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Wirtschaft
Bitcoin

Bitcoin: Die Europäische Zentralbank sieht Kryptowährungen vor dem Aus

«Letzter Atemzug»: Die Europäische Zentralbank sieht Kryptowährungen vor dem Aus

Die Europäische Zentralbank macht kurzen Prozess mit den Argumenten, die angeblich für den Bitcoin sprechen. Und sie warnt.
03.12.2022, 14:1303.12.2022, 14:56
Niklaus Vontobel / ch media
Es war bloss Luft drin: Das gilt auch für den echten Bitcoin, glaubt die Europäische Zentralbank.
Es war bloss Luft drin: Das gilt auch für den echten Bitcoin, glaubt die Europäische Zentralbank.Bild: Shutterstock

Kryptowährungen werden beworben von Stars aus Sport und Kultur, von Fussballstar Ronaldo, Hollywood-Grösse Matt Damon oder von der Instagram-Unternehmerin Kim Kardashian. Doch seit Frühling dieses Jahres ist die Luft eigentlich draussen aus der Spekulationsblase.

Neues Aushängeschild der Branche ist Sam Bankman-Fried, dessen Kryptobörse kollabierte und der sich nun gegen Betrugsvorwürfe wehren muss. Und diese Woche veröffentlichte die Europäischen Zentralbank (EZB) eine neue Publikation über den Bitcoin, die beliebteste aller Kryptowährungen. Es sind verbale Prügel.

Zwar anerkennen die EZB-Ökonomen, dass sich der Kurs des Bitcoins zuletzt stabilisiert habe. Doch treffe mitnichten zu, was die Fans der Kryptowährung behaupten: Dass der Bitcoin gerade Atem hole, ehe er zu einem neuen Höhenflug ansetzen werde.

«Wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen künstlich herbeigeführten letzten Atemzug handelt – vor dem Weg in die Bedeutungslosigkeit.» Es folgt Argument auf Argument, dass der Bitcoin zu nichts zu gebrauchen sei.

Er sei fragwürdig als Zahlungsmittel – denn er sei als solches «umständlich, langsam und teuer». Der Bitcoin sei in der realen Welt noch nie in irgendeinem nennenswerten Umfang für Transaktionen verwendet worden, zumindest nicht für legale Transaktionen.

Dabei ist der Bitcoin vor über einem Jahrzehnt geschaffen geworden, um das existierende Zahlungssystem zu überwinden. Im Jahr 2008 wurde das Konzept geschaffen, von einem Unbekannten mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Seither wurde der Bitcoin vermarktet als globale dezentralisierte Währung. Bisher blieb es beim Hype.

Zu nichts zu gebrauchen

Ab Mitte der 2010er-Jahre begann ein neues Narrativ zu dominieren: Der Wert des Bitcoins werde immer neue Höhen erreichen, unvermeidlich sei dies. Auch diese Rechtfertigung hauen die EZB-Ökonomen kurz und klein.

Der Bitcoin generiere keinen Cashflow, wie es Immobilien tun, auch keine Dividenden, wie man sie durch Aktien erhält. Er könne nicht auf irgendeine Weise produktiv genutzt werden, etwa um andere Produkte daraus herzustellen, wie es bei Rohstoffen möglich sei. Und er verschaffe dem Eigentümer auch keinen gesellschaftlichen Nutzen, wie es Gold tue.

Nichts von dem biete der Bitcoin. Die EZB schlussfolgert daraus: «Der Marktwert des Bitcoins basiert einzig auf Spekulationen.»

Nicht auf Bitcoin sitzen bleiben

Und solche spekulative Blasen können nur aufrechterhalten werden, wenn ständig neues Geld hinzukommt. «Die grossen Investoren in Bitcoin haben am meisten Anreiz, die Euphorie am Leben zu erhalten», schreiben die EZB-Ökonomen und meinen damit: Nur wenn die bestehenden Eigentümer neue Käufer finden, kriegen sie ihr Geld zurück. Sonst bleiben sie sitzen auf ihren Bitcoins, die keinen eigenen Nutzen haben.

