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Interview

Swissport-Chef über Probleme am Flughafen: «Es ist schlimm!»

Schafft es das eigene Gepäck rechtzeitig auf den Flieger? An vielen Flughäfen herrscht bei der Gepäcksortierung derzeit ein massiver Personalmangel – mit negativen Folgen für die Passagiere.
Schafft es das eigene Gepäck rechtzeitig auf den Flieger? An vielen Flughäfen herrscht bei der Gepäcksortierung derzeit ein massiver Personalmangel – mit negativen Folgen für die Passagiere.
Interview

Swissport-Chef über Probleme am Flughafen: «Es ist schlimm!»

Warwick Brady leitet den weltgrössten Bodenabfertigungskonzern Swissport mit über 48'000 Angestellten in 45 Ländern und Sitz in Zürich. Im Interview nimmt der Südafrikaner Stellung zum Koffer-Chaos an Flughäfen – und gibt Ratschläge fürs Check-in.
23.07.2022, 10:33
Benjamin Weinmann / ch media
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Wer schon einmal per Flugzeug verreist ist, wird höchstwahrscheinlich auch mit Swissport Kontakt gehabt haben. Die Firma, die einst zur Swissair gehörte, ist die Nummer 1 in der Luftfahrt bei der Bodenabfertigung. Sie betreibt Check-in-Schalter, sortiert die Gepäckstücke und ladet diese ins Flugzeug ein und aus. Nur: Dieser Tage sorgen Bilder von teils wild zusammengestapelten Koffer-Bergen an Flughäfen für grosse Verunsicherung bei Ferienhungrigen.

Denn ob die gepackten Kleider, Flipflops und Zahnbürsten rechtzeitig am Zielort ankommen, ist wegen des internationalen Personalmangels in der Aviatik derzeit nicht garantiert. Laut Swissport-Chef Warwick Brady gibt es je nach Destination grosse Unterschiede, wie er im Interview mit CH Media erklärt.

Ging Ihnen schon einmal ein Koffer auf einem Flug verloren?
Warwick Brady: Ja, einmal. Ich war in den USA und mein Koffer landete irgendwo in Indien. Und als Vielflieger habe ich es schon öfter erlebt, dass mein Koffer nicht rechtzeitig angekommen ist. Speziell jetzt macht es Sinn, wenn möglich nur mit Handgepäck zu reisen.

Warwick Brady, CEO Swissport.
Warwick Brady, CEO Swissport.bild: swissport

Aktuell melden sich täglich etwa 250 Passagiere beim Fundbüro am Flughafen Zürich, weil ihr Gepäck nicht angekommen ist. Weshalb?
Zürich ist ein Hub-Flughafen, also mit vielen Umsteigeverbindungen, im Gegensatz etwa zu Basel oder Genf, welche hauptsächlich Direktflüge ohne Anschlussverbindungen anbieten. An solchen Flughäfen erhält im Schnitt einer von 1000 Passagieren den Koffer nicht rechtzeitig. Bei Hubs sind es etwa 20 pro 1000 Passagiere …

…aktuell aber häufiger?
Ja. Nun zeigen sich die Folgen von zwei Jahren Pandemie, in der unsere Industrie an den Rand des Kollapses gedrängt wurde. Die Reisenachfrage steigt rasant. Doch nach dem massiven und damals absolut nötigen Stellenabbau fehlt jetzt überall Personal: Bei der Gepäcksortierung, in der Sicherheitskontrolle, bei der Flugüberwachung – überall.​

Wie unterscheidet sich die Lage an den Schweizer Landesflughäfen im internationalen Vergleich?
Zürich hält sich gut. Wenn Sie Lust auf ein Abenteuer haben, dann fliegen Sie mal nach Amsterdam oder London-Heathrow …

