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IMAGE DISTRIBUTED FOR INVISION FOR CHESS CLUB AND SCHOLASTICS CENTER OF ST. LOUIS - World chess legend Garry Kasparov makes a move during a series of rapid and blitz exhibition games called Ultimate Moves held following the 2015 Sinquefield Cup at the Chess Club and Scholastics Center of St. Louis on September 3, 2015, in St. Louis. (Photo by Erin Stubblefield/Invision for Chess Club and Scholastics Center of St. Louis/AP Images)

Vom Schachweltmeister zum Kämpfer für die politische Freiheit: Garri Kasparow.
Bild: Invision for Chess Club and Scholastics Center of St. Louis/Invision

Garri Kasparow: «Putins Russland ist heute offenkundig die grösste Bedrohung für die Welt»

Der ehemalige Schachweltmeister warnt vom neuen Schmusekurs des Westens gegenüber dem russischen Präsidenten und stellt fest: «Der Feind deines Feindes kann auch dein Feind sein.»



Nach der Annektion der Krim wurde Russland aus der G-8, dem Club der mächtigsten Länder der Welt, verbannt. Bei den G-20-Treffen musste Wladimir Putin am Katzentisch Platz nehmen, geächtet und gemieden von Obama, Merkel, Hollande & Co.

Der Terroranschlag in Paris hat dies geändert. Neuerdings dürfen rechtskonservative Politiker ihre Bewunderung für den russischen Macho-Präsidenten wieder offen zur Schau tragen, und am letzten Treffen der G-20 im türkischen Badeort Antalya kam es zu einem medienwirksamen Treffen zwischen Putin und Obama.

President Obama chats with Russia's President Vladimir Putin prior to a working session at the Group of 20 leaders summit in the Mediterranean resort city of Antalya, Turkey, in this November 16, 2015 file photo. With signs growing of a thaw between Moscow and Western capitals after the Paris attacks, some of Russia's neighbours fear that European resolve to keep up economic sanctions and military pressure over the Ukraine crisis may be waning. Picture taken November 16, 2015. REUTERS/Kayhan Ozer/Pool/Files

Plaudern wieder zusammen: Wladimir Putin und Barack Obama am G-20-Gipfel in Antalya.
Bild: POOL/REUTERS

Muss der Westen mit Putin gegen den «IS» vorgehen?

Russland und der Westen kommen sich wieder näher. Schuld daran sind die Terroranschläge des sogenannten «Islamischen Staates»: Am 31. Oktober starben 224 Menschen – die meisten davon russische Touristen –, als ein Flugzeug der Metrojet über der Wüste von Sinai explodierte. In Paris wurden mindestens 130 Menschen Opfer eines Anschlages fundamentalistischer Terroristen.

Gilt nun also die alte Stammeslosung: Der Feind deines Feindes ist dein Freund? Muss der Westen mit Putin gemeinsame Sache machen, um den sogenannten «Islamischen Staat» in die Knie zu zwingen?

Das wäre ein fataler Fehler, warnt Garri Kasparow. Die Schachlegende hat kürzlich in einem Kommentar im «Wall Street Journal» geschrieben: «Sollten sich die USA und der Westen mit dem Iran, Putins Russland und dem Assad-Regime verbünden, wäre dies moralisch abstossend, strategisch eine Katastrophe und zudem vollkommen unnötig.»

Die NATO braucht Putin nicht

Kasparow verweist darauf, dass Putin einmal mehr mit zwei Zungen spricht: Einerseits habe er grosses Interesse daran, dass noch mehr Flüchtlinge aus Syrien nach Europa kommen und so der Konflikt in der Ukraine aus den Schlagzeilen verdrängt wird. Andererseits hoffe er, dass der Westen im Zeichen der neuen Partnerschaft die Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufheben wird.

Ein Zweckbündnis mit Putin wird gelegentlich verglichen mit dem Pakt, den die westlichen Alliierten mit Stalin eingegangen sind, um Hitler zu besiegen. Unsinn, sagt Kasparow: 

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Soeben erschienen: Kasparows Kampfschrift gegen Putin.

«Erstens braucht die NATO weder die Hilfe von Putin noch vom Iran, um den ‹IS› zu besiegen; die NATO braucht einzig den Willen dazu. Zweitens wäre eine solche Allianz kontraproduktiv. Sollten die USA mit Assad und den iranischen Schiiten zusammenarbeiten, dann wäre das ein Signal an die Sunniten, dass der ‹IS› ihre einzige Hoffnung auf Schutz ist.»

