Wirtschaft
Klima

Laut Bericht riskieren Unternehmen ohne Naturschutz ihre Zukunft

Laut Bericht riskieren Unternehmen ohne Naturschutz ihre Zukunft

09.02.2026, 15:2709.02.2026, 15:27

Unternehmen bedrohen die Natur – deren Probleme wiederum schlagen immer stärker auf die Wirtschaft zurück, warnt ein Bericht. Er nennt zentrale Massnahmen für einen Weg zu beiderseitigem Nutzen.

Der Verlust biologischer Vielfalt zählt einem Weltbericht zufolge zu den grössten Bedrohungen für die Wirtschaft. Jedes einzelne Unternehmen sei von ihr abhängig, direkt oder indirekt, wird in dem in Manchester vom Weltbiodiversitätsrat (IPBES) vorgestellten Bewertungsbericht betont. Zugleich habe jedes Unternehmen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt.

«Unternehmen und andere wichtige Akteure können entweder den Weg zu einer nachhaltigeren Weltwirtschaft weisen oder letztendlich das Aussterben riskieren – sowohl von Arten in der Natur als auch möglicherweise ihr eigenes», sagte Matt Jones aus Grossbritannien, einer der drei Co-Vorsitzenden des «Business and Biodiversity»-Berichts.

Unternehmen, die Mitglied der Energie-Agentur der Wirtschaft sind, haben ihren CO2-Ausstoss kontinuierlich gesenkt. (Symbolbild)
Der Verlust biologischer Vielfalt zählt einem Weltbericht zufolge zu den grössten Bedrohungen für die Wirtschaft.Bild: KEYSTONE

«Keine Option, sondern eine Notwendigkeit»

«Ein besserer Umgang mit der Natur ist für Unternehmen keine Option, sondern eine Notwendigkeit», betonte auch Ximena Rueda aus Kolumbien, eine weitere Co-Vorsitzende. Er sei für Gewinne und langfristige Existenz von Firmen ebenso bedeutsam wie für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft. Als zentrale Massnahme wird genannt, dass Unternehmen ihre Auswirkungen auf die Natur und ihre Abhängigkeiten von der Umwelt öffentlich machen.

Aktuell erwähnten weniger als ein Prozent der börsennotierten Unternehmen in ihren Berichten ihre Auswirkungen auf die Biodiversität, bemängelt IPBES. Der neue Bewertungsbericht helfe, die richtigen Methoden, Messgrössen und politischen Instrumente für den jeweiligen Geschäftsbereich zu finden, sagte Stephen Polasky aus den USA, der dritte Co-Vorsitzende. «Wir verlagern die Diskussion von freiwilligen Nachhaltigkeitsversprechen hin zu einem wissenschaftlich fundierten Fahrplan für einen Systemwandel.»

Frühes Handeln vermeidet Folgen

Frühzeitiges Umschwenken könne helfen, steigende Kosten wie höhere Lebensmittelpreise und Versicherungsprämien sowie wirtschaftliche Instabilität zu vermeiden, betonten IPBES-Experten. Die Zeit dränge. «Wir müssen uns von der falschen Vorstellung lösen, dass Regierungen und Entscheidungsträger entweder für die Umwelt oder für die Wirtschaft sein müssen», so Polasky.

Vertreter der über 150 Mitgliedsregierungen des Rates hatten den Bericht während der Sitzung des IPBES-Plenums in Manchester verabschiedet. Die Natur sei nach wie vor eine der am meisten unterschätzten Grundlagen unserer Weltwirtschaft, hiess es. Unternehmen erscheine es oft profitabler, die biologische Vielfalt zu zerstören, als sie zu schützen, so Polasky.

«Kritisches und allgegenwärtiges Risiko für die Menschheit»

«Das Wachstum der Weltwirtschaft ging mit einem immensen Verlust an biologischer Vielfalt einher, der nun ein kritisches und allgegenwärtiges systemisches Risiko für die Wirtschaft, die Finanzstabilität und das Wohlergehen der Menschen darstellt», lautet eine zentrale Erkenntnis des IPBES-Berichts.

