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Kosten 5,1 Prozent rauf – Krankenkassen warnen vor Prämienerhöhung

27.01.2022, 12:0627.01.2022, 13:34
Wird wohl wieder schmerzhafter: Der Blick auf die Prämienrechnung.
Wird wohl wieder schmerzhafter: Der Blick auf die Prämienrechnung.Bild: shutterstock.com

Der Krankenkassen-Dachverband Santésuisse warnt vor Prämienerhöhungen wegen gestiegener Kosten bei der Grundversicherung. Am meisten dazu beigetragen haben die Ausgaben für Physiotherapie, für den ambulanten Arzt- und Spitalbereich und für die Spitex.

Der Anstieg der Gesundheitskosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) betrug im Jahr 2021 5,1 Prozent pro versicherte Person, wie es in einer Mitteilung von Santésuisse vom Donnerstag heisst. Das sei so viel wie seit 2013 nicht mehr.

Nicht in dieser Rechnung enthalten seien die Kosten für Corona-Impfungen, für die die Krankenversicherer im vergangenen Jahr 265 Millionen Franken bezahlt hätten.

Am stärksten stiegen die Kosten demnach in der Physiotherapie mit 18 Prozent pro Kopf gegenüber dem Jahr 2020. Im ambulanten Arzt- und Spitalbereich waren es 6 beziehungsweise 7 Prozent und bei den Labors über 5 Prozent.

Mit über 6 Prozent verzeichnete zudem die Spitex deutliche höhere Kosten. Dies dürfte auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sein, so Santésuisse, weil das Bedürfnis möglichst lange zu Hause zu bleiben, weiter gestiegen sei. Das zeige sich auch bei den Kosten der Pflegeheime. Dieser Bereich wurde demnach als einziger innerhalb der Grundversicherung günstiger, die Kosten sanken um fast 3 Prozent.

Corona kostet eine Milliarde Franken

Bei all diesen Berechnungen seien die Kosten für Corona-Tests im Jahr 2021 noch nicht einmal einberechnet, warnt Santésuisse; denn diese würden vom Bund beglichen. Santésuisse schätzt die «Corona-Kosten» für die Krankenversicherer seit Pandemie-Beginn auf gut eine Milliarde Franken.

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Video: srf/Roberto Krone

Den Kostenanstieg im Jahr 2021 stuft Santésuisse als «besorgniserregend» ein. Zwischen 2010 und 2020 waren die Kosten für die Obligatorische Krankenpflegeversicherung durchschnittlich um jährlich 2,5 Prozent pro Kopf gestiegen, während die Nominallöhne lediglich um 0,7 Prozent und das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,2 Prozent zunahmen.

Immerhin gab es keine Teuerung: Der Konsumentenpreisindex sank im Gegenteil leicht um 0,1 Prozent pro Jahr.

Ruf nach wirkungsvollen Massnahmen

Um den Kostenanstieg zu bremsen, fordert Santésuisse wirkungsvolle Massnahmen, die Einsparungen bei allen Beteiligten bringen. Solche Massnahmen sollen die Tarifpartner gemeinsam in ihren Tarifverträgen festlegen. Bei den Leistungserbringern – darunter Ärzte, Spitäler, Apotheken – soll die Qualität ein zwingendes Kriterium bei der Vergütung werden.

Von einer Vergütung ausgeschlossen werden sollen hingegen Leistungen, welche die vom Bund geforderten Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht erfüllen. Auch die sogenannten Amtstarife – Medikamente, Mittel- und Gegenstände sowie Labortarife – sollen regelmässig nach diesen Kriterien überprüft werden.

Und schliesslich soll eine ausserparlamentarische Kommission periodisch die Kostenentwicklung in ausgewählten Bereichen überprüfen und Empfehlungen abgeben.

Teure Medikamente

Santésuisse nimmt auch die Medikamentenpreise ins Visier. Diese blieben im Vergleich zum Ausland sehr hoch, kritisiert der Krankenkassen-Dachverband und schreibt: «Mit regelmässigen Vergleichen der Medikamentenpreise und einer Angleichung an das Preisniveau in europäischen Vergleichsländern unter Berücksichtigung aller Rabatte könnte ein grosses Sparpotenzial ausgeschöpft werden.»

Zudem sollten die ambulanten Pauschaltarife rasch eingeführt, die Versorgungsplanung im ambulanten und stationären Sektor vorangetrieben und die Zulassungskontrolle für Leistungserbringer strikt eingehalten werden, so Santésuisse. (aeg/sda)

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115 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Shifty
27.01.2022 12:24registriert April 2021
Irgendwas von Teuerungsausgleich oder so...
Ah stimmt, die Löhne sind seit Jahren stagniert und die Kosten gehen munter hoch.
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Mareko
27.01.2022 12:53registriert Juli 2020
Bei anhaltend steigenden Mieten, Heizkosten, Versicherungsprämien und Lebensmittelpreisen frage ich mich, wie diese Aussage "Der Konsumentenpreisindex sank im Gegenteil leicht um 0.1 Prozent pro Jahr." zustande kommt. Für Niedriglöhner und AHV-Rentner sind diese andauernden KK-Prämienerhöhungen kaum mehr zu stemmen. Denn Löhne und Renten erhöhen sich nicht oder allenfalls minim. Wer den Gürtel schon ein paar Mal enger schnallen musste, findet bald kein weiteres Loch mehr.
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Alju
27.01.2022 12:26registriert März 2014
Das System schafft völlig falsche Anreize.

Finanziell gesehen ist meist entweder die höchste oder die niedrigste Franchise sinnvoll.

Wählt man die höchste Franchise, vermeidet man Arztbesuche, leider auch Solche, die langfristig Kosten sparen (Früherkennung usw.).

Umgekehrt bei der tiefsten Franchise:
- sobald die Franchise aufgebraucht ist, zahlt man (fast) nichts für Behandlungen - entsprechend reizt man dies aus und die Kosten schiessen in die Höhe.

Dazu kommt, dass Kosten für Behandlungen ungenügend kommuniziert werden.

Wie wäre es, wenn man diese zwei Probleme löst.
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