…wo Swissport ebenfalls tätig ist!
Das stimmt, aber wir fertigen ja nicht an jedem Hub auch die dort beheimatete Fluggesellschaft ab, die das Drehkreuz betreibt und primär betroffen ist. Aber wir sehen natürlich, was in Heathrow passiert und deshalb kann ich sagen, dass die Lage in der Schweiz wirklich noch gut ist. Aber alles hängt voneinander ab. Nehmen wir einen Flug von den USA über Schiphol nach Edinburgh. In Schiphol, ebenfalls ein Hub-Flughafen, übernimmt KLM die Gepäcksortierung selbst. 50 Koffer pro Tag schaffen es da nicht auf den Flieger nach Edinburgh, wo Swissport zuständig ist. Wir sind dann dafür verantwortlich, dass der Koffer zum Passagier findet, obwohl das Gepäckstück anderswo liegen blieb.​

Online posten Passagiere von gestapelten Koffern en masse in den Terminals – auch vom Flughafen Zürich.
Ja, aber nochmals: Zürich funktioniert deutlich besser als andere Flughäfen, das ist kein Vergleich. Wir sind an 287 Flughäfen auf der ganzen Welt tätig, wir wissen, was Sache ist. Natürlich ist das ein kleiner Trost, wenn man als Passagier in Zürich betroffen ist. Aber Schiphol und Heathrow, das sind völlig andere Dimensionen!

Wie lange dauert es im Schnitt heute, bis ein verspäteter Koffer nachgeliefert wird?
Vor der Pandemie dauerte das ein bis zwei Tage. Aktuell sind es eher drei bis vier.

Manche Reisende rüsten ihr Gepäck aus Angst mit GPS-Trackern aus, um genau zu wissen, wo es landet. Eine gute Idee?
Wieso nicht? Die Frage ist bloss, was es nützt. Wenn Sie wissen, dass Ihr Koffer in Chicago ist und Sie sitzen irgendwo in Schwyz, kann das möglicherweise noch frustrierender sein. Meine Vision ist es, dass wir eine branchenweite Plattform schaffen, auf denen wir, die Passagiere und die Airlines das Gepäckstück verfolgen können, und wir die Nachsendung so effizient und rasch wie möglich durchführen können, auch in Zusammenarbeit mit Firmen wie den SBB.

Am vergangenen Wochenende kam es in Zürich zu Schlangen von Passagieren, die bis aus dem Terminal hinaus anstanden. Wie lange wird es solche Szenen noch geben?
Diese Schlangen hatten nichts mit uns zu tun, sondern mit der Flughafen-Infrastruktur und der zu geringen Zahl an Sicherheitspersonal. Es ist zurzeit ein Teufelskreis. Die Leute kamen oft zu spät, also sagten Flughäfen und Airlines, man solle frühzeitig erscheinen. Doch nun erscheinen sie zu früh, wenn das Check-in- und Sicherheitspersonal noch gar nicht bereit ist.

Hat sich das Reiseverhalten in der Krise stark verändert?
In der Schweiz hat sich Passagiermix verändert. Die inländische Nachfrage ist deutlich grösser als 2019. Und es gibt mehr Spitzenzeiten, weil die Airlines ihre Flugpläne zusammengestrichen haben. Das Aufkommen verteilt sich weniger gut über den Tag hinweg.

Also sind die Airlines schuld am Chaos?
Wir alle stehen in der Verantwortung. Die Flughäfen und auch wir waren nicht ausreichend bereit für diese rasch und stark wachsende Nachfrage. Dennoch ist es falsch, von Schuldigen zu sprechen. Denn das Wiederhochfahren des gesamten Luftfahrtsystems und die Wiedereinstellung von Mitarbeitenden benötigt nun mal Zeit.

Dennoch: Sind Sie über die ständigen Flug-Annullationen von Lufthansa und Co. genervt?
Es geht nicht um einzelne Airlines. Aber finanziell ist das frustrierend, klar. Denn wir haben uns nach ihren Flugplänen gerichtet, haben uns zu 100 Prozent dafür vorbereitet. Und nun finden nur 95 Prozent der Flüge statt – und wir bleiben auf 100 Prozent der Kosten sitzen. Aber ich verstehe die Situation der Airlines. Und nochmals: Schuld sind in erster Linie die Regierungen mit ihren erfundenen politischen Wissenschaften.