Garri Kasparow

Putin, der «Pate»

Garri Kasparow stellt in diesen Tagen sein Buch «Warum wir Putin stoppen müssen» vor. Darin beschreibt er Putins Aufstieg zum Präsidenten und legt eine Analyse der Verhältnisse in Russland vor. Er hat Putin anfänglich unterstützt und in ihm einen Hoffnungsträger für ein demokratisches Russland gesehen. Der ehemalige Schachweltmeister ist zudem kein Linker, sondern ein überzeugter Neoliberaler und glühender Reagan-Fan.  

Um Putin zu verstehen, empfiehlt Kasparow nicht die Lektüre von Politologen und Ökonomen, sondern Mario Puzos Roman «Der Pate»:

«Ein Puzo-Fan gewinnt ein zutreffendes Bild des Putin-Systems: eine strikte Hierarchie, Erpressung, Einschüchterung, das nach aussen projizierte Image des harten Burschen, die Unterdrückung der Opposition, die Beseitigung von Verrätern, der Kodex von Geheimhaltung und Loyalität und vor allem der Auftrag, für einen stetigen Einnahmestrom zu sorgen. Mit anderen Worten: eine Mafia.»

Garri Kasparow

KGB, Agenten und Mafiosi

Karen Dawisha, Professorin für Politologie an der Miami University in Oxford (Ohio) kommt in ihrem Buch «Putin’s Kleptocracy» zum gleichen Schluss. Putins Aufstieg sei keinesfalls – wie oft kolportiert wird – ein Zufall im wilden Osten der russischen Neunzigerjahre gewesen. Vielmehr sei er das Resultat einer gezielten Zusammenarbeit gewesen, die schon in St.Petersburg begonnen hatte:

«Es war eine Zeit, in der eine Gruppe von ehemaligen KGB-Agenten, Mafiosi und die wirtschaftliche Elite sich verbündet hatten, ihr Geld, ihre Verbindungen und ihre Position zusammenlegten, und so die Basis für Putins spektakulären Erfolg beim Aufbau eines autoritären und räuberischen Regimes legten.»

Karen Dawisha

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Putins Datscha am Schwarzen Meer: ein Palast.

Um an die Macht zu gelangen, musste Putin zunächst einen grausamen Krieg in Tschetschenien anzetteln. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Bombenanschläge auf Moskauer Wohnhäuser im Herbst 1999 nicht von Terroristen, sondern vom russischen Geheimdienst FSB verübt wurden, um so den Krieg zu rechtfertigen.

Putin hatte wirtschaftlich Glück

Das mag Spekulation sein. Tatsache ist, dass Putin – kaum an der Macht – sofort begann, die Medien gleichzuschalten und diejenigen Oligarchen zu entmachten, die sich ihm nicht unterwarfen.

Wirtschaftlich hatte Putin vor allem eines: unglaubliches Glück. In seiner Amtszeit stieg der Ölpreis unaufhörlich. Von diesem Segen profitierte allerdings vor allem eine schmale Elite. Russland verwandelte sich nicht in eine dynamische liberale Wirtschaft, wie ursprünglich erhofft, sondern in eine üble Art von Staatsfeudalismus.

«Anders als ihre sowjetischen Vorgänger geben sich Putin und seine Gefolgsleute nicht mit einer unscheinbaren ZIL-Limousine und einer Datscha am Schwarzen Meer zufrieden. Sie wollen herrschen wie Josef Stalin, dabei jedoch leben wie Roman Abramowitsch.»

Garri Kasparow

Westen muss gegen den «IS» und Putin vorgehen

Putin selbst soll inzwischen unendlich reich sein. Sein Vermögen wird von unterschiedlichen Quellen auf zwischen 70 und 2000 Milliarden Dollar geschätzt. Auch Putin hat eine Datscha am Schwarzen Meer. Es handelt sich um einen riesigen Palast.

Daren Dawisha und Garri Kasparow kommen übereinstimmend zum Schluss, dass Putins einziges Ziel darin besteht, seine Macht zu erhalten. Es kann daher nicht darum gehen, mit Putin gegen den sogenannten «Islamischen Staat» zu kämpfen.

Kasparow fordert, dass der Westen gleichzeitig gegen beide vorzugehen hat:

«Die Demokratien der Welt müssen sich zusammenschliessen und die Lehren aus ihrem Sieg im Kalten Krieg ziehen, bevor wir vollständig in einen weiteren schlittern.» (...) «Putins Russland ist heute offenkundig die grösste Bedrohung für die Welt.»

