Mullah-Raketen reichen bis in die Schweiz – 5 wichtige Fragen zur Eskalation am Wochenende
Donald Trump hat gedroht, sämtliche iranische Kraftwerke zu bombardieren, um die Öffnung der von Teheran blockierten Meerenge von Hormus zu erzwingen. Der Krieg steht vor einer weiteren Eskalation.
Wie reagiert das Mullah-Regime auf Trumps Drohung?
Sollte es auch nur zu dem «geringsten Angriff» auf die iranische Infrastruktur kommen, werde «die gesamte Region im Dunkeln liegen», heisst es in einer Erklärung der iranischen Revolutionsgarden. Sie veröffentlichten eine Grafik, auf der «Ziele» auf der gesamten arabischen Halbinsel markiert wurden: Darunter sind das Atomkraftwerk Barakah in Abu Dhabi, Gas-Kraftwerke und Meerwasserentsalzungsanlagen in Saudi-Arabien und Katar sowie ein riesiger Solar-Park in den Emiraten. Ausserdem drohen die Mullahs mit der vollständigen Sperrung der Strasse von Hormus.
Werden die Iraner ernst machen?
Es ist davon auszugehen, dass ihren Drohungen tatsächlich Taten folgen werden. Das von den Revolutionsgarden dominierte Regime in Teheran, analysiert der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz, sei «kompromissloser und risikofreudiger» und betrachte «die Fortsetzung der Konfrontation – und nicht deren rasche Beilegung – als einen strategischen Erfolg».
Das Regime setzt darauf, dass die Leidensfähigkeit der Iraner grösser ist als die des Gegners. Zudem lässt sich der Strom im Iran nicht mit einigen Bombenangriffen einfach abschalten: Fast jede iranische Stadt hat ihr eigenes Kraftwerk. Es gibt mehr als 1500 Gaskraftwerke im Land. Das grösste Kraftwerk, mit dem Trump anfangen wollte, wäre das Atomkraftwerk in der Stadt Buscher am Persischen Golf. Es wird mit von Russland geliefertem Uran betrieben und gilt nicht als Teil des iranischen Atomprogramms. Spannungen mit Moskau wären daher vermutlich vorprogrammiert.
Nach Diego-Garcia-Angriff: Ist Europa im Fadenkreuz der Mullahs?
Rein technisch könnte eine iranische Rakete sogar die Schweiz erreichen, das haben die Angriffe auf die Insel Diego Garcia gezeigt. Ein Einsatz gegen Ziele in Mitteleuropa gilt aber als höchst unwahrscheinlich. Es gibt im Moment keinen Grund, warum Teheran Europa angreifen sollte. Die Mullahs sind mit Lenkwaffenattacken gegen ihre Feinde in der Region mehr als «ausgelastet». Es sind nicht die Raketen Teherans, die Mitteleuropa bedrohen, sondern die verheerenden wirtschaftlichen Folgen eines Krieges, der gegenwärtig völlig aus den Fugen gerät.
Die Rohölpreise steigen unaufhaltsam. Dies ist bereits an den Tankstellen Europas spürbar. In Spanien etwa stiegen die Spritpreise um über 30 Prozent. Die Gaspreise haben sich in Europa auf 50 Euro je Megawattstunde verdoppelt. Überdies stecken wegen der Hormus-Blockade fast eine Million Tonnen Düngemittelfracht fest. Wenn die Bauern nicht mehr ausreichend düngen können, könnten schlechte Ernten die Folgen sein, Lebensmittel werden teurer werden, was die Inflation befeuert.
Schon jetzt stark betroffen sind Tourismus und Luftfahrt, da mit Dubai und Doha zwei wichtige Flugverkehrskreuze weitgehend ausfallen und viele Lufträume in der Region gesperrt sind. Je länger der Krieg dauert, desto grösser wird der wirtschaftliche Schaden auch für uns.
Iran-Behauptung: Ist die Strasse von Hormus wirklich geschlossen?
Laut dem Schifffahrtsnachrichtendienst Lloyds of List ist Iran zu einer «selektiven Blockade» der Meerenge übergangen. Ein neues Überprüfungs- und Registrierungssystem für Schiffe werde gegenwärtig von Teheran entwickelt. Zudem würden die Iraner direkte Gespräche mit Ländern wie Indien, China, Malaysia sowie auch Japan über eine sichere Passage der iranischen Hoheitsgewässer in der Meerenge führen.
Einige Reedereien, berichtet Lloyds weiter, hätten Schutzgelder von rund zwei Millionen Dollar für die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus bezahlt. Mindestens neun Schiffe hätten am Wochenende den vom Iran geschaffenen «sicheren Korridor» bereits passiert. Solange der Konflikt andauere, könnten sich manche Unternehmer und Schiffe auf einen Deal mit den Iranern einlassen, glaubt Lloyds.
Was passiert nach dem Krieg?
Trotz all ihrer martialischen Drohungen streben auch die Iraner einen Waffenstillstand an. Dieser müsse aber mit «absoluten Sicherheitsgarantien» verknüpft sein. Zudem würden nach einem Kriegsende Reparationszahlungen, für die entstandenen Kriegsschäden verlangt werden, erklärte unlängst das Teheraner Aussenministerium.
Schifffahrtskreise in Dubai gehen davon aus, dass Iran auch nach Kriegsende eine «Gebühr» beziehungsweise Schutzgeld für die Passage durch die Meerenge von Hormus erheben könnte; dies zumindest so lange, bis eine abschliessende Verhandlungslösung erreicht und die Frage von Reparationszahlungen geklärt worden sei.
Ob sich Donald Trump darauf einlässt, bleibt offen – es scheint angesichts der jüngsten Äusserungen fraglich. Der Iran-Experte Danny Citrinowicz sagt aber:
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(aargauerzeitung.ch)
