Wirtschaft
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Wegen illegaler Steuerdeals: Apple muss bis zu 13 Milliarden Euro nachzahlen

Die jahrelangen Ermittlungen der EU-Kommission zu Steuervergünstigungen von Apple in Irland enden mit einem Knall. Die Entscheidung der Kommission wird jetzt wohl jahrelang die Gerichte beschäftigen.

30.08.16, 11:52 30.08.16, 15:29
A police officer is silhouetted against the Apple logo in Grand Central Terminal in the Manhattan borough of New York January 13, 2015.      REUTERS/Carlo Allegri/File Photo

Bittere Pille für den iPhone-Hersteller: In Irland werden bis zu 13 Milliarden Euro Steuernachzahlungen fällig. Bild: © Carlo Allegri / Reuters/REUTERS



Apple droht nach einer Entscheidung der EU-Wettbewerbshüter eine Steuernachzahlung von mehr als 13 Milliarden Euro. Der iPhone-Konzern habe in Irland unerlaubte Steuervergünstigungen in dieser Höhe erhalten, entschied die EU-Kommission.

Irland müsse die rechtswidrige Beihilfe für die Jahre 2003 bis 2014 nun plus Zinsen von Apple zurückfordern.

«Die Kommission gelangte bei ihrer Prüfung zu dem Schluss, dass Irland Apple unzulässige Steuervergünstigungen gewährt hat, aufgrund derer Apple über viele Jahre erheblich weniger Steuern zahlen musste als andere Unternehmen.»

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager

Apple und Irland wollen sich gegen die Entscheidung wehren.

Klare Botschaft

Die Entscheidung solle eine klare Botschaft senden, dass Staaten einzelne Unternehmen nicht bevorzugen dürften. Nach den EU-Beihilfevorschriften sind solche Steuervorteile unzulässig.

Die Brüsseler Behörde hatte seit 2014 die Steuerdeals Irlands mit dem US-Unternehmen genau unter die Lupe genommen.

So berichtet Reuters

Video: watson.ch

Die Kommission argumentiert, als Folge der Vereinbarungen in Irland habe der Konzern auf die Gewinne der Handelstochter Apple Sales International einen effektiven Körperschaftsteuersatz gezahlt, der von einem Prozent im Jahr 2003 auf 0,005 Prozent im Jahr 2014 gesunken sei. Apple Sales International ist der offizielle Verkäufer aus Asien eingeführter Apple-Geräte in Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Indien.

Bei den Steuerdeals sei für zwei Tochterfirmen in Irland eine Methode zur Berechnung der steuerpflichtigen Gewinne gebilligt worden, «die nicht der wirtschaftlichen Realität entsprach».

Nahezu die gesamten im Verkaufsbereich erwirtschafteten Gewinne seien intern einem «Verwaltungssitz» zugewiesen worden. Die Prüfung der Kommission habe jedoch ergeben, dass diese «Verwaltungssitze» nur auf dem Papier bestanden hätten.

watson-Kommentar zum Thema

Apple zuversichtlich

Apple will sich gegen den gigantischen Steuerbescheid wehren. «Wir werden in Berufung gehen und sind zuversichtlich, dass die Entscheidung gekippt wird», kündigte der Konzern an. Die EU-Kommission setze sich über Irlands Steuergesetze und das internationale Steuersystem hinweg, kritisierte Apple. Das Brüsseler Vorgehen werde Investments und der Schaffung von Jobs in Europa tiefgreifend schaden.

Auf seiner Website nimmt Apple Stellung

«Brief an unsere Kunden». screenshot: apple.com

Apple lässt bereits seit Jahrzehnten einen erheblichen Teil des weltweiten Geschäfts über Tochterunternehmen in Irland laufen. Unter anderem ist die interne Verteilung so geregelt, dass irische Apple-Firmen einen Teil der Entwicklungskosten übernehmen. Dafür bekommen sie Rechte an geistigem Eigentum übertragen und entsprechend wird dorthin auch ein Teil der Gewinne abgeführt. Die Struktur mit Töchtern in Irland gibt es schon seit 1980.

Irische Regierung wehrt sich

Auch die irische Regierung widersprach dem Vorwurf. «Irland hat Apple keine Steuervorteile gewährt», hiess es in einer Stellungnahme am Dienstag. Sämtliche fällige Steuern seien bezahlt worden und es seien keine unerlaubten staatlichen Beihilfen gewährt worden.

Der Bescheid der Brüsseler Behörde solle nun im Detail geprüft werden, um einen gerichtlichen Einspruch vorzubereiten. «Es ist nicht angebracht, dass EU-Beihilfevorschriften in dieser beispiellosen Art und Weise genutzt werden», kritisierten die Iren. Steuern seien Sache der einzelnen EU-Staaten.

Bisherige Expertenschätzungen bezifferten mögliche Steuernachzahlungen in Höhe von einigen hundert Millionen bis hin zu 19 Milliarden Dollar, die die Bank JP Morgan als möglichen Höchstwert errechnete.

Milliarden Reserven

Apple sitzt auf Geldreserven von aktuell gut 230 Milliarden Dollar. Über 90 Prozent davon lagern ausserhalb der USA, zu grossen Teilen auch in Irland. Anleger nahmen die Entscheidung gelassen auf: Die Apple-Aktie gab vorbörslich lediglich um 1,8 Prozent nach.