Durch Lobbyarbeit von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden unterstützt flössen noch immer hohe Subventionen in wirtschaftliche Aktivitäten, die den Verlust biologischer Vielfalt begünstigten. «Im Jahr 2023 beliefen sich die globalen öffentlichen und privaten Finanzströme mit direkt negativen Auswirkungen auf die Natur auf schätzungsweise 7,3 Billionen US-Dollar.» Im Vergleich dazu winzige 0,22 Billionen US-Dollar seien in Aktivitäten geflossen, die zur Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt beitragen.

Keine Kosten für Schäden

Der Bericht stützt sich auf tausende Quellen und jahrelange Forschung und Praxis, erklärte Co-Vorsitzender Jones. 79 führende Experten aus 35 Ländern waren beteiligt. Unternehmen spielen demnach eine zentrale Rolle dabei, den Verlust biologischer Vielfalt zu stoppen und umzukehren. Aktuell trügen sie jedoch oft nur geringe oder gar keine finanziellen Kosten für ihre negativen Auswirkungen.

Der Bericht verweist auf eine Vielzahl konkreter Massnahmen, darunter die Steigerung der Effizienz und die Reduzierung von Abfall und Emissionen. Eine zentrale Botschaft ist dabei, dass Unternehmen allein nicht in der Lage sind, Veränderungen im erforderlichen Umfang umzusetzen. Wichtig seien Anpassungen bei politischen, rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen, Wirtschafts- und Finanzsystemen, sozialen Normen sowie Technologie und Datenerhebung.

Zu zuverlässig, um uns ausreichend bewusst zu sein

«Die biologische Vielfalt ist die Grundlage jeder Wirtschaft und jeder Gesellschaft», erklärte Qu Dongyu, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), zu dem Bericht. Sie schaffe Arbeitsplätze und Einkommen, reguliere das Klima und sichere die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Gesundheitssystemen.

Gerade ihre vermeintliche Selbstverständlichkeit verschleiere das Ausmass unserer Abhängigkeit von ihr. «Allzu oft ist die biologische Vielfalt ein unsichtbarer und entbehrlicher Vermögenswert in der Bilanz.» Diese Sichtweise ändere sich, das Bewusstsein für die Risiken versagender Vielfalt nehme zu. Dieses neue Denken sei keineswegs optional. «Es ist für unsere gemeinsame Zukunft unverzichtbar.»

«In jedem Fall ist Biodiversität niemals ein Randthema», betonte in einem Statement zum Bericht auch Khaled El-Enany, Generaldirektor der UN-Kulturorganisation Unesco. «Sie ist der Kern dessen, was Unternehmen erfolgreich macht oder scheitern lässt: die Widerstandsfähigkeit der Wertschöpfungskette.»

«Biodiversität ist ein grosses Problem, das in der Wirtschaft nur sehr beschränkt beachtet wird», stellt Stephan Pfister von der ETH Zürich in einem Statement fest. Während sehr viel Geld auf Kosten der Biodiversität generiert werde, fliesse nur ein kleiner Teil in deren Schutz, auch weil Mechanismen fehlen würden. Pfister war auch an der Ausarbeitung des Berichts beteiligt. (hkl/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
6 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
6
Es herrscht Krypto-Winter – und keiner weiss, warum
Der Crash von Bitcoin und Co. lässt auch die Expertinnen und Experten ratlos zurück.
Dass Krypto-Währungen zu Volatilität tendieren, hat sich herumgesprochen. Ja, die stark schwankenden Kurse machen Bitcoin & Co. gar für viele ihrer Fans besonders attraktiv. Schliesslich lässt sich mit der buy-the-dip-Methode trefflich Geld verdienen, vorausgesetzt, man behält die Nerven.
Zur Story