Wirtschaft
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Manor baut fast 500 Stellen ab



Manor schliesst Standort Bahnhofstrasse in Zürich. (Archivbild)

Bild: KEYSTONE

Manor unterzieht sich einer Restrukturierung und streicht 476 Stellen. Angesichts schrumpfender Einnahmen und veränderter Kaufgewohnheiten baut die Warenhauskette ihr Online-Angebot aus.

Bis Ende 2024 solle der aktuelle Online-Anteil verfünffacht werden, teilte Manor am Montag in einem Communiqué mit. Der Einkauf im Internet solle für die Kunden einfacher werden. Überdies werde das Produkt-, Beratungs- und Dienstleistungsangebot ausgeweitet.

Dazu passt der grösste Warenhauskonzern der Schweiz auch seine Organisationsstruktur an. Dies werde zum Abbau von 385 Jobs in den Warenhäusern und 91 Stellen am Hauptsitz in Basel führen, wo 830 Mitarbeiter beschäftigt seien.

Gesamthaft hat Manor rund 8'900 Beschäftigte, davon 6'860 in den Filialen. Manor habe in Zusammenarbeit mit der Personalkommission einen Sozialplan ausgearbeitet, hiess es weiter.

CEO Jérôme Gilg erklärt in der Medienmitteilung:

«Wir befinden uns im ersten Jahr eines mehrjährigen Transformationsprozesses, welchen wir Ende 2019 begonnen haben. Unsere E-Commerce-Aktivitäten konnten wir dieses Jahr um fast zwei Jahre beschleunigen. Die Trends der letzten Monate haben unsere strategische Stossrichtung bestätigt: Die Zukunft von Manor zeichnet sich dadurch aus, dass wir unsere Vorteile als Omnichannel-Warenhaus bewusst ausspielen und unser Produkt- und Dienstleistungsangebot dynamisch erneuern, gleichzeitig aber auch auf neue Partnerschaften setzen, die Digitalisierung beschleunigen und als Organisation beweglicher werden.»

Die Manor-Gruppe hat heute die Ernennung von Jerome Gilg zum neuen CEO per 18. Januar 2019 bekannt gegeben. Nach zwei Jahren tiefgreifender Umgestaltung des Unternehmens beabsichtigt Stephane Maquaire, CEO seit 2017, seine Position in Kuerze aufzugeben. Jerome Gilg war bisher CEO von Jumbo, einem der Schweizer Marktfuehrer im Bereich Do-it-yourself, Gartenbau und Dekoration. Weiterer Text ueber ots und www.presseportal.ch/de/nr/100001185 (PPR/obs/Manor AG)

Jérôme Gilg Bild: PPR

«Alle Hierarchiestufen und Mitarbeitergruppen sind betroffen. Ebenso alle Regionen und alle Warenhäuser, da wir in den Warenhäusern im Non-Food Bereich unsere Managementstrukturen vereinheitlichen und harmonisieren. Das Ziel ist neben Kosteneinsparungen auch unseren Fokus auf den Kundenservice zu verstärken», sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

Manor hatte im Januar die Zusammenfassung der 59 Warenhäuser in 28 Gruppen bekannt gegeben, die von einem Storedirektor geführt werden. Damit erhält der einzelne Warenhausdirektor weniger Gewicht. «Jetzt gehen wir den nächsten Schritt des Fünfjahresplans», sagte der Sprecher. Der Schritt sei schon vor dem Corona-Ausbruch beschlossen gewesen, aber durch die Pandemie beschleunigt worden.

Coronapandemie kostet 180 Mio Umsatz

Die Coronakrise hat ein grosses Loch in die Kasse gerissen. «Wir werden rund 180 Millionen Umsatz verlieren in diesem Jahr», sagte der Sprecher. Der Umsatz werde um 10 bis 15 Prozent zurückgehen.

Alleine die Coronasicherheitsmassnahmen wie beispielsweise der Einbau von Plexiglaswänden oder Kundenzählsystemen hätten 5 Millionen Franken Kosten verursacht. Deshalb habe Manor von den grössten Lieferanten mit mehreren 100'000 Franken Umsatz einen Beitrag von 10'000 Franken verlangt. Die meisten Händler hätten positive Signale gegeben. Einige hätten die 10'000 Franken schon überwiesen, sagte der Sprecher.

