und macht sich die Menge der Menschen zu Nutze, mit deren Hilfe ein gewünschtes Projekt finanziert werden kann. Die Gegenleistung kann dabei, je nach Crowdfunding-Art monetär oder nicht monetär sein. Zentral ist die direkte Kommunikation zwischen Investor und Kapitalnehmer – ohne dazwischengeschalteten Vermittler in Form einer Bank. 
Crowdfunding wird unterteilt in Crowdlending (das zur Verfügung stellen von Fremdkapital und direkte Konkurrenz von Kreditanstalten wie bspw. die GE Money Bank), Crowdinvesting (das zur Verfügung stellen von Eigenkapital), Crowddonating (Spenden) und Crowdsupporting (Sponsoring, v. a. im Kulturbereich verbreitet).

IFZ Retail Ranking Blog

Crowdfunding wird die Banken unter Druck setzen

Im soeben erschienenen Buch Next Generation Finance von Robert Lempka und Paul D. Stallard schreibt Zack Miller, Community-Verantwortlicher bei Our Crowd, einer führenden Plattform für Online-Investments: «Crowdfunding wird die Art, wie wir investieren, fundamental verändern. Die Finanzbranche hinkt bei innovativen Möglichkeiten, die das Internet bietet, noch immer hinterher.» Der grosse Vorteil: Crowdfunding sei losgelöst vom Raum nicht mehr auf lokale Strukturen angewiesen.

«Crowdfunding ist die Zukunft der Finanzwelt.»

Zack Miller in Next Generation Finance

Bereits vor rund einem Jahr schrieben die Journalistinnen Anja Dill und Heike Leiter im GDI Impuls: «Crowdfunding, das als Spiel für Vermögende begonnen hatte, ist auf dem Weg zum Volkssport – und könnte sich zur Gefahr für die Bankbranche auswachsen.» Auch wenn sie derzeit nur eine Nische besetzen würden, so die Autorinnen, würden die «neuen, persönlichen, ein klein wenig anarchischen Anlageformen schon jetzt Banken unter Druck setzen.»



In der Schweiz noch marginal – trotz grosser Wachstumsrate

Nicht so in der Schweiz: Andreas Dietrich, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen Zug, untersucht zurzeit den Schweizer Crowdfunding-Markt. «Jener Bereich des Crowdfunding, der die Banken konkurrenzieren könnte, nämlich die Vergabe von Konsumkrediten (Crowdlending), spielt mit 2—3 Millionen Volumen noch eine untergeordnete Rolle.» Im Gegensatz zu Plattformen in den USA könne in der Schweiz noch keine Plattform die Geschäfte der Banken angreifen.  

«Das meiste sind keine konkurrenzierende, sondern eher ergänzende Angebote», sagt Dietrich. Doch Crowdfunding ist auf dem Vormarsch. Immerhin verzeichnete das Modell seit der Gründung der von Cashare 2008 jedes Jahr eine Wachstumsrate von über 100 Prozent. «Der Bereich wird wachsen. Verschiedene Plattformen werden es schaffen und so grosse Volumina erreichen, dass es ökonomisch Sinn macht, die Plattformen zu betreiben.» 

In den nächsten fünf Jahren werden die Plattformen keine ernsthafte Konkurrenz für die Banken, prognostiziert Dietrich. Doch Innovationen sind gefordert. Beispielsweise das Aufschalten von eigenen Crowdfunding-Plattformen, wie zum Beispiel das Angebot der deutschen Volksbank Bühl (‹Viele schaffen mehr›). «Das dient derzeit zwar eher noch Marketingzwecken als der Erschliessung neuer Investitions-Märkte, könnte aber bedeutender werden.»

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FoxCore 25.01.2014 14:54
    Highlight Highlight Ich finde es eine gute Alternative zum Aktienmarkt. Vor langer, langer Zeit war der Sinn einer Aktie, ein Unternehmen zu unterstützen, womit man sich identifizeren kann und was man für eine gute Idee befunden hat. Heute ist es ein aufgeblasenes Casino, wo es nur noch um Gewinnmaximierung geht und wo alles am Seidenen Faden des Aktienkurses hängt.
    Mit Crowdfunding werden Projekte und gute Ideen gepusht. Oft scheitert eine gute Idee an der Finanzierung. Genau dort setzt Crowdfunding an.
  • Romeo 25.01.2014 07:25
    Highlight Highlight Weil die Banken das Geben von Risikokapital immer mehr reduzieren, darum wird das Crowdefounding zunehmen und wachsen.
  • Romeo 24.01.2014 23:58
    Highlight Highlight Solange die Banken, vor allem in Europa, nicht mehr Risikokapital sprechen, wird das Crowdfounding rasant wachsen. Schade könnte man beim Voting oben nicht beide auswählen, denn ich habe schon z.B. über Kickstarter das Projekt Tile unterstützt. Vorher. Hatte ich selbe Geld für ein Projekt erhalten. Ich zahle viel weniger als bei einer Bank. Zudem habe ich den Druck von der Bank nicht.
  • Michael L. 24.01.2014 22:23
    Highlight Highlight Der korrekte Link zur Seite ist: 100-days.net
  • lomoli 24.01.2014 20:51
    Highlight Highlight Ich bin ein Fan von Kiva.org
    Hier kann ich für nur 25$ eine Person (Projekt) unterstützen.
    Und bekomme mein Geld dann über Monate zurück.
    -
    Bei kickstarter.com
    Habe ich 1 Projekte unterstützt.
    Einmal eine Uhr die vor Weihnachten ausgeliefert werden sollte.
    Leider gibt es immer wider Verzögerungen.

  • rogerml 24.01.2014 20:47
    Highlight Highlight ich bin der meinung, dass es hier nur nebensächlich um investitionen im monetären sinn geht. unterstützen von projekten scheint wir richtiger. vor allem beim wemakeit.ch handelt es sich ja mehrheitlich um kunst oder anverwandtes. eine investition ist hier eher als ermöglichung der realisierung zu verstehen. ein finanzieller gewinn ist kaum zu erwarten.
  • b wusstsein 24.01.2014 20:06
    Highlight Highlight kein investieren, sondern ein unterstützen.
  • papparazzi 24.01.2014 18:48
    Highlight Highlight Also um die Frage zu beantworten: "Mein Geld würde ich der Matratze anvertrauen":-) ut (dp)

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