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Zwei langweilige Theorien, wie es zum Krypto-Crash kam – die dritte aber ...

20.05.2021, 17:1220.05.2021, 17:23

Einen Tag nach dem Einbruch der Kryptomärkte (sie erholen sich gerade wieder) beginnt die Suche nach den Ursachen. Um es vorweg zu nehmen: Eine seriöse Analyse ist zu diesem Zeitpunkt langweilig – muss aber sein. Deshalb werden wir diesen Teil kurz und schmerzlos abhandeln.

Die zu diesem Zeitpunkt weniger seriöse Theorie, basierend auf einer einzigen anonymen Quelle, liest sich hingegen wie ein Krimi. Wir schenken ihr deshalb den verdienten Platz. Denn: Auch Spass muss sein.

Offenlegung der Interessenverbindung
Der Autor besitzt Bitcoin, Ether und andere Kryptowährungen

Theorie 1: Zu viel FUD

  • Elon Musk findet Bitcoin plötzlich zu energiefressend.
  • Reuters berichtet, chinesische Banken dürfen keine Kryptoprodukte mehr anbieten. Das ist zwar schon seit 2017 der Fall, es handelt sich aber um eine leichte Verschärfung des Gesetzes.
  • US-Finanzministerin Yellen rasselt mit dem Säbel.
  • Fragen zur Deckung des üblichen Verdächtigen Stablecoins Tether werden erneuert, weil publik gemacht wurde, dass die Deckung vor allem mit «Commercial Papers», also mit Inhaberschuldverschreibungen erfolgt.

Die Wolken über dem lange strahlenden Krypto-Himmel verdunkelten sich in den letzten Tagen. FUD zog auf. FUD steht für «Fear, uncertainty and doubt» – für «Angst, Unsicherheit und Zweifel». In Kombination mit Theorie zwei reichte das für eine Kurskorrektur.

Theorie 2: Der Markt war überhitzt

  • Hundecoins schiessen wie Pilze aus dem Boden.
  • Kopien von Hundecoins schiessen wie Pilze aus dem Boden.
  • Kopien von Kopien von Hundecoins schiessen wie Pilze aus dem Boden.
  • Spekulantinnen werden übermütig und setzten auf Hebelprodukte. Wer auf Hebelprodukte zurückgreift, läuft Gefahr, seinen gesamten Einsatz zu verlieren. Genau das ist in den letzten 24 Stunden rund 800'000 Spekulanten passiert (Stand 19.5.2021, 20.00 Uhr). Sie verloren dabei eine Summe von 8,8 Milliarden Dollar.

In Kombination mit Theorie 1 hat Theorie 2 zum Crash geführt.

So. Damit ist die Pflicht erledigt und wir kommen zur Kür. Holt das Popcorn – und denkt daran: Theorie drei ist neben sehr viel Unterhaltung vor allem auch sehr viel Spekulation.

Theorie 3: Die Verschwörungstheorie

Nur die Spitze des Eisbergs ist belegt. Der Rest bleibt undurchsichtig – und wird vermutlich immer undurchsichtig bleiben. Diese Theorie gehört in den Bereich der Mythen und Sagen – und ist deshalb wie gemacht für den mit Halbwissen und Gerüchten nur so verseuchten Kryptomarkt.

Die Theorie lautet folgendermassen:

Der Zusammenbruch des Kryptomarktes war orchestriert.

Jup.

Ein gesteuerter Akt.

Um einen einzigen Investor aus dem Markt zu drängen.

Wie kommt es zu dieser Theorie?

Es ist die Behauptung eines selbstverständlich anonymen Users des Forums 4Chan. 4Chan ist die Webseite-gewordene Version der Kantinenszene von «Star Wars»: Hier tummelt sich alles und jeder, anonym – und niemand stellt Fragen. Verluste kommen vor, werden emotionslos zur Kenntnis genommen, danach spielt die Band weiter.