In diesem Zusammenhang verweist die EZB auf Manipulationen durch Kryptohandelsplattformen, die es in früheren Haussen des Bitcoins gegeben hat. Bei der jüngsten Stabilisierung sei noch ungewiss, welche Faktoren dahinter stünden. Einige «Venture-Capital»-Firmen seien noch immer mit viel Geld in der Krypto- und Blockchain-Industrie dabei. Mitte Juli seien es rund 18 Milliarden Dollar gewesen.

Von über 60'000 auf unter 16'000 Franken

Wert eines Bitcoins in Franken
Wert eines Bitcoins in Franken.

Fehler von Regulatoren und Gesetzgebern

Die Regulierung von Kryptowährungen sei teilweise geprägt von einem Irrglauben: Dass für Innovationen immer ein Raum geschaffen werden muss, egal, wie hoch die Kosten sind. Man habe nur auf die neue Technologie geschaut, auf der Kryptowährungen basieren, die Blockchain. So sei man zur falschen Annahme gelangt, der Bitcoin könne die Finanzindustrie auf eine neue Grundlage stellen.

Doch Tatsache sei: bislang hätten die Kryptowährungen nur sehr begrenzten Wert geschaffen für die Gesellschaft. Und sie würden zwar auf einer vielversprechenden Technologie basieren, doch das allein sei noch keine Garantie, dass sie auch einen Mehrwert schaffen können.

Und durch die Regulierung sei der Eindruck entstanden, die Behörden würden den Bitcoin gutheissen. Das wiederum habe die traditionelle Finanzindustrie dazu verlockt, ihren Kunden den Zugang zu Bitcoins zu ermöglichen. Und zuletzt bewirkt der Markteingang von Banken, dass auch Kleinanleger zum Schluss gelangen, der Bitcoin sei eine solide Anlage.

Berge von Hardwareschrott

Und nicht zu vergessen ist: Das System der Kryptowährung sei ein noch nie dagewesener Umweltverschmutzer, schreiben die EZB-Experten. Es verschlinge so viel Energie wie ganze Volkswirtschaften. Gemäss Schätzungen verbrauche das sogenannte Mining von Bitcoins jedes Jahr so viel Strom wie Österreich. Und nicht nur das. Es produziere ganze Berge von Hardwareschrott. Das ganze Bitcoin-System lasse so viel Elektroschrott wie die Niederlande.

Bald nur noch Elektroschrott? Eine Bitcoin-Server-Farm.
Bald nur noch Elektroschrott? Eine Bitcoin-Server-Farm.Bild: Shutterstock

Der Bitcoin sei laut der EZB anscheinend weder geeignet als Zahlungssystem noch als Anlageform. Er solle daher von den Regulatoren auch nicht so behandelt werden und nicht legitimiert werden. Und die Finanzindustrie sollte ebenfalls vorsichtig sein, da das Bewerben von Bitcoin-Investments einen langfristigen Schaden anrichten könne. Es könne sich enorm negativ auf den Ruf der gesamten Finanzindustrie auswirken, wenn die Investoren weitere Verluste erlitten haben werden. (aargauerzeitung.ch)

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149 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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YvesM
03.12.2022 15:08registriert Januar 2016
Die Cryptos sind mehrheitlich ein Schneebaldsystem. Nicht mehr. Und nicht weniger. 🤷🏻‍♂️
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G.
03.12.2022 15:31registriert Dezember 2014
🤣😂

F.U.D. at its finest
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Ökonometriker
03.12.2022 15:22registriert Januar 2017
Bitcoin in der heutigen Form ist eine zum Scheitern verurteilte Technologie. Es gibt aber durchaus Ansätze in der Kryptowelt, welche die Ineffizienzen bei den Transaktionen, der hohe Energiebedarf, die mangelnde Regulation des Marktes usw. lösen könnten. Die Krise wird die Kryptowelt zum Fortschritt zwingen. Und damit wohl am Ende auch den BTC.
Es bleibt ein spannendes Feld voller Ideen und voller Umbrüche. Aber damit auch ein Umfeld, welches eher einem Casino als einer Investition gleicht. Entsprechend sollte man damit Spass haben, aber nicht darin für's Alter sparen.
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