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SBB erhöhen Preise in den Speisewagen – Espresso kostet über 5 Franken

Elvetino Speisewagen SBB
Wird immer teurer: die Verpflegung in Speisewagen.bild: elvetino

SBB erhöhen Preise in den Speisewagen – ein Espresso kostet jetzt mehr als 5 Franken

Der Kaffee oder das Mittagessen im SBB-Zug werden zum teuren Vergnügen. Die SBB-Tochter Elvetino hat erneut die Preise erhöht – nicht zum ersten Mal in den vergangenen Jahren. Den Vergleich mit Restaurants lässt Elvetino nicht gelten.
22.06.2024, 07:32
Stefan Ehrbar / ch media
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Wer es am Bahnhof verpasst, eine günstige Verpflegung für die Zugreise einzukaufen, bezahlt das Versäumnis teuer. Denn das Essen in den Speisewagen der SBB-Züge kostet immer mehr. Vor kurzem hat Elvetino, die Gastronomie-Tochter der SBB, die Preise noch einmal erhöht. Der Espresso, das Gipfeli oder das Frühstücksmenü «Muntermacher» kosten seither 30 Rappen mehr als Anfang 2023, der Teller Ghackets mit Hörnli ist mit 22.50 Franken einen Franken teurer geworden, und eine PET-Flasche Henniez-Wasser wird für 20 Rappen mehr verkauft als vor einem Jahr.

Für den Espresso werden nun 5.20 Franken fällig, für ein einzelnes Gipfeli 2.60 Franken und für das Henniez 4.90 Franken. Beeindruckend ist die Preissteigerung seit 2020: Innert nur vier Jahren wurde das Wasser in den SBB-Speisewagen beispielsweise um 40 Prozent teurer. Allerdings wurde die Henniez-Flasche damals laut Angaben der SBB als Teil einer Aktion verbilligt angeboten.

Für andere Produkte gilt das nicht: Das Frühstücksmenu schlug seit 2020 gegenüber dem damals regulären Preis um 20 Prozent auf, der Teller Ghackets mit Hörnli um über 15 Prozent. Zum Vergleich: Gemäss den Konsumentenpreis-Daten des Bundesamtes für Statistik stiegen die Preise in Restaurants und Cafés zwischen Anfang 2020 und Mai 2024 um gerade einmal 8 Prozent.

Bis zu 10 Prozent Aufschlag dieses Jahr

SBB-Sprecher Bas Vogler sagt, zuletzt seien die Preise nur bei einzelnen Produkten angepasst worden. Eine Zahl, wie stark sich das Sortiment insgesamt verteuert habe, könne deshalb nicht genannt werden. Bei den meisten betroffenen Artikeln seien die Preise um 2 bis 5 Prozent gestiegen, in einem Fall um 10 Prozent. Dafür gebe es drei Gründe. Erstens seien das steigende Personalkosten. Die SBB müssten faire Löhne bezahlen, um die Zufriedenheit und Motivation der Teams zu sichern.

Zweitens seien auch die Warenkosten für die «qualitativ hochwertigen Rohstoffe» gestiegen – etwa aufgrund globaler Marktentwicklungen. Das müsse Elvetino an die Gäste weitergeben. Die Preise seien nur bei Produkten erhöht worden, die auch effektiv von der Teuerung betroffen seien.

Als dritten Grund nennt Vogler wachsende Lieferkosten: Die Kosten für den Transport der Waren hätten sich ebenfalls erhöht. Die Preissteigerungen in den Lieferketten müssten berücksichtigt werden. Der Vergleich mit landesweiten Teuerungsfaktoren sei für Elvetino nur bedingt gültig, weil der Logistik- und Personalaufwand in den Speisewagen viel höher sei als in der stationären Gastronomie.

Schweizer Produkte sind teurer

Dass die Preiserhöhungen in den Speisewagen dazu führen, dass die Reisenden ihre Verpflegung lieber in den Läden oder Restaurants an den Bahnhöfen einkaufen – von deren Geschäftsentwicklung die SBB als Vermieterin dank teils umsatzabhängiger Mieten ebenfalls profitieren –, glauben die SBB nicht. Die Bahngastronomie stehe nicht in Konkurrenz zur Gastronomie in den Bahnhöfen, sagt Vogler. Der Service in den Zügen biete ein Erlebnis für eine angenehme Reise und sei von hoher Qualität.

Zudem würden die SBB das Thema Swissness in den Zügen «sehr ernst» nehmen. «Die in den Speisewagen angebotenen Produkte stammen aus der Schweiz, ebenso wie die Lieferanten», sagt Vogler. Es gebe nur selten Ausnahmen. «Das macht die Suche nach günstigen Produkten schwieriger.»

Die Elvetino verpflegt mit 650 Mitarbeitenden laut eigenen Angaben täglich 14'000 Gäste. Sie bewirtschaftet über 120 Restaurants und Bistros in den Fernverkehrszügen der SBB im Inland und im nahe gelegenen Ausland. (bzbasel.ch)

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71 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hösch
22.06.2024 07:49registriert März 2022
Der erste Satz im Artikel bringt es doch auf den Punkt.
Dass die Sachen im Zug mehr kosten als am Bahnhof liegt am höheren Aufwand. Aber den mit den hochwerigen Rohstoffen sortiere ich eher beim Bullshitbingo ein.
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Overton Window
22.06.2024 07:55registriert August 2022
Wenn ich die Entwicklung der Restaurantpreise seit meiner Jugend so betrachte, und das auf den Lohn hochrechne, müsste ein frischer Studienabgänger mittlerweile so um die 12'000 Franken im Monat verdienen, oder?

😉
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Kommentar*innen
22.06.2024 07:41registriert Juni 2018
Zum Glück muss niemand dort konsumieren. Und spätestens nach 1 Jahr grännt dann Elvetino, dass ihr Angebot nicht mehr rentiere.
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