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Das Flugchaos geht weiter – so sah es dieses Wochenende aus

Das Flugverkehrschaos scheint kein Ende zu finden – obschon laut Airlines und Flughäfen mit Hochdruck gegen die Missstände gearbeitet wird. Neben dem Reise-Ansturm haben viele Flughäfen obendrauf mit zusätzlichen Problemen zu kämpfen.
04.07.2022, 17:5104.07.2022, 17:59

Vielerorts beginnen diese Woche die Sommerferien. Während man sich wieder auf Corona-Massnahmen-freie Ferientage freuen darf, wird es wohl dem einen oder der anderen etwas bange beim Gedanken an die Reise. Zumindest, wenn diese über einen europäischen Flughafen führt.

Denn: Die Menschen strömen in Scharen an die Flughäfen. Vor Ort hat es aber zu wenig Personal, um den Grossandrang bewältigen zu können – und dies inmitten eines Buchungsbooms.

Abgezeichnet hat sich das bereits über die Feiertage an Ostern. Viele Airlines und Flughäfen gelobten seither Besserung und entschieden sich dazu, zahlreiche Flüge im Sommer und Herbst bereits jetzt zu annullieren.

Doch die Situation bleibt angespannt. Auch an diesem Wochenende kam es an manchen Airports erneut zu chaotischen Szenen. Kommt hinzu, dass die Flughäfen auch mit Streiks, Protesten oder tausenden von gestrandeten Gepäckstücken zu kämpfen haben.

500-Meter-Schlange und Bauernproteste in Amsterdam

Am meisten für Furore gesorgt hat bisher wohl der Flughafen Schiphol in Amsterdam. Wie dieses Wochenende zu sehen war, hat sich am chaotischen Zustand wenig geändert. Auf Twitter werden die User von Passagierinnen und Passagieren eindringlich davor gewarnt, eine Reise am Flughafen Schiphol anzutreten:

Wie am Wochenende auch der «Blick» berichtete, herrsche in Amsterdam nach wie vor «Ausnahmezustand». Die Warteschlangen seien über einen halben Kilometer lang gewesen, Helferinnen und Helfer hätten Wasser verteilt, da die Menschen so lange anstehen mussten.

Mehrere Airlines haben mittlerweile reagiert und ihre Flüge von Amsterdam zum Beispiel nach Rotterdam verlegt. Auch der Flughafen Schiphol selbst reagiert auf das Chaos und rät den Airlines, ihre Flüge zu streichen.

Als wäre das nicht schon genug des Chaos, haben niederländische Bauern für Montag einen Protest am Amsterdamer Flughafen angekündigt. Der Protest richtet sich gegen die niederländische Regierung. Sie hat drastische Massnahmen im Kampf gegen den Klimawandel getroffen, die unter anderem auch die Bäuerinnen und Bauern treffen. Es bleibt abzuwarten, ob die Proteste das Chaos noch verschlimmern werden.

Streik und Hilfe der Armee in Dublin

Am Sonntag wurden mehrere Flüge von und nach Dublin in letzter Minute komplett gestrichen. Sowohl «Aer Lingus» als auch «British Airways» haben mehrere Flüge in Dublin vorübergehend eingestellt. Die Aussetzungen erfolgen nach einem Wochenende voller Verspätungen und Annullierungen. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt im Ausfall zahlreicher Mitarbeitenden durch Corona.

In der Zwischenzeit muss sich Irland auf weitere Störungen einstellen: Für Ende dieses Monats wurden Streiks angekündigt.

Im Hinblick auf diese Probleme hat die Regierung nun reagiert: Ab diesem Mittwoch bis Mitte August werden die Verteidigungskräfte am Flughafen Dublin in Bereitschaft sein, falls es zu Engpässen beim Sicherheitspersonal kommt. Laut Medienberichten kommen die Sicherheitskräfte allerdings erst zum Einsatz, wenn über 20 Prozent des Personals ausfallen sollte.

3000 verlorene Gepäckstücke und Hilfe aus dem Ausland in Deutschland

An deutschen Flughäfen scheint indes das grösste Problem die Gepäckausgabe zu sein.

