DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Kommentar

Die Schweiz ist der Kanton Zug der Welt

Das neue Sorgenbarometer der Credit Suisse zeigt auf: Wir vertrauen Politikern und Medien und wissen, dass wir von der Globalisierung profitieren.
30.11.2016, 12:0701.12.2016, 08:33

Die grösste Sorge der Schweizer Bevölkerung ist die Arbeitslosigkeit. Das zeigte das neueste CS-Sorgenbarometer. Doch gleichzeitig haben neun von zehn Schweizerinnen und Schweizer überhaupt keine Angst, den eigenen Job zu verlieren. Besser kann man die aktuelle Situation unseres Landes nicht beschreiben. Wir sind ein selbstzufriedenes Volk geworden, das unter Phantom-Sorgen leidet.  

Der Rohstoff-Händler Glencore ist typisch für den Kanton Zug. 
Der Rohstoff-Händler Glencore ist typisch für den Kanton Zug. 
Bild: KEYSTONE

Kein Aufstand der Beklagenswerten bei uns

Seit dem Trump-Triumph ist von einem «Aufstand der Beklagenswerten» die Rede. Die Verlierer der Globalisierung – primär die weissen Mittelstandsmänner – hätten zum Sturmlauf gegen die «Classe politique» und eine kulturelle Elite, sprich linke Mainstream-Journalisten, angesetzt und würden jetzt Multikulti und Freihandel den Garaus machen, heisst es.  

«Alle Mediengattungen gelten mehrheitlich als vertrauenswürdig.»
CS-Sorgenbarometer

Davon ist bei uns nichts zu spüren. Hass auf die Politiker? Fehlanzeige. Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat Vertrauen in den Bundesrat, die staatliche Verwaltung und auch in die Parteien. «Dieses Vertrauen hat in den letzten zehn Jahren markant zugenommen», ergänzt Lukas Golder vom Meinungsforschungsinstitut GFS, das die Befragung bei mehr als 1000 Personen durchgeführt hat.  

Schweizer wissen, dass sie zu den Gewinnern der Globalisierung gehören

Vertrauensverlust in die Medien? Nicht die Bohne. «Alle Mediengattungen gelten mehrheitlich als vertrauenswürdig», heisst es in dem Bericht. «Alle Werte sind seit dem letzten Jahr gestiegen.»  

Den Schweizerinnen und Schweizern ist sehr wohl bewusst, dass sie zu den Gewinnern der Globalisierung gehören. Deshalb sind – je nach Wissensstand – die Hälfte für den Freihandelsvertrag TTIP (diejenigen, die wissen, worum es sich handelt). Die Nichtinformierten sprechen sich sogar zu 63 Prozent für das umstrittener Freihandelsabkommen aus.  

Kleine Minderheit will Bilaterale aufkündigen

Bad News auch für Christoph Blocher und seine SVP: Gerademal 19 Prozent wollen die bilateralen Verträge aufkündigen. Knapp die Hälfte kann sich gar einen EWR-Beitritt vorstellen. Gleichzeitig steht jedoch die Ausländerfrage an zweiter Stelle des CS-Sorgenbarometers. Nicht nur die Politiker haben also Mühe, die Forderung der Masseneinwanderungs-Initiative und die wirtschaftliche Realität unter einen Hut zu bringen.  

Weltweit gesehen kann man die Schweiz mit dem Kanton Zug vergleichen. Sie hat einen hohen Wohlstand, tiefe Steuern, eine ausgezeichnete Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungswesen befinden sich auf höchstem Niveau – und wir sind ein bisschen langweilig.  

Zuger können sich Zug nicht mehr leisten

Der Kanton Zug hat aber seit Jahren ein Problem. Weil er für Reiche so attraktiv geworden ist, sind die Immobilienpreise explodiert. Expats aus allen Teilen der Welt können sich das leisten. Der untere Mittelstand muss jedoch zunehmend in die umliegenden Kantone ausweichen. Wollen wir also wirklich eine «Zugerisierung der Schweiz»?

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Schlechtes Blut – oder der grösste Betrug im Silicon Valley

Mit ihrem angeblichen Blutanalysegadget hat Elizabeth Holmes alle getäuscht: Rupert Murdoch, Henry Kissinger und auch Jim Mattis. Jetzt hat der Prozess gegen die mutmasslich grösste Betrügerin des Silicon Valleys begonnen.

«Fake it until you make it» (Täusch etwas vor, bis es funktioniert) ist ein beliebtes Motto in der Start-up-Szene des Silicon Valley. Viele technische Sensationen werden mit üblen Kinderkrankheiten und grossspurigen Versprechen auf den Markt geworfen. Meist verschwinden diese Heilsbringer jedoch genau so schnell, wie sie aufgetaucht sind.

Nicht so bei Elizabeth Holmes. Sie beherrschte das Täuschungsspiel perfekt. Die Gründerin eines Unternehmens namens Theranos steht im Mittelpunkt der …

Artikel lesen
Link zum Artikel