Warwick Brady ist Chef der weltgrössten Bodenabfertigungsfirma Swissport und damit von derzeit 48'000 Angestellten.
Warwick Brady ist Chef der weltgrössten Bodenabfertigungsfirma Swissport und damit von derzeit 48'000 Angestellten.bild: Oliver Roesler / swissport

Wie bitte? Die Welt war mit einer nie da gewesenen Pandemie konfrontiert, mit überfüllten Spitälern und Menschen, die an Covid starben. Es brauchte Restriktionen!
Ja, die Pandemie war schrecklich, aber was den Nutzen der Reiserestriktionen anbelangt, sehe ich das völlig anders. Es gab keine medizinischen, wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Reiserestriktionen die Verbreitung von Covid signifikant stoppten. Die Ausbreitung von neuen Virus-Mutationen verzögerte sich vielleicht bloss um ein paar wenige Wochen.

Also lagen alle internationalen Regierungen mit ihren wissenschaftlichen Expertenteams falsch?
Ja! Die Regierungen hat die Luftfahrt nicht konsultiert. Sogar in der EU gab es völlig unterschiedliche Reisestriktionen. Das war ein Flickenteppich. Selbst heute müssen Sie auf einer Zugfahrt nach Deutschland nach der Grenze in Basel plötzlich eine Maske aufsetzen, obwohl Sie im gleichen Wagen mit den gleichen Menschen sitzen wie bereits eine Stunde lang aus Zürich. Das ist absurd. Und noch etwas.

Ja?
Hätten wir das Geschäft nicht rasch runtergefahren, gäbe es uns und viele andere Aviatikfirmen heute nicht mehr. Bei uns machen die Löhne 70 Prozent der Kosten aus. Was hätten wir tun sollen? Wir haben ums Überleben gekämpft. Hätten wir es nicht geschafft, gäbe es jetzt niemanden, der Ihnen Ferien in der Ferne ermöglicht.​

Swiss-Crew mit Maske: Swissport-Chef Warwick Brady kritisiert die internationalen Reiserestriktionen scharf.
Swiss-Crew mit Maske: Swissport-Chef Warwick Brady kritisiert die internationalen Reiserestriktionen scharf.bild: swiss / brand management

Man merkt: Die Kritik an Ihrer Industrie nervt Sie.
Die Kritik ist völlig unfair. Denn die Politik hat unsere Industrie beinahe zugrunde gehen lassen, speziell die Bodenverkehrsdienstleister. Die Massnahmen waren von Anfang an völlig unkoordiniert. Ich konnte in die Schweiz fliegen, aber nicht nach England. Ich konnte nach Griechenland fliegen, aber nicht zurück. Dann sperrte die Schweiz Reisende aus Südafrika aus, wegen der neuen Variante, die sowieso schon überall war. Und Grossbritannien hat alle verbannt.

Man kann auch sagen, dass die Aviatikfirmen zu wenig untereinander koordinierten und auf das Szenario Pandemie zu wenig vorbereitet waren.
Wie soll man sich auf ein Szenario vorbereiten, in dem die gesamte Industrie während zwei Jahren in einen Lockdown versetzt wird? So etwas gab es noch nie.

Trotzdem. Swissport hat die Angestelltenzahl massiv von 65'000 auf 40'000 reduziert. Fühlen Sie sich für die jetzigen Probleme gar nicht mitschuldig?
Überhaupt nicht, wir mussten reagieren. In der Schweiz erhielten die Angestellten ja 80 Prozent des Lohns in der Kurzarbeit und viele haben jetzt halt leider die Branche verlassen.