Auch in Deutschland hat nun die Bundesregierung auf die zahlreichen Berichte über Chaos an den Flughäfen reagiert. Der Arbeitsminister und die Innenministerin (beide SPD) haben vor einigen Tagen versprochen, die Flughafengesellschaften dabei zu unterstützen, kurzfristig Hilfskräfte zu organisieren.

Diese sollen auch aus dem Inland, aber primär aus dem Ausland aufgetrieben werden. «Wir sorgen auch dafür, dass es kein Lohndumping gibt und auch die Beschäftigten gut untergebracht werden», lässt sich Innenministerin Nancy Faeser zitieren.

Auch in München stapeln sich die Koffer. Wie die Lufthansa kürzlich bestätigte, lagern am Flughafen München rund 3000 Gepäckstücke, die immer noch auf ihre Besitzer warten. Der Grund: An einem Wochenende Ende Juni verpassten hier zahlreiche Passagiere ihren Anschlussflug. Sie warten seither auf ihr Gepäck, das aus Kapazitätsgründen nicht rechtzeitig umgeladen werden konnte.

Ärger über den Brexit in Heathrow, London

In Grossbritannien steht das Chaos derweil für viele in direktem Zusammenhang mit dem Ausstieg Grossbritanniens aus der EU. Sadiq Khan, Bürgermeister von London, gab bereits vor einigen Wochen dem Brexit eine Mitschuld am Flughafenchaos in England, auch der «Easyjet»-CEO stimmte dem zu.

Khan forderte die Regierung auf, die Einwanderungsbestimmungen zu lockern. So sollen die Beschäftigten von Flughäfen und Fluggesellschaften aus der EU in das Vereinigte Königreich zurückkehren. Der Grund: Viele Branchen tun sich schwer, seit dem Brexit Angestellte aus dem Ausland zu rekrutieren.

Mitarbeiter der konservativen Tory-Regierung bestritten das. So gab der Verkehrsminister stattdessen die Schuld den «Flugindustrie-Bossen», die während der Pandemie viel zu viel Personal entlassen hätten.

Passagiere berichteten unterdessen, der Anblick am Heathrow Airport gleiche «einem Katastrophenfilm». Und: «Das Personal war nirgends zu sehen, alle waren ziemlich geschockt», berichtete ein Passagier gegenüber der «BBC».

Auch der Flughafen Heathrow bat letzte Woche die Airlines um Hilfe: Sie sollen Flüge annullieren. Dies, da der Flughafen mit mehr Fluggästen rechnete, als er bewältigen konnte. Die Airlines reagierten, zahlreiche Flüge wurden gestrichen. Allerdings gab es dann Berichte, wonach die Passagiere erst am Flughafen von den Annullierungen erfuhren, wo sie allerdings «null Kundenservice» vorfanden.

Bonus: (Fast) keine Probleme beim Flughafen Zürich

Bei solchen Bildern kann man im Gegensatz richtig froh sein, wenn die Flugreise ab dem Flughafen Zürich startet. Bislang kam es kaum zu chaotischen Szenen, die hohe Flugfrequenz scheint dem Mythos der Schweizer Pünktlichkeit kaum was anzuhaben:

Trotzdem, ganz ohne Panne kam auch der Flughafen Zürich nicht durch: Am Donnerstag, 1. Juli, gab es ein technisches Problem. Während über einer Stunde fiel das System «Altea», das zur Abwicklung von Flugabfertigungen genutzt wird, aus. Das führte dazu, dass viele Reisende nicht online einchecken konnten.

(lak/anb)

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35 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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kusel
04.07.2022 20:52registriert Januar 2015
Ich war heute an der Limmat am fischen. Ein Bierchen, ein Eingeklemmtes, ein Apfel - und nichts gefangen. Gemütlich und entspannend. Das Schöne liegt so nah - man muss es nur für sich finden. Möchte nicht mit diesen Reisewütigen tauschen.
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Doppellottotreffer
04.07.2022 20:37registriert September 2021
Wie wenn man nicht wüsste an welchem Tag zu welcher Zeit wie viele Passagiere an welchem Flughafen einen gebuchten Flug antreten würden... Man hat die Überlastung wissentlich in Kauf genommen, ansonsten hätte man nicht so viele Buchungen akzeptieren dürfen.
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Ürsu
04.07.2022 18:50registriert Juni 2015
Da freut sich aber Omikron, so viele so nah zusammen. Einfach hirnrissig
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