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Orell Füssli baut aus und kauft 13 Filialen einer Papeterie-Kette

Ein Logo von Orell Fuessli ist beim Detailhaendler Buchhaendlers Orellfuessli im Einkaufszentrum Emmen Center angebracht, anlaesslich einer Begehung durch das Shopping Center am Dienstag, 11. Maerz 20 ...
Orell Füssli kauft die Köhler-Papeterien.Bild: KEYSTONE

Orell Füssli baut aus und kauft 13 Filialen einer Papeterie-Kette

Der Händler baut seine dominante Position weiter aus. Erst kürzlich musste Konkurrent Ex Libris aufgeben.
03.02.2026, 17:5603.02.2026, 17:56
Pascal Michel / ch media

Der Buch- und Papeteriemarkt konsolidiert sich weiter: Der Buchhändler Orell Füssli übernimmt die 13 Standorte der A. Köhler AG, einer Papeterie-Kette mit Sitz in Rüti ZH. Das Unternehmen besteht seit 1904 und vertreibt Papeterie- und Büroartikel, Bücher, Spiele und Geschenke. Die Filialen liegen in der Region Zürcher Oberland, am Zürichsee, in der Linthebene und in der Flughafenregion. Ebenfalls zum Unternehmen gehört ein Onlineshop.

Nun übernimmt Orell Füssli 100 Prozent der Aktien im Rahmen einer Nachfolgeregelung. Die Akquisition erfolgt rückwirkend per 1. Juli 2025. Die Standorte der Papeterien würden auch künftig eigenständig und unverändert unter der etablierten Marke Köhler weitergeführt, teilt Orell Füssli mit. «Es sind weder Schliessungen noch personelle Veränderungen vorgesehen. Sämtliche rund 70 Mitarbeitende werden zu den bestehenden Bedingungen weiterbeschäftigt.» Orell Füssli ist mit aktuell 59 eigenen Filialen in der Deutschschweiz der grösste stationäre Buchhändler im Land.

Verkäufer hofft auf langfristige Perspektive

Den Verkauf begründet Verwaltungsrat Thomas Köhler mit seiner anstehenden Pensionierung. «Mit Orell Füssli haben wir einen Partner gefunden, der über Erfahrung im Papeteriebereich verfügt, unsere Werte teilt und die Köhler-Papeterien mit Respekt, Erfahrung und langfristiger Perspektive weiterführen wird.» Orell Füssli betont, mit der Übernahme stärke man seine «Präsenz im Papeterie-Bereich und setzt konsequent auf den Erhalt und die Weiterführung regional etablierter Fachgeschäfte.» Über einen Verkaufspreis wurden keine Angaben gemacht.

Mit dem Zukauf baut Orell Füssli seine dominante Position im Markt aus. Das Unternehmen heisst mit vollem Namen Orell Füssli Thalia und bildet seit 2013 ein Joint Venture mit der deutschen Thalia-Gruppe. Der Buchhändler steigerte die Zahl seiner Filialen auch dank des Zusammenschlusses zwischen 2015 und 2024 von 35 auf rund 60. Der Umsatz war in den vergangenen Jahren steigend, das Filialnetz wurde ausgebaut. Ebenfalls auf Wachstumskurs befand sich zuletzt die Schweizer Buchhandelskette Lüthy Balmer Stocker: Sie wuchs von 11 Filialen im Jahr 2015 auf 22 im Jahr 2024. Umsatzzahlen gibt die Firma nicht bekannt.

Ex Libris schliesst 15 Filialen

Im Buchmarkt ist gerade einiges in Bewegung. Erst letzte Woche kündigte die Migros an, bis Ende Jahr 15 Filialen ihrer Kette Ex Libris einzustellen. Davon sind 230 Mitarbeitende betroffen, die Migros schliesst einen Stellenabbau nicht aus. Betroffenen Mitarbeitenden werde, wenn immer möglich, eine neue Stelle angeboten, verspricht die Migros. Zudem gebe es einen Sozialplan.

Das Aus von Ex Libris begründete die Migros damit, dass die Umsätze rückläufig und das Filialgeschäft bereits heute nicht mehr profitabel sei. Es wären grosse Investitionen nötig gewesen, etwa in Filialkonzepte und IT. Dieses Geld wollte die Migros offenbar nicht einschiessen. Das Onlinegeschäft von Ex Libris übernimmt die Migros-Tochter Galaxus.

Zu schaffen machen der Branche verschiedene Entwicklungen. Das Geschäft verlagert sich einerseits in Onlinekanäle, wo Giganten wie Amazon bereits stark sind. Andererseits gewinnen E-Books oder gar Streaming-Angebote für Bücher an Bedeutung. Ex Libris positionierte sich im Tiefpreissegment. Doch offenbar konnte man sich mit dieser Strategie nicht länger behaupten.

Der Umsatz von Ex Libris betrug im Jahr 2015 rund 121 Millionen Franken – genau gleich viel wie 2024. Nach einem zwischenzeitlichen Hoch während des Coronajahrs 2021, als 134 Millionen Franken umgesetzt wurden, verlor der Buchhändler zuletzt wieder an Schwung. Zu einem Kahlschlag war es bei Ex Libris bereits 2018 gekommen. Damals musste der Händler 43 Filialen dichtmachen. Das Unternehmen wurde vor 75 Jahren als Buchclub gegründet. 1950 beteiligte sich Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler am Unternehmen, das er 1956 dann ganz übernahm. Die Migros verfolgte von Anfang an das Ziel, ein preisgünstiges Bücher-Angebot an Belletristik, Kunst, Geschichte, Soziologie und Jugendliteratur zu schaffen.

Der Kampf um Marktanteile dürfte weitergehen. Gemäss den aktuellsten Zahlen des Buchhandels- und Verlagsverbands generierte der Deutschschweizer Buchmarkt 2024 einen Umsatz von 575,7 Millionen Franken. Das sind 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Verband stellt fest: «Der Deutschschweizer Buchmarkt entwickelt sich seitwärts.» (aargauerzeitung.ch)

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