Zur Person
Der Südafrikaner Warwick Brady hat im Mai letzten Jahres die Führung des Bodenverkehrsdienstleister Swissport übernommen. Zuvor leitete er den britischen Infrastruktur-, Energie- und Luftfahrtkonzerns Esken. Und er war Manager bei Easyjet, Mandala Airlines in Indonesien, Air Deccan/Kingfisher in Indien sowie beim irischen Billigairline-Riesen Ryanair. Brady hat in England an der Henley Business School Betriebswirtschaften studiert und ist ausgebildeter Linienpilot. Er wohnt in der Region Zürich. (bwe)

Die aktuelle Anspannung in der Branche zeigt sich auch am Check-in-Schalter. In Zürich müssen Ihre Angestellten inzwischen täglich die Polizei zur Hilfe holen, weil jemand die Nerven verliert.
Die Nerven sind bei allen angespannt. Das hat auch mit den vielen nicht abgestimmten Reiseregeln zu tun. Logisch, dass da Frust entsteht. Aber wenn man ein Ticket kauft, akzeptiert man die Regeln, und daran müssen sich alle halten. Egal, wie unangenehm eine Maske ist.​

Man hört Geschichten, wo Passagiere das Personal anschreien oder sogar anspucken.
Es ist schlimm! Es gibt auch Fälle von physischer Gewalt. Manche Passagiere folgen unseren Angestellten bis in den Pausenraum und belästigen sie dort. Solches Verhalten akzeptieren wir nicht. Wir wissen mittlerweile auch, auf welchen Flügen es häufiger zu solchen Fällen kommt, und bereiten uns entsprechend vor.​

Unzufriedenheit ist auch gegenüber der Firma da. In Zürich planen am Samstag mehr als 100 Angestellte eine Protestaktion.
Wir hatten in Zürich während der Pandemie mit den Gewerkschaften einen Krisen-Gesamtarbeitsvertrag unterzeichnet. Und Anfang Jahr verlangten wir mehr Flexibilität in der Einsatzplanung, weil wir sahen, dass sich der Markt bald erholen würde. Doch die Gewerkschaften möchten das nicht. Sie kündigten den Vertrag. Bis Ende Jahr herrscht eine Friedenspflicht, Streiks sind nicht möglich. Ich bin überzeugt, dass wir am Schluss eine Lösung am Verhandlungstisch finden. Aber die Gewerkschaften möchten mit solchen Aktionen natürlich Druck auf uns ausüben, damit wir die Anstellungsbedingungen verbessern.​

Und ist das denn falsch, angesichts des psychischen und physischen Stresses?
Wir bezahlen marktgerechte Löhne auf der ganzen Welt, aber wir sind nun mal keine Wohltätigkeitsorganisation, wir haben Eigentümer, die mit uns Geld verdienen möchten. Und dann hängen wir von den Preisen ab, die uns die Airlines zahlen. Die möchten nun mal nicht, dass unsere Angestellten zwischen den Einsatzspitzen unproduktiv rumsitzen. Sie verlangen mehr Flexibilität bei den Einsätzen, insbesondere bei Spitzenzeiten. Und die Airlines wiederum hängen von den Konsumenten ab, die billige Tickets möchten.

Also sind die Passagiere schuld?
Es ist das ganze System, und wir sind Teil davon, genauso wie die Passagiere und die Airlines. Es muss sich strukturell etwas ändern.

Das klingt nicht nach einer gesunden, nachhaltigen Industrie.
Stimmt.

Wie möchten Sie da das dringend benötigte Personal anlocken?
Die Luftfahrt bleibt eine spannende Branche, trotz aller Widrigkeiten. Man sitzt nicht ständig im Büro. Und wenn man die Aviatik im Blut hat, wird man das nicht mehr los. Zudem bieten wir internationale Karrieremöglichkeiten und in Zusammenarbeit mit Airlines wie der Swiss Reise-Rabatte. Aber ja: Es ist auch harte Arbeit.