FILE - In this June 2, 2014, file photo, Apple CEO Tim Cook speaks at the Apple Worldwide Developers Conference event in San Francisco. Cook says that so-called

Apple-Chef Tim Cook ist dank Apple-Aktien, die ihm als Bonus zugeteilt wurden, steinreich. Bild: Jeff Chiu/AP/KEYSTONE

Die EU-Kommission ermittelte nur gegen Irland, aber letztlich wird Apple zur Kasse gebeten, um den für eine illegale Beihilfe erklärten Betrag zurückzuzahlen.

Vestager betonte zugleich, dass einzelne EU-Regierungen nach Analyse der Kommissionsentscheidung ebenfalls Nachzahlungen von Apple fordern könnten, wenn sie der Meinung seien, dass in ihren Ländern zu wenig Steuern gezahlt worden seien. Solche Zahlungen würden dann den in Irland fehlenden Betrag reduzieren. Es handle sich nicht um Strafen, sondern nur um eine reine Nachzahlung.

Neue Rekordsumme

Der bisher höchste Betrag in solchen Untersuchungen wurde vom französischen Energiekonzern EDF zurückgefordert, der 2015 angewiesen wurde, rund 1,4 Milliarden Euro an Frankreich zu zahlen. Die ursprüngliche Entscheidung über einen Betrag von 889 Millionen Euro hatte die Kommission noch 2003 getroffen, nach ging der Fall durch Gerichtsinstanzen und es sammelten sich rund 490 Millionen Euro Zinsen an. Das zeigt auch, wie lange es dauern kann, bis schliesslich Geld fliesst.

(dsc/ws/sda/dpa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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18
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Tom 30.08.2016 16:18
    Highlight Die Firmen kann man jetzt nicht rückwirkend melken. Apple könnte das wohl locker bezahlen aber was ist mit anderen Firmen? Die meisten würden wohl sofort kaputt gehen.
    1 9 Melden
  • Firefly 30.08.2016 15:02
    Highlight Zeit für ein internationales Steuerrecht, mit dem Verbot von Offshore-Companies und Tiefsteuerinseln.
    16 1 Melden
  • Charlie Brown 30.08.2016 12:31
    Highlight Man kann die Steuervorteile gut oder schlecht finden. In Sachen Rechtssicherheit bezüglich rechtskräftig veranlagten Steuern ist die Sache aber bedenklich.
    17 18 Melden
    • Electric Elephant 30.08.2016 12:59
      Highlight Rechtssicherheit für zwar legale aber unmoralische Steueroptimierer? Nö! Irgendwie kommt das Thema Rechtssicherheit immer nur auf, wenn die Privatwirtschaft betroffen ist? Siehe USR2... Das Volk belügen, denn Entscheid aber beibehalten, wegen Rechtssicherheit für Firmen... Ich hoffe das war nur der Anfang und nach Apple kommen auch die anderen dran (Alphabet, MS, etc.) ...
      22 3 Melden
    • Charlie Brown 30.08.2016 13:08
      Highlight @Elephant: Rechtssicherheit für legale Tätigkeiten: Nö.

      Willkommen in der Willkür.
      5 15 Melden
    • Electric Elephant 30.08.2016 13:19
      Highlight Naja, man kann es auch anders sehen... Apple befand sich mit dem Deal schon immer im Graubereich zum legalen. Das wussten die auch... Man kann genauso gut argumentieren, es ist Willkür, wenn jede Firma, welche in der EU Gewinn erzielt, dafür Steuern zahlt, ausser ein paar Großkonzerne...
      18 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lowend 30.08.2016 12:20
    Highlight Apple zahlt dass doch aus der Portokasse, aber nun wird es interessant, wie die Rechten und Ultrarechten dem Volk ihre USTR 3 verkaufen wollen, wenn sogar die EU damit anfängt, angemessene Steuern von den Konzernen zu fordern.
    35 1 Melden
    • TheMan 30.08.2016 14:24
      Highlight Ich finde es wieder lustig, dass die SVP daran schuld ist. Warte, der Bundesrat Merz wurde durch die Linken Bundesrat. Und Maurer wurde Chef des EFD. Weil die Linken keinen Mut hatten. Da sie wussten, finanziell würde es mit Ihnen erst recht bachab gehen. Darum liessen sie die Finger davon. Komischerweise aber haben wir durch die FDP und jetzt SVP ein Plus in den Finanzen beim Bund.
      2 15 Melden
    • Lowend 30.08.2016 14:39
      Highlight Können Sie mir bitte erklären, was Sie mit ihren Worten ausdrücken möchten?
      Ich kann ihren Gedankensprüngen nicht folgen und vermutlich geht dass nicht nur mir so.
      10 3 Melden
    • TheMan 30.08.2016 17:39
      Highlight Lowend das ist ganz einfach. Wen Partei ein Schlechtes Gesetz macht, könnte eine andere Partei eine Gegeninitiative machen. Sprich es kommt vors Volk. Das Volk hat das letzte Wort. So wen die Gegnerpartei keine Gegeninitiative macht, ist diese Partei Mitschuldig, das dieses Gesetz zustande kommt. Wen das Volk die Initiative Bodigt, somit hat das Volk Mitschuld. Somit hat die SVP nicht die gesamte Schuld, nur etwa 50%. Da noch Zusätzlich, die Leute, die in Bern sitzen, vom Volk gewählt wurden. Liegt s die Hauptschuld, eigentlich beim Volk. Dies geht gerne immer Vergessen.
      1 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Typu 30.08.2016 11:59
    Highlight Wird wohl angefochten und am schluss ists noch 1 mia.
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