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«Die allerwenigsten» Texte waren echt – Relotius spricht erstmals über seinen Betrug



epa07241842 German journalist Claas Relotius holds his award trophy of the Reemtsma Liberty Award, a German journalist award, in Berlin, Germany, 22 March 2017 (issued 20 December 2018). German weekly magazine 'Der Spiegel' announced on 19 December 2018 that their reporter Claas Relotius had falsified a number of stories in the past years. This was uncovered by his colleague Juan Moreno after he worked together with Relotius on the story 'Jaegers Grenze' (Jaeger's border'). EPA/GOLEJEWSKI MANDATORY CREDIT 'EVENTPRESS/GOLEJEWSKI/EPA-EFE'

Claas Relotius Bild: EPA EVENTPRESS

Der frühere «Spiegel»-Reporter Claas Relotius hat zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Betrugsskandals bei dem deutschen Nachrichtenmagazin erstmals ausführlich in einem Interview über seine gefälschten Texte gesprochen.

Der Zeitschrift «Reportagen» sagte er auf die Frage, wie viele seiner insgesamt 120 verfassten Texte in seiner Journalistenzeit korrekt waren: «Nach allem, was ich heute über mich weiss, wahrscheinlich die allerwenigsten.» Er habe «in der unverrückbaren Überzeugung geschrieben, es würde bei der Erzählform Reportage keinen Unterschied machen, ob alles 1:1 der Realität entspricht oder nicht».

«Reportagen» veröffentlichte am Dienstag auf seiner Webseite das ungewöhnlich lange Interview mit mehr als 90 Fragen an den früheren «Spiegel»-Reporter, der Ende 2018 die Medienbranche schwer erschüttert hatte. Relotius hatte für den «Spiegel» Reportagen geschrieben, die fehlerhaft waren und die zum Teil erfundene Szenen, Gespräche und Ereignisse enthielten. Er war als Journalist mit Preisen überhäuft worden und genoss hohes Ansehen.

epa07240335 An illustrative picture shows the article 'Jaegers Grenze' (Hunters' Border) by Juan Moreno and Claas Relotius in the German magazine 'Der Spiegel' (issue No. 47 from 17 November 2018) in Berlin, Germany, 19 December 2017. German weekly magazine 'Der Spiegel' announced on 19 December 2018 that their writer Claas Relotius faked a number of stories in the past years. This was uncovered by his colleague Juan Moreno after he worked together with Relotius on the story 'Jaegers Grenze'.  EPA/ALEXANDER BECHER

Bild: EPA/EPA

Der «Spiegel» machte den Betrugsfall selbst öffentlich und arbeitete diesen akribisch auf. Relotius, der damals für das Gesellschaftsressort tätig war, hatte die Fehler laut «Spiegel» eingeräumt. Seine Karriere bei dem Nachrichtenmagazin war vorbei. Es folgten weitere personelle Konsequenzen im Haus, das Magazin überarbeitete zudem seine redaktionellen Standards.

Viele andere deutsche Redaktionen steuerten bei ihren Quellenchecks nach. Für das Magazin in der Schweiz, das das Interview nun veröffentlichte, hatte Relotius in seiner Journalistenzeit ebenfalls mehrere Texte geschrieben.

Relotius drückte an einer anderen Stelle sein Bedauern aus: «Ich habe offensichtlich sehr viel Verantwortungsgefühl ausgeschaltet, am meisten gegenüber Kollegen, aber auch gegenüber realen Menschen, über die ich geschrieben habe. Ich hatte beim Schreiben nie niederträchtige Absichten, und ich wollte auch niemanden verletzen, indem ich etwas Falsches schreibe. Dass ich das getan habe, bereue ich am meisten.» (aeg/sda/dpa)

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