Wirtschaft
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Bayer mit Aussicht auf Beilegung der Glyphosat-Klagen



ARCHIV - Ein Landwirt sprüht am 30.05.2016 mit einem Traktor und Ausleger selektive Herbizide zur Vernichtung von Unkraut auf ein Feld mit Zuckerrüben bei Münstedt im Landkreis Peine (Niedersachsen). Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist auch in Rheinland-Pfalz ein Zankapfel. (zu dpa «Bauern werben für maßvollen Glyphosat-Einsatz - Höfken sieht Risiken» vom 25.10.2017) (KEYSTONE/DPA/Julian Stratenschulte)

Umstritten: Glyphosat. Bild: DPA

Für Bayer ist eine Beilegung zehntausender US-Klagen um Krebsrisiken von Unkrautvernichtern mit Glyphosat in Sicht. Zugleich muss das Unternehmen nach der Entscheidung eines US-Bundesrichters nicht auf mögliche Krebsrisiken des Mittels Roundup hinweisen.

Wie das «Handelsblatt» berichtete, ist die Einigung mit den Klägern in einem Vergleich für eine Gesamtsumme von 8 bis 10 Milliarden US-Dollar (7.1 bis 8.9 Mrd Euro) unterschriftsreif. Sie müsse nur noch durch den Aufsichtsrat des Dax-Konzerns, schreibt die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf Kreise von Verhandlungspartnern und des Unternehmens. Ein Konzensprecher wollte den Bericht auf Nachfrage nicht kommentieren.

Seit August 2018 musste Bayer drei Niederlagen in Glyphosat-Prozessen hinnehmen mit Millionenforderungen für Schadenersatz der krebskranken Kläger. Das Unternehmen ging jeweils in Berufung. Das Bayer-Management hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, zu einer aussergerichtlichen Lösung bereit zu sein, wenn diese finanziell angemessen und das Ende der Glyphosat-Streitigkeiten sei.

Finanziell ist Bayer gerüstet für einen Vergleich. Allein der Verkauf der Tiermedizin soll Bayer 7.6 Milliarden Dollar einbringen - den Grossteil davon in bar, einen kleineren Teil in Aktien des Käufers Elanco. Bayer hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat ins Haus geholt und sah sich zuletzt mit mehr als 50 000 Klagen konfrontiert.

Der Bayer-Konzern sieht sich wegen Glyphosat immer wieder in der Kritik (Symbolbild).

Bild: sda

Ein Bundesrichter in Sacramento entschied am Montag (Ortszeit), dass der Leverkusener Konzern im US-Bundesstaat Kalifornien nicht auf mögliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Roundup hinweisen muss. Bayer und andere an der Klage beteiligte Unternehmen müssten einer entsprechenden Auflage des Bundesstaates nicht nachkommen.

Hintergrund der Forderung Kaliforniens war, dass die WHO-Krebsforschungsagentur IARC den Unkrautvernichter 2015 - im Gegensatz zu anderen Behörden - als «wahrscheinlich krebserregend» für Menschen eingestuft hatte. Bayer widerspricht dem und betont, dass die Produkte bei vorschriftsgemässer Anwendung ungefährlich seien. Richter William Shubb sah dies genauso.

Monsanto und ein Bündnis weiterer Saatguthersteller hatten bereits vor über zwei Jahren bei Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Vorschrift erwirkt. Allerdings galt diese Entscheidung bislang nur vorläufig. Jetzt stufte Richter Shubb die Anordnung Kaliforniens als illegal ein, dadurch kommen die Konzerne wohl dauerhaft um Warnlabels herum.

«Dies ist ein sehr wichtiges Urteil für Kaliforniens Landwirtschaft und die Wissenschaft, da ein Bundesgericht nach Abwägung aller Fakten beschlossen hat, dass die Beweislage keine Krebswarnungen bei glyphosatbasierten Produkten stützt», teilte Monsanto mit. Eine Stellungnahme von Kaliforniens Generalstaatsanwaltschaft, die Bayer beziehungsweise Monsanto sowie den anderen Unternehmen bei dem Rechtsstreit gegenüberstand, lag zunächst nicht vor.

Ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht, das konnte die Wissenschaft bislang nicht abschliessend klären. Der Einstufung der IARC und anderer Forscher hält Bayer zahlreiche Studien entgegen. Die US-Umweltbehörde EPA stützt den Konzern und hält bislang trotz der hitzigen Debatte um Glyphosat daran fest, dass das umstrittene Pestizid bei vorschriftsgemässem Gebrauch kein Gesundheitsrisiko für Menschen darstelle. (aeg/sda/awp/dpa)

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