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Der Neoliberalismus hat versagt – das sagen nicht Linke, sondern der IWF

In seiner jüngsten Publikation rechnet der Internationale Währungsfonds mit dem Neoliberalismus ab – und wird dafür heftig kritisiert.
31.05.2016, 16:3503.06.2016, 17:01
Mann mit verkehrter Baseballmütze: So sieht die «Financial Times» den IWF.
Mann mit verkehrter Baseballmütze: So sieht die «Financial Times» den IWF.

«Neoliberalism: Oversold» (Der Neoliberalismus wird überbewertet) lautet die Schlagzeile im jüngsten Magazin des IWF. Drei Spitzenökonomen rechnen darin mit allem ab, was neoliberalen Ökonomen in den letzten Jahrzehnten heilig war: freie Märkte, freier Kapitalverkehr, Deregulierung und Austeritätspolitik.  

«Es gibt nichts, worüber man sich bei der neoliberalen Agenda freuen könnte.»
Jonathan Ostry, IWF-Ökonom

Der Begriff «Neoliberalismus» wird in der Regel von seinen Kritikern verwendet. Darin versteht man die Lehre vom reinen Markt, die auf die Ökonomen Friedrich Hayek und Milton Friedman zurückgeht. Linke Kritiker bringen das in Verbindung mit Turbo-und Kasino-Kapitalismus.  

Der IWF hingegen war bisher als eigentlicher Hort des Neoliberalismus bekannt. In den 90er Jahren war der von IWF-Ökonomen ausgearbeitete «Washington-Konsens» so etwas wie die zehn Gebote des Neoliberalismus. Umso erstaunlicher ist daher, dass jetzt aus der gleichen Ecke auf die Doktrin geschossen wird.  

Beunruhigende Schlussfolgerungen

Gilt als Vater des Neoliberalismus: Milton Friedman.<br data-editable="remove">
Gilt als Vater des Neoliberalismus: Milton Friedman.
Bild: AP NY

«Es gibt nichts, worüber man sich bei der neoliberalen Agenda freuen könnte», stellen die drei Ökonomen fest. Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs, das Abreissen der Zollschranken und das Sparen hätten den Wohlstand der Menschen nicht erhöht. Im Gegenteil, die «beunruhigende Schlussfolgerung» dränge sich auf, dass diese Politik zu mehr Ungleichheit und weniger Wachstum geführt habe – etwas, das linke Kritiker wie Joseph Stiglitz schon längst bemängeln.

«Unterdrückerische Regimes erhalten durch die IWF-Kritik Unterstützung.»
«Financial Times»

Die IWF-Kritiker sind keine Aussenseiter. Einer von ihnen ist Jonathan Ostry, der stellvertretende Forschungschef. «Viele Menschen sind inzwischen zur Ansicht geraten, dass die Grundfesten der neoliberalen Agenda neu überdacht werden müssen», erklärte er der «Financial Times» (FT).  

Erstaunt gibt sich Harvard-Professor Dani Rodrik. Er hat sich als Gegner einer «Hyperglobalisierung» einen Namen geschaffen. «Was geht hier ab?», twitterte er und sprach von einem «tiefen Graben» zwischen der Forschung und der Praxis des IWF.

Echt jetzt?

In die gleiche Kerbe schlägt die «Financial Times» in einem redaktionellen Kommentar. Sie spottet, die IWF-Ökonomen benähmen sich wie «Männer mittleren Alters, welche die Baseball-Mütze verkehrt herum tragen». Die Attacke auf den Neoliberalismus sei mehr als kindisch, keift die FT weiter. Sie sei gefährlich, denn sie gebe «unterdrückerischen Regimes» rund um den Globus, die sich ebenfalls als IWF-Kritiker gebärden, eine willkommene Gelegenheit, sich zu rechtfertigen.  

Diese Schelte wiederum erscheint Dani Rodrik lächerlich. «Die FT hyperventiliert», twitterte er. «Die milde Kritik der neoliberalen Agenda des IWF soll autoritäre Regimes unterstützen?» Oder wie der watson-User fragen würde: Echt jetzt?

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