ARCHIV --- Das Warenhaus Manor, aufgenommen am Montag, 23. September 2019, an der Bahnhofstrasse in Zuerich. Manor verlaesst den Standort Ende Januar 2020. Manor unterzieht sich einer Restrukturierung und streicht 476 Stellen. Davon werden 385 Jobs in den Warenhaeusern abgebaut und 91 Stellen am Hauptsitz in Basel, wie die Warenhauskette am Montag, 17. August 2020 bekannt gab. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: keystone

Die Schliessung von Warenhäusern aufgrund des wirtschaftlichen Umfelds sei aber nicht vorgesehen. «Standortentscheide treffen wir langfristig und krisenunabhängig.» Einen Ersatzstandort für die geschlossene Flaggschifffiliale in der Zürcher Bahnhofstrasse habe man aber noch nicht gefunden.

Die im Januar angekündigte Schliessung des Warenhauses Bachenbülach sowie der Supermärkte in Liestal und Delsberg ist noch nicht voll umgesetzt. Bachenbülach sei als Outlet weiterhin geöffnet, sagte der Sprecher. Der Supermarkt in Delsberg werde unter dem Namen Manor weitergeführt, während für Liestal noch kein Nachfolger gefunden worden sei.

Struktur wird standardisiert

In den übrigen Läden werde die Organisationsstruktur standardisiert, um den Fokus auf den Kundenservice zu verstärken. Das Unternehmen wolle sich im Non-Food-Bereich vermehrt auf seine Kerngeschäfte Mode, Beauty und Haushalt konzentrieren. Bei den Lebensmitteln liege der Fokus künftig auf Frischprodukten und der Manora-Gastronomie. Zudem werde das Unternehmen seine Sortiments-, Beratungs- und Servicepalette vergrössern.

Das heisse aber nicht, dass beispielsweise die Kinderabteilung oder die Heimelektronik gestrichen würden, sagte der Sprecher. Dafür suche man Partner, wie man es etwa mit der Kosmetikkette Sephora gemacht habe, die bei Manor als Shop im Shop ihre Produkte verkauft. Sephora gehört zum französischen Luxusgüterkonzern LVMH.

In der Schweiz betreibt Manor 59 Warenhäuser, 30 Lebensmittelsupermärkte und 27 Restaurants. Mit einem Marktanteil von 61 Prozent ist der Konzern laut eigenen Angaben die grösste Warenhauskette hierzulande.

Ausbau des Internetshops

Ausserdem will Manor-Chef Jérôme Gilg - wie bereits im Januar angekündigt - im Internet Gas geben. Denn Manor habe in der Zeit der Coronaschliessungen 100'000 Kunden gewonnen, sagte der Sprecher. Deren Ansprüche müssten erfüllt werden.

Der in Schwierigkeiten steckende Detailhändler Manor setzt zu einer Restrukturierung an: Mehrere Läden werden geschlossen. Dutzende Mitarbeiter und Kaderleute sind betroffen. Verstärkt werden soll demgegenüber das Online Geschäft. (Archiv)

Bild: KEYSTONE

Im vierten Quartal wird auf manor.ch ein eigener Onlinemarktplatz gestartet. Damit solle die Produktauswahl in den Hauptkategorien Mode, Beauty, Heim & Haushalt vergrössert werden, hiess es. Auf dem Onlinemarktplatz können dann auch unabhängige Händler gegen eine Provision ihre Produkte verkaufen. Derzeit habe man 700 Drittanbieter. Das Ziel sei eine Verdoppelung in den nächsten Jahren.

Zudem sollen für die Kunden die Onlinebestellungen im Laden und der Abholservice einfacher werden. Auch das Bezahlen mit dem Handy soll komfortabler werden.

Dazu ernennt Manor Stefan Wetzler zum Digitalchef, der in die Geschäftsleitung einzieht. Seine Vorgängerin war lediglich in der erweiterten Geschäftsleitung. Wetzler besitze mehr als 20 Jahre Erfahrung im E-Commerce unter anderem durch seine Arbeit für Lidl Digital, E. Breuninger und die Heinrich Heine GmbH.

(aeg/sda/awp)

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