Wirtschaft
Schweiz

Darf die CS noch Boni zahlen? KKS korrigiert erste Aussagen

Galati, Romania - March 15, 2023: Smartphone with Credit Suisse bank logo. Credit Suisse stock chart on the background.
FINMA-Präsidentin Marlene Amstad: Ihre Behörde kann der CS Vorschriften zur Auszahlung von Boni machen. Bild: Shutterstock/watson/keystone

CS will weiter Boni auszahlen – doch sie hat die Rechnung ohne die FINMA gemacht

Finanzministerin Keller-Sutter sagte am Sonntag, die CS könne weiterhin Boni auszahlen. Jetzt zeigt sich: Die FINMA könnte den Bankern einen Strich durch die Rechnung machen.
20.03.2023, 11:0020.03.2023, 12:39
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Kann die Credit Suisse dem Management für das vergangene Jahr noch Boni bezahlen? Sie hat es laut einem Medienbericht zumindest vor.

Die Credit Suisse habe ihren Mitarbeitern zugesichert, dass versprochene Boni und Lohnerhöhungen weiterhin gezahlt würden. Es werde keine Änderungen an den Gehaltsregelungen geben, und die Boni sollen wie geplant am 24. März ausgezahlt werden, heisst es laut «Bloomberg» in einem internen Schreiben an die Belegschaft.

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In vielen Ländern seien die Boni bereits ausbezahlt worden, für die übrigen Länder erwarte die Bank keine Änderungen. Eine Banksprecherin bestätigte den Inhalt der Mitteilung gegenüber der Nachrichtenagentur.

KKS korrigiert Aussage

Der Bund könne der CS die Ausschüttung von Boni nicht verbieten, sagte Finanzministerin Keller-Sutter gestern Abend vor den Medien in Bern. Beschränkungen seien nicht möglich, weil es sich um eine private Übernahme handle, nicht um eine Bankenrettung durch den Staat.

FDP-Ständerat Andrea Caroni (AR) zeigte sich irritiert. Laut Bankengesetz dürfe man den Verantwortlichen die Boni kürzen.

Kurze Zeit später stellte Keller-Sutter dann ihre Aussage gegenüber Radio SRF richtig: «Das Bankengesetz sieht beispielsweise vor, dass bei einer Unterstützung durch den Staat ein Dividendenverbot oder Massnahmen betreffend Löhne verfügt werden können.» Das sei Sache der Finanzmarktaufsicht. Wie die Finanzministerin sagt, ist «davon auszugehen», dass die FINMA entsprechend handeln werde.

epa10532774 Swiss Finance Minister Karin Keller-Sutter (R), speaks next to Colm Kelleher (L), Chairman UBS, during a press conference in Bern, Switzerland, 19 March 2023. The bank UBS takes over Credi ...
Finanzministerin Karin Keller-Sutter an der historischen Pressekonferenz am Sonntagabend. Links im Bild Colm Kelleher, VR-Präsident der UBS.Bild: keystone

Der Bundesrat hatte am Sonntagabend bereits mitgeteilt, der Credit Suisse sei während der Dauer der beanspruchten staatlichen Unterstützung die Auszahlung von Dividenden nicht erlaubt. Zudem gehe man die Boni der Banken an: Gemäss Artikel 10a des Bankengesetzes könne die Auszahlung variabler Vergütungen ganz oder teilweise verboten werden.

FINMA prüft Verbot

In der Tat: Die FINMA prüft nun im Zuge der Staatshilfen noch weitere Auflagen für das CS-Management. «Im ersten Schritt ging es darum, eine Lösung zum Schutz der Einlegerinnen und Einleger und des Ansehens des Schweizer Finanzplatzes zu schaffen», sagte ein FINMA-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP am Montag. «Im zweiten Schritt werden wir weitere Fragen klären.» Festlegen will sich die FINMA aber noch nicht. (mlu)

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222 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Eifach_öpis
20.03.2023 11:11registriert Februar 2016
Wie so oft muss man wohl etwas differenzieren:

Soll der Kundenberater einen Bonus erhalten, weil er letztes Jahr so viele Neukunden gewonnen hat? Wahrscheinlich ja

Soll der Chef einen Bonus erhalten, weil er die Bank so gut geleitet hat? wohl kaum.
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rosen nell
20.03.2023 11:15registriert Oktober 2017
Sorry: Versagen soll nicht zusätzlich belohnt werden. Punkt. Ein Bäcker kriegt für verbrannte Brote auch nichts mehr. Warum soll die „Finanz-Elite“ etwas Besseres sein?
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therationalist
20.03.2023 11:12registriert Dezember 2017
Meine Kristallkugel sagt: Jetzt werden noch kurz die eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht und die FINMA wird sich Zeit lassen bis es heisst: Zu spät da kann man Nichts mehr machen.
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