Umfrage

Was meinst du? Sollte der Westen mit oder ohne Putin gegen den sogenannten «Islamischen Staat» vorgehen?

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1,137 Votes zu: Was meinst du? Sollte der Westen mit oder ohne Putin gegen den sogenannten «Islamischen Staat» vorgehen?

  • 51%Garri Kasparow hat völlig recht: Der Westen braucht Putin nicht.
  • 23%Hört auf, Putin und Russland schlecht zu machen! Gegen den Terror sollten wir die Kräfte bündeln.
  • 18%Das Gerede von «Westen» gegen «Osten» ist eh längst überholt.
  • 8%Keine Ahnung.

Hier steht, was du alles rund um Putin wissen musst:

Wie Putin den Nationalismus entdeckte – und was das für den Westen bedeutet

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    Alle Leser-Kommentare
  • Richard Meier (1) 16.04.2016 23:33
    Highlight Highlight Man muss Putin nicht lieben. Er ist ein Dikdator unter vielen. Die grösste Belastung aber für den Weltfrieden ist die USA mit ihrer Kriegstreiberei (siehe General Clarks
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    ), eine Rüstungsindistrie die jährlich 500 Milliarden Umsatz macht und ihre Absaciht alle Erdölfelder unter ihre Kontrolle zu bringen um die Welt zu beherrschen.
  • Lusitania 01.03.2016 23:33
    Highlight Highlight Unqualifizierte Meinung von diesem Schachexperten. Putin ist kein Engel, sondern Politiker. Kapitalismus ist an seinem Limit gelangt. Russland ist vorbildlich in verschiedene Kategorien.
  • Dä Brändon 23.11.2015 21:54
    Highlight Highlight Ich habe das Glück das ich nicht nur aus deutschsprachigen Medien meine Informationen bekomme. Kasparov ist ein Sympathisant der US Republikaner und hat soviel Ahnung von Politik wie ich von Schach.
  • Kookaburra 23.11.2015 18:11
    Highlight Highlight Diesen Artikel muss man sehr genau lesen!

    Es werden verschiedene Sachen weiter-kolportiert, was bedeutet, dass Gerüchte verbreitet (und (zwar kaum merkbar) verarbeitet) werden.

    Meine Meinung(1/3):

    Putins Russland ist heute offenkundig NICHT die grösste Bedrohung für die Welt. Wenn der Westen aber so weitermacht, kann es das in fünf Jahren sein.

    Die Anschuldigungen (Ausser dem Machterhalt.) halten einer Überprüfung nicht stand.

    Als Aluhut möchte ich auf die jüdische Abstammung von Kasparow hinweisen. (Zusätzlich zum Reagan-Neoliberalismus und Rechtskonservativismus.)
    • Kookaburra 23.11.2015 18:48
      Highlight Highlight (2/3)
      Und Putin ist eben nicht Neoliberal. Ich glaube im Gegenteil, er schützt sein Land besser gegen die Kleptogarchie, als der (auch unser) Westen. Ich glaube sogar, Putins Russland ist viel weiter auf der Suche nach der Balance zwischen Kapitalismus und Sozialismus.

      Putins “Propaganda“ ist tatsächlich sehr schön verpackt. (RT-Deutsch:) aber auch sehr gebildet. Sie ist tatsächlich viel ehrlicher als die “Westliche“, welche wir hier erleben.
    • Kookaburra 23.11.2015 19:07
      Highlight Highlight (3/3)
      Schlussfolgerung:

      Ich mag es nicht, wenn man Putin ans Bein pinkelt:)