Vor allem in der aktuellen Hitzewelle.
Ja, auf dem Flugfeld mit all dem Asphalt wird es bis zu 50 Grad heiss. Wir beliefern unsere Angestellten zurzeit deutlich häufiger mit Wasserflaschen, kühlenden Tüchern und manchmal auch mit Glace. Und wir geben ihnen kurze Uniformhosen, was nicht bei allen Konkurrenten der Fall ist. Für unsere neuen italienischen Angestellten in Rom, wo wir vor wenigen Tagen die Bodenabfertigung übernommen haben, war das zum Beispiel am Novum. Die sind begeistert von unseren Shorts.​

Ein Gepaecksortierer von Swissport arbeitet in der Gepaecksortierung am Flughafen Zuerich am Dienstag, 12. Juli 2022. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Ein Angestellter von Swissport hat in der Gepäcksortierung am Flughafen Zürich alle Hände voll zu tun.Bild: keystone

Ihre Industrie trägt zur Häufung solcher Hitzewellen bei. Haben Sie da manchmal ein schlechtes Gewissen?
Nein. Die Aviatik ist gerade mal für zwei Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Wir nehmen das aber sehr ernst. Auch Kohlekraftwerke, Ölheizungen und Autos haben ihren Anteil am Ausstoss. Die Luftfahrt, speziell die Airlines und Flugzeughersteller, unternimmt deutlich mehr als andere Branchen, um grüner zu werden. Wir investieren zum Beispiel in Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb, auch bei den schweren Maschinen, die die Flugzeuge vom Dock wegfahren.

Mit welchem Personalbestand rechnen Sie in Zukunft?
Aktuell sind wir bei 48'000 und bis Ende Jahr dürften es 55’000 sein. Wir rekrutieren äusserst aggressiv. Es hängt aber auch davon ab, ob es zu einer Rezession kommt und wie sich der Krieg in der Ukraine entwickelt. Wenn alles gut kommt, rechne ich bis Ende 2023 mit einer Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau mit 65'000 Angestellten.

Inflation, steigende Energiepreise: Inwiefern können Sie die Preise gegenüber den Airlines derzeit überhaupt erhöhen?
Wir können uns der allgemeinen Preisentwicklung nicht entziehen. Die Airlines sehen natürlich auch, dass alles teurer wird. Auch sie müssen die Löhne erhöhen und mehr fürs Kerosin bezahlen. Und deshalb sind die Ticketpreise derzeit so teuer.

Der Chef des Airlines-Caterers Gategroup kritisierte kürzlich in dieser Zeitung, dass man keine Covid-Hilfskredite vom Bund erhalten habe, im Gegensatz zur Swiss. Auch Swissport ging leer aus. Enttäuscht?
Klar, wir waren dankbar für die Kurzarbeitsentschädigung, aber schon sehr enttäuscht über die ausbleibende Direkthilfe der Schweizer Regierung. Immerhin müssen wir jetzt keine Schulden zurückbezahlen. Und vielleicht sind wir sogar gesünder unterwegs, weil wir diesen Rettungsschirm nicht hatten und gezwungen waren, selbst zu reagieren. Swissport hat jetzt neue Eigentümer, internationale Investoren, und ist finanziell sehr solide aufgestellt.

Sie haben während der Pandemie Covid-Test-Center an Flughäfen installiert. Halten Sie daran fest, obwohl für die meisten Destinationen keine Tests mehr nötig sind?
Solange die Nachfrage nach Tests gross genug ist, bleiben sie stehen. Wer weiss schon, wie sich die Pandemie im Herbst und Winter entwickelt.

Wo sehen Sie Wachstumschancen in nächster Zeit?
Wir sind zwar die Nummer 1 bei der Bodenabfertigung, aber es gibt noch einige weisse Flecken. Diese Woche haben wir wie gesagt die Expansion nach Italien gestartet, in Rom. Und auch in Portugal, Osteuropa, Skandinavien und Asien sehe ich Möglichkeiten.

Vor der Pandemie betrug der Umsatz von Swissport rund drei Milliarden Franken. Und heute?
Für das laufende Jahr rechne ich mit etwa 85 Prozent des Vor-Krisen-Umsatzes. Und nächstes Jahr dann wieder mit rund drei Milliarden.

Reicht es dieses Jahr bereits für einen Gewinn?
Davon gehe ich aus.

Ist ein Börsengang ein Thema?
Das müssen unsere Eigentümer entscheiden. Ein Börsengang ist sicher eine Möglichkeit, ein Verkauf genauso. Mir geht es aber vor allem darum, eine nachhaltig erfolgreiche Firma aufzustellen nach dieser einmaligen Krise.

