Bitcoin steht nach einem Rekordjahr vor neuen Herausforderungen
Die Kryptowährung Bitcoin hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Trotz Allzeithoch kam die «Krypto-Leitwährung» im Jahr 2025 insgesamt nicht richtig vom Fleck. Nun soll laut Marktbeobachtern der Befreiungsschlag im 2026 gelingen, trotz makroökonomischen und technischen Risiken.
Der Bitcoin-Kurs hat sich auch 2025 durch starke Schwankungen ausgezeichnet. Nach dem Halving im Frühjahr 2024 setzte sich der Angebotsrückgang im Jahr 2025 deutlich fort und führte im ersten Halbjahr, auch dank der kryptofreundlichen Regierung unter US-Präsident Donald Trump zu einem kräftigen Anstieg.
Noch keine Sorgen
Im Oktober erreicht der Kurs bei knapp über 126'000 Dollar sein Allzeithoch. Geholfen haben dürfte auch die immer breitere Akzeptanz und Nachfrage von Seiten der institutionellen Investoren. Im Oktober betrug das gesamte Vermögen, welches in den grössten Bitcoin-Spot-ETFS steckte, rund 163 Milliarden Dollar, nach knapp 60 Milliarden ein Jahr zuvor.
Seither hat Bitcoin aber nun mehr als also ein Viertel an Wert eingebüsst und steht aktuell bei knapp 87'000 Dollar. Damit steht der Kurs im Vergleich zum Jahresanfang gut 7 Prozent im Minus.
Unter Marktbeobachter sucht man richtig besorgte Stimmen indes vergebens: «Die aktuelle Schwächephase ist vielmehr makroökonomischer Natur und verändere die längerfristig positiven Fundamentaldaten des Bitcoin nicht», schreibt etwa der Investmentchef von 21shares, Adrian Fritz, in einem Kommentar zur Marktlage.
Obwohl auch Fritz mittlerweile von einem Bärenmarkt spricht, werden wie so oft in Abwärtsphasen die «historisch attraktiven Einstiegsgelegenheiten» gepriesen. Längerfristig ändere sich daher an der Bitcoin-Erfolgsstory wenig: «Das Angebot bleibt knapp, das institutionelle Interesse wächst weiter».
Noch nicht am Top
Der Analysechef eines Schweizer Kryptovermögensverwalters bleibt ebenfalls optimistisch für 2026 und rechnet mit einem Hoch von 180'000 bis 200'000 Dollar im Jahr 2026. Bitcoin dürfte mit einem «intakten langfristigen Bullenmarkt» ins neue Jahr starten, sagt Dominic Weibel, Head of Research, bei Bitcoin Suisse.
Damit ist der Höhepunkt des aktuellen Zyklus laut der Zuger Kryptofirma mit dem letzten Allzeithoch vom Oktober 2025 bei 126'000 Dollar noch nicht erreicht worden. Bis zu neuen Rekorden sei der Weg aber noch holprig.
«Auf Jahresbasis wird der Kurs mit einem Minus abschliessen», erklärte der Bitcoin-Suisse-Chefanalyst. Dies stehe im Kontrast zu vielen anderen Anlageklassen wie Gold. Dadurch sei nun aber ein «starkes asymmetrisches Aufwärtsprofil» für 2026 zu erwarten.
Erwartungsgemäss sind Kursprognosen für Bitcoin aber immer mit Vorsicht zu geniessen. Bereits für 2025 sagten die Analysten rund um Weibel ein Hoch bei rund 180'000 Dollar voraus.
Korrektur statt Crash
Wichtig sei im Rückblick indes fast wichtiger zu beachten, dass keine der beiden Korrekturphasen von Bitcoin im laufenden Jahr die «strukturelle Schwelle des Bullenmarktes» verletzt habe. Diese sehen die Bitcoin-Suisse-Analysten bei rund 75'000 Dollar.
Dieses Niveau sei dann auch weiterhin ein wichtiger Indikator für die Gesundheit und Fortsetzung des Zyklus: «Oberhalb dieses Niveaus bleibt die langfristige bullische Struktur von Bitcoin intakt.»
Ein anhaltender Durchbruch nach unten wäre indes ein bedeutendes Anzeichen für einen disruptiven Zusammenbruch des Zyklus. Dieses Szenario hält man beim Zuger Kryptovermögensverwalter aber für «unwahrscheinlich».
Disruptive Quanten
Aber auch was die Risiken angeht, schweigt man in der Branche nicht. Nachdem das Thema KI fast aus dem Nichts den Alltag der Finanzmärkte zu bestimmen begann, wird in der Kryptogemeinschaft schon rege über Quantencomputer diskutiert.
Quantencomputer gelten darum als eine potenzielle Bedrohung für Bitcoin, weil sie die kryptografischen Grundlagen des Systems angreifen könnten. Bitcoin basiert auf der sogenannten Elliptic Curve Cryptography (ECC), die für klassische Computer praktisch unknackbar ist.
"Mithilfe spezieller Quantenalgorithmen wie dem Shor-Algorithmus könnten jedoch die mathematischen Probleme hinter ECC deutlich schneller gelöst werden, wie Weibel erklärt. Das bedeute, dass ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer in der Lage wäre, aus einem öffentlichen Schlüssel den dazugehörigen privaten Schlüssel zu berechnen, um das Konto bzw. Wallet zu leeren.
Gefahr erkannt
Besonders gefährdet seien vor allem ältere Adressen oder solche, deren Schlüssel mehrfach verwendet wurden. Experten wie Weibel schätzen, dass ein erheblicher Teil der im Umlauf befindlichen Bitcoins dadurch angreifbar wäre.
Die Einschätzungen darüber, wann diese Gefahr real wird, gehen auseinander. Einige Stimmen warnen, dass schon in wenigen Jahren Quantencomputer stark genug sein könnten, während andere eher von mehreren Jahrzehnten ausgehen.
Klar ist jedoch, dass die Bedrohung ernst genommen wird: Selbst grosse Finanzakteure wie BlackRock führen Quantencomputer inzwischen als Risikofaktor in ihren Bitcoin-ETF-Unterlagen auf. Sollte ein solcher Angriff gelingen, hätte das gravierende Folgen für das Vertrauen in Bitcoin und könnte den Markt massiv destabilisieren.
Um dieser Gefahr zu begegnen, arbeiten Forscherinnen und Entwickler an sogenannten Post-Quanten-Kryptografien, also neuen Signaturverfahren, die auch gegen Quantenangriffe resistent sind. Langfristig müsste Bitcoin auf solche Verfahren umgestellt werden, was allerdings eine globale Koordination und technische Anpassungen erfordert. (sda/awp)
