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Neuerungen bei der Post: Videocall statt Schalter

So stellt sich die Post die Videoberatung vor.Video: extern/Post CH

Videocall statt Schalter – so will sich die Post für die Zukunft aufstellen

29.10.2024, 14:1229.10.2024, 16:02
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Die Post steht vor Umstrukturierungen. Aufgrund der demografischen Entwicklung und weil die Bevölkerung zunehmend digitale Dienste nutzt, sind seit 2010 sieben von zehn Einzahlungen am Schalter weggebrochen (–68 Prozent).

Das klassische Schaltergeschäft ist um die Hälfte zurückgegangen (–49 Prozent). Die Zahl der Briefe, welche die Kundschaft am Schalter aufgegeben hat, ist allein in den letzten fünf Jahren um über einen Drittel (–39 Prozent) gesunken. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren ungebremst fortsetzen.

Um weiterhin für die Bevölkerung und die Unternehmen präsent zu sein, setzt die Post eine Reihe von Massnahmen um und entwickelt sich weiter. «Wir investieren dort, wo wir gebraucht werden und den grössten Nutzen für unsere Kundschaft bieten. Darum passen wir das Filialnetz entsprechend an. So stellen wir die Grundversorgung auch in Zukunft sicher, ohne einen Rappen Steuergeld zu beanspruchen», erklärt Thomas Baur, Stellvertretender Konzernleiter und Leiter PostNetz.

2000 Filialen sind nicht nachhaltig

«Aufgrund der Mengenrückgänge können wir uns keine 2000 eigenen Filialen leisten. Weil wir aber trotzdem schweizweit für unsere Kundinnen und Kunden präsent sein wollen, setzen wir auf die seit Jahren bewährten Partnerfilialen. Nur so können wir auch künftig den Grundversorgungsauftrag erfüllen und meist noch längere Öffnungszeiten bieten», sagt Roberto Cirillo, CEO der Schweizerischen Post. Die Post sucht deshalb weitere rund 170 Filialpartner für ihre Dienstleistungen vor Ort.

Roberto Cirillo, CEO Schweizerische Post, spricht waehrend einem Interview, am Mittwoch, 29. Mai 2024, in Bern. Die Post gab heute die Schliessung von 170 Poststellen bekannt. (KEYSTONE/Peter Klaunzer ...
Roberto Cirillo, CEO der Post: «Aufgrund der Mengenrückgänge können wir uns keine 2000 eigenen Filialen leisten.» Bild: keystone

Ab Juli hat sie die Kantone und Gemeinden kontaktiert, die von Angebotsanpassungen betroffen sind, und erste Gespräche geführt. Bis Ende 2028 will die Post für jede dieser 170 Filialen eine Lösung finden. Ziel ist es, dass das Filialnetz dann aus rund 600 eigenen Filialen und 1400 Filialen mit Partner besteht.

Videoberatungen

Die Post testet deshalb bereits jetzt, wie sie die Wartezeit in den Filialen weiter reduzieren kann, und setzt dafür modernste Video-Beratungsformate ein, die den klassischen Schalter ergänzen sollen.

So soll der «Magic Table» aussehen:

Video: extern/Post CH

Sie plant, diese schweizweit einzuführen, sowohl in den eigenen Filialen als auch in Filialen mit Partner. So können Postmitarbeitende die Kundinnen und Kunden auch in Partnerfilialen persönlich beraten. Zudem entwickelt die Post neue Selbstbedienungselemente. Auch dank ihnen soll es für die Kundinnen und Kunden künftig noch einfacher werden – ohne lange Wartezeiten.

Kritik von der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Syndicom fordert in einer Stellungnahme, die Post solle am bestehenden Netz von 770 Filialen festhalten und ruft alle politischen Akteure auf, aktiv gegen die Abbaupläne vorzugehen. Ein vollwertiger und barrierefreier Zugang zur postalischen Grundversorgung müsse aufrechterhalten werden. (cma)

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95 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RightIsWrong
29.10.2024 14:34registriert November 2023
Lächerliche Idee, natürlich gehe ich physisch in eine Postfiliale, damit ich dort einen Video-Call machen kann. Zuhause hab ich ja kein Internet...
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Jonas (1) (2)
29.10.2024 14:22registriert April 2024
"um ein modernes Kundenerlebnis zu schaffen." Ich will keine modernes Kundenerlebnis. Im Postparc in Bern haben die bei meinem letzten (wirklich letzten) Besuch tatsächlich einen Barista in der Halle gehabt und ich musste mich durch Assura und sonstige Desks kämpfen, um mal zu sehen, wo ich jetzt ein Ticket ziehen muss. Von den gefühlt 15 Schaltern, waren dann 2 offen und die Wartezeit hätte für mich geschätzt 20 Minuten betragen. Bin dann in eine kleine Filiale in der Altstadt gegangen, dort ging es 30 Sekunden (aber die wird sicher bald geschlossen, dass sie kein Erlebnis bietet)
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Lowend
29.10.2024 14:31registriert Februar 2014
Der Kunde muss es selber machen und dafür wird die Post die Preise senken. - Sorry, war ein Witz. 😉
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