Nachholbedarf besteht in Sachen Diversität bei Swissport. Im obersten Management sind alle Mitglieder weiss und der Frauenanteil beträgt nur 33 Prozent.
Immerhin. Und auch im obersten Management haben wir Kollegen mit südamerikanischem, nord- und südafrikanischem Background. Wir arbeiten sehr stark an unserer Diversität. In Afrika sind 40 Prozent unseres Managements Frauen, zum Teil werden auch die einzelnen Länder von Frauen geleitet, so zum Beispiel Italien und Mexiko.

Swissport ist aus der Swissair heraus entstanden. Wie schweizerisch ist die Firma heute noch?
Sehr! Insbesondere unsere Schweizer Qualität ist ein Verkaufsargument. Die Erinnerung an die Swissair-Vergangenheit verfliegt aber je länger, je mehr. Junge Menschen haben die Swissair ja gar nie als aktive Fluggesellschaft erlebt. Das ist jetzt doch schon über 20 Jahre her.

ARCHIVBILD ZUM 20. JAHRESTAG DES SWISSAIR GROUNDINGS - Arbeiter entfernen am Mittwoch, 27. Maerz 2002, das Swissair-Logo am Terminal A des Flughafens Zuerich Kloten. Die Nachfolgegesellschaft Swiss st ...
Swissport hiess einst Swissair Ground Services International AG.Bild: keystone

Bleibt der Hauptsitz in Opfikon in Flughafennähe?
Wir sitzen hier ohne Klimaanlage in einem violetten Gebäude. Wir schauen uns um. Aber wir bleiben sicher in Zürich.

Im «Circle»-Komplex am Flughafen Zürich?
Wenn der Flughafen mit seinen Mietpreisen runtergeht, vielleicht.

Ganz ehrlich: Würden Sie den Leuten empfehlen, diesen Sommer einen Flug zu buchen?
Das muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt Unregelmässigkeiten, dessen muss man sich bewusst sein. Aber ich persönlich lasse mir deswegen das Reisen nicht verderben. Ich fliege in einer Woche beruflich in die USA, dann für die Ferien nach Griechenland. Ich selber möchte aber bei der Hitze nicht in den Bergen wandern gehen.

Und wenn Sie drei Stunden in der Schlange stehen müssen und Ihr Koffer nicht ankommt, behalten Sie dann die Ruhe?
Das muss ich wohl. Alles andere hilft nichts. Und was vielen nicht bewusst ist: Es gibt nach wie vor sehr, sehr viele Flüge, die absolut problemlos verlaufen.

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154 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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du_bist_du
23.07.2022 10:47registriert Mai 2020
Dieser Typ ist schon ne starke Nummer. Die Luftfahrtindustrie, und wir reden hier in diesem Interview explizit von Passagierflügen / Ferienflügen in diesem Zusammenhang, also die profitorientierten Unternehmen der Luftfahrt sind unschuldig an der Gesamtsituation?
Und dann meint er noch, Schuld seien die Regierungen mit erfunden politischen Wissenschaften bezüglich der Pandemie? Und natürlich die Fluggäste die nicht mitarbeiten. Ach ja, für das Personal gibts ab und an Glace und Fliegen ist fürs Klima nicht so schlimm, Autos sind böser...

Watson, habt ihr das erfunden??? Gibts den wirklich?
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Atavar
23.07.2022 10:37registriert März 2020
Ich kann das Klagen dieser armen armen Wirtschaftsbosse nicht mehr ertragen.
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Bimbeli
23.07.2022 10:50registriert November 2014
Wieder mal ein Bild von einem CEO, alle anderen sind Schuld. Die Regierungen, die Passagiere, die Airlines.
Aber einmal sich selbst reflektieren kommt diesen Wunderknaben nicht in den Sinn.
Fehler bei sich und seiner Einstellung suchen, findet man bei solchen Managern vergeblich.
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