bedeckt
DE | FR
Wirtschaft
Leben

Du willst in Start-ups investieren? Darauf solltest du achten

Bild
bild: shutterstock
MoneyTalks

Wie du mit kleinen Beträgen deine «Höhle des Löwen» bauen kannst

Zum Anlegen in Start-ups musst du viel Geld haben? Das war gestern. Mit Crowdinvesting kannst du dich auch mit kleinen Beträgen an innovativen Unternehmen beteiligen und mittels neuer Plattformen deine Anteile später sogar digital weiterverkaufen. Hier sind neue Tools und Tipps, worauf du bei der Wahl deines Start-ups achten solltest.
11.05.2023, 14:02
Olga Miler
Olga Miler
Olga Miler
Folge mir
Mehr «Wirtschaft»

Anlegen in innovative Jungunternehmen aus persönlichem Interesse oder mit der Hoffnung, später grössere Gewinne zu realisieren, stand früher nur wohlhabenden Menschen zur Verfügung. Oft bewegen sich die Mindestinvestments bei Angel Clubs um die 10'000 Franken und um mittels eines Venture-Fonds mit zu investieren werden deutlich höhere Beträge benötigt.

Heute stehen mit Crowd-Plattformen einige der Anlagemöglichkeiten allen auch mit viel kleineren Beträgen zur Verfügung. Dank neuer Technologie kannst du in Zukunft deine Anteile auch direkt digital weiterverkaufen, ohne warten zu müssen bis dein Start-up es vielleicht irgendwann an die Börse schafft.

Hier sind einige Tipps und Tools für deine Crowdinvestition.

Crowdinvesting ist im Trend

Sich zusammen mit anderen an Projekten, Immobilien, Unternehmen zu beteiligen oder Geld auszuleihen ist ein anhaltender, wachsender Trend. Gemäss dem Crowdfunding Monitor 2022 der Hochschule Luzern unterstützen ca. 250'000 Personen in der Schweiz eine Crowdfunding-Kampagne. Auf 28 Plattformen wurden ca. 781 Millionen Franken vermittelt. Besonders gewachsen sind dabei die Bereiche des Crowdlending (+35%) und des Crowdinvesting (+29%).

Chancen und Risiken beim Investieren in Start-ups

Gemäss verschiedenen Studien und Expertenmeinungen überleben 80% von Start-ups die ersten drei Jahre nicht. Häufigste Gründe für das Scheitern sind fehlende Nachfrage für das Produkt, Probleme im Team und oft auch, weil dem Jungunternehmen das Geld ausgeht.

Wenn du in Start-ups investieren möchtest, dann solltest du dir die Unterlagen im Detail anschauen und nur Beträge anlegen, die du bereits bist zu verlieren.
Einige Punkte, auf die du achten kannst:

  • Gibt es einen genügend grossen Markt für die Geschäftsidee? Kann das Unternehmen Indikatoren vorweisen, dass ein Interesse an zahlenden Kunden besteht? Ist es vielleicht ein Produkt, dass du sogar selber gerne nutzt?
  • Welche Kompetenzen hat das Team und wie ist es aufgestellt?
  • Wie geht das Unternehmen mit dem Kapital um? Wird viel Geld für Marketing ausgegeben? Wofür wird das neue Kapital verwendet? Für wie lange sollte das gesuchte Kapital reichen und was würde passieren, wenn das Start-up z. B. die nächste Finanzierungsrunde nicht schafft – könnte es dann aus den eigenen Erträgen weiter existieren?
  • Wie kann sich das Unternehmen gegenüber möglichen Konkurrenten abgrenzen? Gibt es z. B. Patente, eigene Technologie, Daten, wie einfach ist es für jemanden, das Produkt zu kopieren?
  • Welche Konditionen werden dir als Crowdinvestor:in angeboten? Welche Bewertung hat das Unternehmen, bekommst du Aktien mit Stimmrecht oder Partizipationsscheine, sieht das Unternehmen vor, Dividenden auszuzahlen?

Eine Investition in ein Start-up kann eine Herzensangelegenheit sein, bei Erfolg des Unternehmens auch eine sehr lohnende Investition, ist aber auch mit entsprechenden Risiken und oft langer Kapitalbindung verbunden.

Das Risiko kannst du mindern, wenn du z. B. das Produkt oder Team persönlich kennst. Alarmglocken sollten bei dir klingeln, wenn z. B. die Löhne des Teams hoch sind oder das Wachstum zu einem sehr hohen Preis erwirtschaftet wird. Grundsätzlich gilt, je früher du dich an einem Start-up beteiligst, umso grösser sind deine Gewinnchancen, aber auch dein Risiko, dass die Firma längerfristig nicht überlebt. Erfahrene Angel-Investoren investieren deshalb auch meistens in mehrere Unternehmen.

