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Eine Flugbegleiterin im Innern eines Swiss-Fliegers. (Archivbild)
Eine Flugbegleiterin im Innern eines Swiss-Fliegers. (Archivbild)Bild: KEYSTONE

Warum die Swiss momentan «Leerflüge» durchführt

Die Lufthansa führt in diesen Monaten 18'000 unnötige Flüge durch. Auch die Swiss ist davon betroffen.
10.01.2022, 20:1311.01.2022, 12:08

Mit der Impfung erhoffte man sich in der Flugbranche eine Erholung bei den Passagierzahlen. Fast zwei Jahre nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie zeichnete sich im Sommer und Herbst des vergangenen Jahres eine Entspannung der Situation ab.

Doch dann kam plötzlich Omikron auf. Reisende aus Südafrika mussten in der Schweiz für zehn Tage in Quarantäne. Schlag auf Schlag kamen neue Länder auf die Quarantäneliste. Für die Reisebranche ein enormer Rückschlag. Auch für die Swiss.

«In den letzten Wochen haben die neu erlassenen Einreisebestimmungen für viele Länder (Quarantäneregelung, PCR-Testpflicht) zu einem deutlichen Rückgang der Neubuchungen geführt und gleichzeitig die Annullationen hochgetrieben», sagt Mediensprecherin Meike Fuhlrott zu watson.

18'000 unnötige Flüge

Die Omikron-Welle trifft auch den Swiss-Mutterkonzern Lufthansa hart. 33'000 Flüge muss der Konzern im Winterflugplan streichen, wie Carsten Spohr, Chef der Fluggesellschaft kürzlich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bekannt gab.

Aufgrund der schwachen Nachfrage hätte man im Januar sogar noch deutlich mehr Flüge reduziert, so Spohr weiter, der in der Folge auf die sogenannten «Leerflüge» zu sprechen kommt. «Aber wir müssen im Winter 18'000 zusätzliche, unnötige Flüge durchführen, nur um unsere Start- und Landerechte zu sichern.»

Carsten Spohr kritisiert die Slot-Regelung der EU.
Carsten Spohr kritisiert die Slot-Regelung der EU.Bild: keystone

In fast allen anderen Teilen der Welt habe man klimaschonende Ausnahmeregelungen in der Zeit der Pandemie gefunden, so Spohr weiter. In der EU jedoch nicht in gleicher Weise. «Das schadet dem Klima

Umstrittene Slot-Regelung der EU

Spohr zielt mit seiner Kritik auf die Slot-Regelung der EU ab. Die sogenannten Slots sind Start- und Landerechte, die die Airlines an ihren Destinationen erwerben. Im Normalfall muss eine Airline 80 Prozent ihrer Slots nutzen, um die Slots auch im nächsten Flugplan wieder nutzen zu können. Dies hat die EU festgelegt. Erreicht die Airline die 80 Prozent nicht, verliert sie ihre Rechte und die Slots werden neu vergeben.

Zu Beginn der Pandemie setzte die EU diese Regel jedoch aus, da viele Flieger grösstenteils am Boden blieben. Doch seit Anfang November und dem Start des Winterflugplans müssen wieder 50 Prozent der Slots genutzt werden. Im kommenden Sommerplan müssen es 64 Prozent sein, um die Rechte nicht zu verlieren.

Kritik von der Swiss

Um die 50 Prozent zu erreichen, muss die Lufthansa also Flüge durchführen, die sonst gestrichen worden wären. Gemäss Spohr sind es 18'000. Davon betroffen ist auch die Swiss. Eine exakte Zahl «unnötiger Flüge» will der Airline gegenüber watson nicht nennen.

Aber auch von der Swiss gibt es Kritik an der 50-Prozent-Regel der EU. Fuhlrott: «Aus Sicht von Swiss wäre es sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoller, die pandemie- und restriktionsbedingt tiefe Nachfrage auf weniger, dafür besser ausgelastete Flüge zu verteilen, als zwecks Slotsicherung aufgrund zu optimistischer Annahmen der EU-Kommission bei der Ausgestaltung der Slotregelung für den aktuellen Pandemiewinter solche Flüge durchzuführen». Komplett leer seien die unnötigen Flüge zwar nicht, so Fuhlrott weiter. Aber sie fänden oft «mit tiefer Auslastung» statt.

EU-Kommission bleibt hart

Trotz des Widerstands der Lufthansa bleibt die EU-Kommission bei ihrem Entscheid. «Die Omikron-Variante ist besorgniserregend und wir werden die Situation beobachten. Aber wir müssen plötzliche und nicht vollständig belegte Änderungen vermeiden», teilt ein Sprecher der Regierung in Brüssel dem Portal aerotelegraph.com mit. Der Luftverkehr erhole sich trotz neuer Virusstämme stetig, das zeige die Erfahrung.

«Bei der Entscheidung berücksichtigte die Kommission die Luftverkehrsprognosen von Eurocontrol und die Entwicklungen seit Beginn der Pandemie», heisst es aus Brüssel weiter. Der Flugverkehr werde dieses Jahr wieder ein Niveau von 89 Prozent im Vergleich zu 2019 erreichen. Dies rechtfertige die 50-Prozent-Regelung.

Das Ziel der Swiss bleibt es, wieder auf ein ähnliches Niveau von vor der Pandemie zu kommen. Mitte Dezember kündete die Airline an, ihren Sommerflugplan auszubauen. Neu werden Destinationen wie Bologna oder Nantes angeflogen. Die Airline geht davon aus, «im Laufe des dritten Quartals wieder rund 80 Prozent der Kapazitäten von 2019 anbieten zu können». Dies geht natürlich nur, wenn die Slots nicht verloren gehen.

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Video: watson/Emily Engkent
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