Auf dieser Plattform meldete sich ein Tag vor dem Kurssturz ein Benutzer. Er könne nicht sagen, für welche Interessengruppe er arbeite, aber er habe Insiderinformationen, dass weitere schlechte Nachrichten für Bitcoin aus China eintreffen würden. 12 Stunden später wurde der Reuters-Artikel publiziert. Weiter mutmasste er, dass die Nachricht wie eine Bombe einschlagen würde. Danach sei ein koordinierter Verkauf geplant, um den Preis von Bitcoin dermassen zu drücken, dass ein bestimmter Investor liquidiert werde. Wer dieser Investor sei, könne er nicht sagen, aber es handle sich um eine Person, die kräftig zugekauft habe während einer Baisse, die er selber mitverursacht habe.

Später – aber noch immer vor dem Flashcrash – präzisierte derselbe User, dass es schnell gehen werde. Wer sicher gehen wolle, soll Kaufaufträge bei 35'000 Dollar platzieren. Möglich seien auch 31'250 Dollar oder gar noch tiefere Gefilde. Nach der Aktion werde der Preis wieder in die Höhe schiessen.

Nun sind derartige Forumseinträge auf Reddit, 4Chan und anderen virtuellen Tummelplätzen keine Seltenheit. Meistens handelt es sich bei ihren Autoren um Wichtigtuer oder QAnon-Nachahmer. Doch in diesem Fall ist es ein bisschen anders. Bis auf die Tatsache, dass Bitcoin nicht bis auf 70'000 Dollar gestiegen ist, haben sich sämtliche Prognosen bewahrheitet.

Selbstverständlich bietet dieser Post nun Nährboden für die wildesten Gerüchte. Vor allem, wem die gezielte Aktion gegolten habe.

Im besagten Forum ging schnell die Idee um, es handle sich dabei um Elon Musk. Dieser hat mit seinen Tweets den Kurs von Bitcoin beeinflusst. Dass er weiter zugekauft hat, ist allerdings nicht bekannt. Den Terminus «liquidiert» deutet aber darauf hin, dass es sich um eine Person handelt, welche nicht einfach bloss Bitcoins hält. Ausserdem würde Musk einen Milliardenverlust wegstecken können – und danach nicht bankrott sein, was das Ziel der Aktion sei. Musk kann nicht die Zielperson sein.

Wahrscheinlicher ist, dass es sich dabei um Justin Sun handelt. Sun kopierte einst das Ethereum-Netzwerk, nannte es Tron und wurde damit zum Milliardär. In der Kryptoszene gehört er zur Gruppe der Fieslinge. Seine Dreistigkeit ist fast schon legendär.

Sun vermeldete kürzlich den Zukauf von Bitcoin und Ether, als die Preise nach Elon Musks Tweet in den Keller rasselten – er könnte also gemeint sein.

Sun würde der Verlust einer Milliarde mehr schmerzen, als Elon Musk.

Und Sun könnte tatsächlich liquidiert werden.

Bekannt ist, dass der Tron-Chef 600'000 Ether im Wert von über einer Milliarde als Sicherheit bei einem Liquiditätspool hinterlegt hat. Wäre der Preis von Ether unter ein bestimmtes Niveau gefallen, wären seine Ether (für ihn) verloren gewesen. Obwohl die Chance dazu bestanden hatte, zog Sun noch einmal den Kopf aus der Schlinge.

Und dann ist da noch dies:

Alibaba-Gründer Jack Ma schuf mit Alipay die grösste Payment- und Lifestyleplattform der Welt. Alipay hat mehr als 50 Prozent Marktanteil im Online-Geschäft in der Volksrepublik China. Seine Macht wuchs rasant und stetig. Und es kam, wie es kommen musste. Peking kündigte offizielle Untersuchungen gegen sein Internetimperium an. Schon lange stehen die Zeichen zwischen der Regierung und Ma auf Sturm.

Und jetzt rate mal, wer der Protégé von Jack Ma ist? Korrekt. Justin Sun.

Ein frecher Milliardär, eine anonyme Quelle, ein Akteur mit Motiv und den Möglichkeiten, den Markt zu bewegen (China) – die Zutaten für ein schönes Verschwörungs-Süppchen liegen bereit.

Beim Check-in verschwunden – Junge gönnt sich Fahrt auf dem Gepäckförderband

Video: watson
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