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Tesla unter Druck: Das bedeuten die Angriffe im Roten Meer

epa11069996 A Houthi trooper stands guard during a gathering at the end of a military training, in Sana'a, Yemen, 11 January 2024. Yemen's Houthis top leader Abdul-Malik Al-Houthi has warned ...
Huthi-Kämpfer in Sana, Yemen. Die Islamisten stören mit gross angelegten Raketen- und Drohnenangriffen die internationalen Schifffahrtswege.Bild: keystone

Tesla und Volvo unter Druck: Das bedeuten die Angriffe im Roten Meer für die Autoindustrie

Der Nahost-Konflikt ist mittlerweile auch in Europa zu spüren: Die Raketenangriffe von Huthi-Rebellen erschweren den Warenverkehr per Schiff und verzögern so Produktionsabläufe. Nach Tesla ist auch Volvo betroffen.
12.01.2024, 16:3212.01.2024, 18:09
Frederike Holewik / t-online
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Ein Artikel von
t-online

Im Roten Meer greifen Huthi-Rebellen aus dem Jemen Schiffe mit angeblich israelischer Verbindung an – dadurch wird eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt Teil des Nahostkonflikts. Gerade der Automobilindustrie, die auf Halbleiter aus Asien angewiesen ist, bereitet das Sorgen.

«Die von den Angriffen betroffene Route im Roten Meer ist von grosser Bedeutung für den weltweiten Handel, die angespannte Sicherheitslage belastet die Liefer- und Logistikketten des globalen Warenhandels», sagt eine Sprecherin des Verbandes der Automobilindustrie T-Online.

Was sagen BMW und der VW-Konzern?

Die Situation im Roten Meer erfordere Anpassungen der Transportrouten von Frachtschiffen, was zu längeren Lieferzeiten und höheren Kosten führe. Dem Verband seien bislang aber noch keine Auswirkungen auf die Fahrzeugproduktion bei Mitgliedsunternehmen bekannt, heisst es weiter.

So teilt BMW mit: «Die Situation im Roten Meer hat keinerlei Beeinträchtigungen auf die Produktion der BMW Group, da die Versorgung unserer Werke sichergestellt ist.» Das Unternehmen stehe mit den Logistikpartnern in engem Austausch und erwarte derzeit keine Ausfälle oder Verzögerungen.

Ein Volkswagen-Sprecher erklärt auf Anfrage: «Die Marke Volkswagen Pkw rechnet nach heutigem Stand mit keinen nennenswerten Produktionseinschränkungen in ihren Werken.» Fast alle grossen Reedereien hätten bereits im Dezember ihre Routen geändert, so würde die Fracht mit nur leichter Zeitverzögerung eintreffen.

Doch nicht alle Unternehmen kommen so glimpflich davon...

Tesla stoppt Produktion

Zuvor hatte bereits der Elektroautohersteller Tesla mitgeteilt, dass die Produktion am deutschen Produktionsstandort Grünheide bei Berlin für zwei Wochen ruhen werde. Da sich die Transportwege verschieben, sei eine Lücke in den Lieferketten entstanden, hiess es am Donnerstag vom Unternehmen (t-online berichtete). Bei den fehlenden Bauteilen handle es sich um «Überseekomponenten». Details nannte Tesla dazu am Freitag nicht.

«Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Roten Meer und die damit verbundenen Verschiebungen der Transportwege zwischen Europa und Asien über das Kap der Guten Hoffnung wirken sich auch auf die Produktion in Grünheide aus. Durch die deutlich längeren Transportzeiten entsteht eine Lücke in den Lieferketten.»
quelle: reuters.com

Vom 12. Februar an werde die Produktion wieder voll aufgenommen. Wie genau die Zwangspause für die Belegschaft geregelt wird – dazu wollte sich das Unternehmen nicht äussern. «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden bezahlt», hiess es am Freitag auf Anfrage bei Tesla.

Tesla stellt in Grünheide seit März 2022 E-Autos her. Dort arbeiten rund 11'500 Beschäftigte. Tesla will die Produktion in Grünheide von angepeilten 500'000 Autos im Jahr mit dem Ausbau des Werks auf eine Million im Jahr verdoppeln. Derzeit baut das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 250'000 Fahrzeuge jährlich.

Auch Volvo betroffen
Der schwedische Autohersteller Volvo, der sich mehrheitlich im Besitz des chinesischen Unternehmens Geely befindet, wird nächste Woche die Produktion in seinem Werk im belgischen Gent für drei Tage unterbrechen. Aufgrund der Sicherheitslage im Roten Meer sei es zu Verzögerungen gekommen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Eine Lieferung von Getrieben habe sich verzögert, erklärte ein Sprecher gegenüber Reuters. Autolieferungen, Produktionsziele und das andere europäische Werk in Göteborg, Schweden, seien von der Unterbrechung nicht betroffen.

Wie konnte es so weit kommen?

Wichtige Handelsroute unterbrochen

Der Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg zwischen Asien und Europa. Etwa zehn Prozent des Welthandels wird über die Strecke geleitet. Seit dem Ausbruch des Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas gab es 27 Angriffe auf internationale Handelsschiffe im Roten Meer.

Grosse Reedereien meiden deshalb zunehmend die wichtige Handelsroute. Nach US-Angaben nahmen mehr als 2000 Schiffe einen Umweg. Die Alternativstrecke um das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung ist jedoch wesentlich länger – und damit teurer.

Das heisst: Auch wenn bislang noch wenige Unternehmen direkte Auswirkungen auf die Produktion feststellen, könnten sich die Angriffe der Huthi-Rebellen auf die Weltwirtschaft auswirken.

Deutlich weniger Container

«Die dort transportierte Menge an Containern brach um über die Hälfte ein und liegt aktuell fast 70 Prozent unter dem eigentlich zu erwartenden Aufkommen», berichtete das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag. Aktuell liege das Transportvolumen via Rotem Meer nach IfW-Angaben bei nur rund 200'000 Containern pro Tag, nach rund 500'000 Containern im November.

Die Umleitung um das Kap der Guten Hoffnung verlängere die Transportzeit um sieben bis 20 Tage. Die verlängerte Fahrzeit hat die Preise für Containertransporte – im Branchenjargon Frachtraten genannt – deutlich erhöht. «Der Transport eines 40-Fuss-Standardcontainers zwischen China und Nordeuropa kostet aktuell über 4'000 US-Dollar, noch im November waren es rund 1'500 US-Dollar», so das IfW.

«Der aktuelle Preis ist allerdings noch weit entfernt von den drastischen Ausschlägen während der Corona-Pandemie, als der Transport eines Containers auf dieser Route bis zu 14'000 US-Dollar kostete.»

Mit Preissteigerungen für die Konsumentinnen und Konsumenten rechnen die IfW-Experten zunächst aber nicht, denn die Frachtkosten lägen bei den verschifften Gütern oft im Promillebereich. Allerdings könnten sich die Attacken im Roten Meer auf die Konjunktur insgesamt auswirken, sollten sie andauern. Denn über diesen Weg werden auch Öltransporte abgewickelt.

Quellen

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19 Kommentare
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Knurunkulus
12.01.2024 18:12registriert Mai 2023
Wie reagiert Aegypten? Das Land verliert doch sehr viel Geld, wenn weniger Schiffe durch den Suez-Kanal fahren.
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Legume
12.01.2024 18:49registriert Februar 2014
ja genau die autoindustrie bellt um hilfe, was ist mit uns kleinen. wir haben 50t material auf einem der schiffe, das vebaut werden sollte. wann wird diese welt wieder mal normal?
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