Neue Tools und Plattformen

Letztens sind in der Schweiz neue interessante Crowd-Lösungen an den Markt gegangen. Einige Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Empfehlung hier als Anregung:

  • Aktionariat: schafft einen dezentralen, automatisierten Marktplatz für Aktien, welche nicht an der Börse gehandelt werden. Mit der technischen Lösung werden Aktien von KMUs und Firmen tokenisiert und können mithilfe der Ethereum-Blockchain einfach gehandelt werden. Benutzer können mittels der App ein Wallet einrichten, aus den zur Verfügung stehenden Firmen aussuchen und die Aktien entsprechend handeln. Aktien verschiedener Schweizer Firmen gibt es bereits ab weniger als 1 Franken.
  • Arcton: ist neu, noch im Aufbau und hat zum Ziel, den Investitionsprozess für Start-ups und Investoren zu vereinfachen. Mittels eines Marktplatzes kann man verschiedene Start-ups aussuchen und direkt investieren. Beim Besuch zum Zeitpunkt des Schreibens des Artikels hatte es allerdings noch viele «coming soon»-Anzeigen auf der Webseite.
  • Oomnium: Gemacht vom Team der etablierten Plattform von wemakeit.com ging oomnium am 9. Mai an den Start und fokussiert sich auf KMUs und Start-ups, welche neben Geschäftserfolg auch Wert auf Nachhaltigkeit oder soziale Kriterien legen.

Wenn du es etwas etablierter magst oder eine breitere Auswahl möchtest, dann findest du im Crowdmonitor Schweiz 37 Plattformen inklusive einer Übersicht der entsprechenden Gebühren. Plattformen wie z.B. Swisspeers, Localhelden oder Lend gibt es schon seit mehreren Jahren, mit entsprechenden Netzwerken und Erfahrung.

Für diejenigen, welche sich lieber mit anderen austauschen, stehen verschiedene Angel-Netzwerke zur Verfügung, einige Beispiele: sictic.ch, businessangels.ch, angelinvestmentnetwork.ch, startangels.ch und wer besonders Wert auf Diversität legt, kann sich die neuen Swiss Fintech Ladies und VC4Diversity anschauen.

Auf was solltest du bei deinem Crowdinvesting achten?

Neben der Wahl deiner Start-ups ist auch die Wahl der Plattform entscheidend, hier einige Tipps dazu:

  • Auswahl an Projekten: Nach welchen Kriterien wählt die Plattform die dargestellten Projekte aus und welche Erfahrung haben sie mit dem Auswahlprozess?
  • Konditionen: Wie viel musst du als Investor:in für dein Investment bezahlen? Angaben dazu findest du im Crowd-Monitor.
  • Welche Erfolgsquote hat die Plattform, wie gross ist das Netzwerk und wer investiert da mit?
  • Was passiert, wenn das Projekt nicht zustande kommt? Wird die Finanzierungsrunde nicht abgeschlossen, wie wird dir dann dein Geld zurückerstattet?
  • Wie professionell sind die Prozesse und wer steht hinter der Plattform?

Für deine Vorsorgegelder ist Crowdinvesting nicht geeignet, aber gerade mit den neuen Marktplätzen gibt es neue interessante Möglichkeiten für Experimente mit kleinen Beträgen, bei denen auch Handel möglich ist. Wenn du dein Lieblings-Start-up unterstützten möchtest oder einfach gerne eine zusätzliche Alternative zu den gängigen Aktien und Fonds haben willst, kann Crowdinvesting Raum für Alternativen bieten.

Wie seht ihr das? Wagt ihr ein Experiment? 😉

olga miler, frauen und geld, blog, watson
bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Entwürfe für die ersten Franken-Münzen
1 / 10
Entwürfe für die ersten Franken-Münzen
Für die ersten Münzen wurden diverse Entwürfe eingereicht. (bild: schweizerisches bundesarchiv)
quelle: schweizerisches bundesarchiv
Auf Facebook teilenAuf X teilen
TikTok-Account veröffentlicht Schweizer Lohnabrechnungen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
1 Kommentar
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1
Wie Barbershops ihr Personal ausbeuten und den «regulären» Coiffeuren Umsatz abgraben
Billig-Haarabschneider schiessen wie Pilze aus dem Boden. Bei Kontrollen stellt sich heraus: Sie zahlen oft Hungerlöhne und fallen durch überdurchschnittlich viele Verstösse gegen verschiedenste Vorschriften auf.

Der Barbershop blinkt und leuchtet mit seiner rot-weiss-blauen Barbierstange zwar in fast allen Farben. Drinnen aber läuft nichts. Ein Angestellter sitzt vor dem Laden, raucht eine Zigarette. Er wartet auf – männliche – Kundschaft. Kommt die, geht es ans Werk, und das Werk ist günstig: 25 Franken kostet, manchmal nur 20 Franken, der Haarschnitt. Rentner, Lehrlinge und Schüler kriegen es meist noch billiger. So ist das bei diesen Billig-Coiffeuren.

Zur Story