      Und:
      Die Nato braucht Putin nicht. Die Nato ist Amerika.
      Der Nahe-Westen (Europa) könnte aber durchaus einen starken Partner brauchen, der uns den Rücken freihält. Man sollte mal zuhören, was Putin sagt... Ich kann nur wenig Falsches an seiner Haltung erkennen. (Homophobie und andere Minderheitenprobleme.)
      Ich glaube, er wäre viel lieber Freund mit Europa als mit dem Iran und Assad. Ich glaube, die US-A-Bomben sollten aus Europa verschwinden. Ich glaube Russland wäre ein besserer Freund als die USA.
  • MaskedGaijin 23.11.2015 16:49
    Highlight Highlight Das ist halt Geopolitik. In Syrien sehe ich leider keine Alternative als mit Russland, Assad und dem Iran zu arbeiten.
  • NikolaiZH 23.11.2015 16:40
    Highlight Highlight Mich überascht, dass Kasparow stets als eine Meinungsgrösse angesehen wird. Ferner kann man nei allem Respekt zu seinen Schachverdiensten seine auf dem laienpsychologischen Wissen basierende Persönlichkeitsanalyse von Putin und die daraus resultierende Schlussfolgerungen empfehlender Art kaum ernst nehmen - er hatte weder "Verwaltungserfahrung" in Russland noch agierte er in gleicher gesellschaftlichen Gruppe, wie Putins Machtelite. Summa summarum ist er fachlich (explizit auf das Thema Politik bezogen) eigentlich ein absolutes Noname.
    • Luca Brasi 23.11.2015 17:47
      Highlight Highlight Ich denke auch, dass es bessere Autoren zum Thema Russland gibt. Kasparov lebt nur von seiner Genialität als Schachspieler. Er hat auch schon behauptet Putin sei schuld am Aufkommen des IS und seine erwähnte Bewunderung für Reagan und auch Finanzierung von sogenannten "Chronlogiekritikern", die teils das gesamte Mittelalter als Fälschung sehen, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Nebenbei bemerkt ist der Vergleich mit Mario Puzo's "Der Pate" schlecht gewählt, denn Don Corleone ist ein ehrenwerter Geschäftsmann, der einfach einen Sinn für die Familie hat. Direkt sympathisch. ;)
  • CreatorsWolf 23.11.2015 16:30
    Highlight Highlight Und welche Qualifikationen hat dieser Schachspieler nochmals, um Weltpolitisches geschehen zu kommentieren?
    • ferminrdt 23.11.2015 18:03
      Highlight Highlight Welche Qualifikationen haben Sie nochmals um diesen Schachspieler zu kommentieren?
    • The Destiny // Team Telegram 23.11.2015 18:56
      Highlight Highlight @ferminrdt, eine e-mailadresse, denn das ist die Bedingung um ein acc. hier zu erstellen. Mehr Qualifikationen braucht es nicht.
    • CreatorsWolf 23.11.2015 20:51
      Highlight Highlight Dies war keine Kommentierung sondern eine Frage. Ausserdem ist es unhöflich eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten ;)
  • fuegy 23.11.2015 15:07
    Highlight Highlight Russland hat als einziges "zivilisiertes" Land Homosexualität beinahe verboten und Homophobie wird von der Regierung gut geheissen und Unterstützt!
    Hier eine Doku von der BBC http://bbc.in/1H9UEcR
    spricht für sich!
    Ja, die U.S.A ist in Wirklichkeit nicht viel besser trotz teilweise Homo Ehe aber immerhin darf frei über Missstände berichtet werden, Versuch der freien Meinungsäusserung in Russland, nicht zu empfehlen!
    • J.D. Berner 23.11.2015 15:18
      Highlight Highlight Das ist EIN Punkt der absolut gar nichts mit dem Rest zu tun hat. Schau dir doch mal einige Videos von Interviews mit Putin an, er ist ein sehr intelligenter Mann, wenn er das auch so meint was er sagt. Verstehe das Bashing gegen ihn gerade überhaupt nicht.
    • fuegy 23.11.2015 15:40
      Highlight Highlight Stimmt, mit dem Artikel direkt hat es nicht viel zu tun! Aber Bashing gegen Putin ist es nicht, den es sind leider Fakten. Er ist der einzige Präsident eines "freien, demokratischen" Landes, welcher so lange an der Macht bleibt, wie sonst nur Diktatoren. In den U.S.A wird nicht der schlauste oder beste Präsident aber immerhin nicht ein ehemaliger CIA Mitarbeiter, Putin kommt vom KGB. Dass dies einen Einfluss auf seine Politik hat steht ausser Frage. Ob ein ehemaliger Spion ehrlich ist und die Wahrheit sagt, dass musst Du für dich schon selbst entscheiden.
    • unejamardiani 23.11.2015 15:43
      Highlight Highlight Zitat: "... wenn er das auch so meint was er sagt".
      Ich empfehle dir diese Doku zum Thema Jugosloawienkrieg (siehe Youtube Link).
      Milosevic hat auch öfter mal Sachen gesagt und diese nicht so gemeint. Ich will ja nicht sagen Putin ist auch so aber ich sehe immerwieder Parallelen zwischen ihm und solchen Leuten. Siehe sein verhalten in der Ostukraine. Ich finde (zu)viele Leute sind bereits der russischen Propaganda verfallen.
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