Erste Saison mit dem Magic-Pass: Das sind die Auswirkungen für Gstaad
Das ursprünlich Westschweizer Verbundssystem Magic Pass breitet sich immer mehr auch in die Deutschschweiz aus. In der abgelaufenen Saison war erstmals auch Gstaad Teil davon.
Zum Ende der Wintersaison zieht man im Saanenland eine positive Bilanz. In der Medienmitteilung von dieser Woche steht:
Der Winter sei gut aus den Startlöchern gekommen. Früher Schneefall und technische Beschneiung im November hätten für stabile Verhältnisse über die Feiertage gesorgt. Nebel im Unterland tat sein Übriges, dass die Leute die Höhe suchten.
Einen Einfluss auf die Entwicklung hatte auch der Magic Pass. Um diesem beizutreten, verliess Gstaad auf den Frühling 2025 den Verbund Top 4 der grossen Skigebiete im Berner Oberland.
Die erste Bilanz nach dem Wechsel fällt positiv aus. Es wurden bessere Auslastungen neben den traditionellen Spitzenzeiten wie den Weihnachtstagen oder den Sportferien erreicht. Die höheren Frequenzen sorgten auch in den Gastrobetrieben für mehr Besuche.
Internationale Märkte legen zu
Die Frequenzen zeigen sich auch in den Zahlen: Im Dezember stiegen die Hotel-Logiernächte um 9,5 Prozent. Der Januar legte mit 6,6 Prozent auf über 49’000 Logiernächte zu. Im Februar setzte sich das Wachstum der Hotelübernachtungen mit plus 5,2 Prozent fort.
Dazu trugen auch internationale Gäste bei, welche kaum vom Magic Pass angelockt wurden. Der US-Markt legte im Januar um 21 Prozent zu, während Europa über 15 Prozent zulegte. Gleichzeitig zeigte sich im Februar eine anhaltend starke Nachfrage aus der Schweiz und aus europäischen Ländern wie Spanien oder Italien.
Erste strukturelle Effekte des Magic Pass
Der erste Winter mit Magic Pass zeigte erste strukturelle Effekte. Besonders auffällig war eine gleichmässigere Verteilung der Gäste über die Saison. In pistennahen Betrieben und bei Ferienwohnungen belegt die Entwicklung eine zusätzliche Nachfrage gegenüber dem Vorjahr. Kein Wunder stieg der Median der täglichen Ersteintritte von 3600 auf 4900.
Ob diese Zahlen nachhaltig sind, bleibt offen. Möglich auch, dass einige der mehrheitlich Westschweizer Gäste einfach «Gstaad mal ausprobieren» wollten, wenn die Destination eh im Abo enthalten ist. Bei Gstaad Saanenland Tourismus sagt Antje Zeller von der Kommunikationsabteilung auf Anfrage dazu: «Für die kommenden Jahre rechnen wir mit einer stabilen Entwicklung. Wir gehen davon aus, dass sich die Auslastung in den nächsten drei Jahren auf einem ähnlichen Niveau wie in der aktuellen Saison einpendeln wird.»
Top-10-Tage weniger ausgeprägt
Bei den Bergbahnen erhöhte sich die Zahl der Spitzentage mit rund 12’000 Gästen im gesamten Gebiet von zwei auf sechs Tage. Weniger wichtig wurden die Top-10-Tage insgesamt. Ihr Anteil am Gesamttotal sank von 25 auf 20 Prozent.
Gleichzeitig stieg jedoch vor allem die Frequenz ausserhalb der klassischen Spitzenzeiten deutlich an. Im Januar lag der durchschnittliche Tageswert bei rund 4700 Gästen und damit rund 42 Prozent über dem Vorjahr. Wichtig zu wissen: Die Zahlen vom Vorjahr sind da nicht unbedingt ein guter Vergleich, denn der Winter 2024/25 war insgesamt weniger stark als beispielsweise 2023/24.
Vorteil der gleichmässigeren Auslastung
Matthias In-Albon, Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad, sagt: «Die Saison zeichnete sich durch eine deutlich gleichmässigere zusätzliche Auslastung aus. Der Magic Pass spricht Schneesportler:innen aus einem grösseren regionalen Einzugsgebiet an: Wir verzeichnen viele Gäste aus der Romandie sowie aus dem Raum Bern.»
Die stabilere Nachfrage trage wesentlich zur lokalen Wertschöpfung in der Berggastronomie bei: «Die gleichmässigere Auslastung hilft uns, in der Gastronomie verlässlicher zu planen, bisherige strukturelle Defizite zu eliminieren und vermehrt Ganzjahresverträge anzubieten», so In-Albon. «Das ist ein wichtiger Schritt, um Fachkräfte langfristig zu binden.»
Hotels insgesamt zufrieden, wenig Auswirkungen auf Luxushotellerie
Umgekehrt ist die Ferienregion Gstaad für den Magic Pass ebenfalls ein Gewinn: «Gstaad ist für Magic Pass ein echter strategischer Mehrwert und stärkt unsere Präsenz in der Deutschschweiz», freut sich wenig überraschend Sébastien Travelletti, CEO der Magic Mountains Cooperation. Auch Christof Huber, Präsident des Hotelier-Vereins Gstaad-Saanenland und Direktor des Gstaaderhofs, spricht von einer erfolgreichen Saison. «Insgesamt ziehen wir bisher ein positives Fazit zum Magic Pass.»
In der Luxushotellerie wird der Einfluss differenzierter beurteilt. Andrea Scherz, General Manager und Besitzer des Gstaad Palace: «Wir glauben nicht, dass der Magic Pass unmittelbar zusätzliche Hotelbuchungen in unserem Segment generiert hat.»
Doch lohnt sich das auch finanziell?
Die Auslastungen sind ja schön und gut. Aber am Ende muss die Rechnung aufgehen. Also der Gesamtertrag pro Gast und Tag. Beim Verkehrsertrag von November bis März rechnen die Bergbahnen mit rund fünf Millionen mehr als 2024/25, womit er bei 24 bis 25 Millionen ankommen würde.
In-Albon sagte dazu gegenüber der Plattform J: «Ohne Magic Pass läge der Verkehrsertrag in einer ähnlichen Wintersaison schätzungsweise bei 17 bis 18 Millionen Franken.» Die aktuelle Saison müsse aufgrund der Schnee- und Wetterverhältnisse eher mit der Saison 2023/24 verglichen werden. Damals lag der Verkehrsertrag gemäss Geschäftsbericht bei 17,1 Millionen.
