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Unsere Heimat: Ein kleiner blauer Planet, der eine durchschnittliche Sonne am Rand der Milchstrasse umkreist. 
Unsere Heimat: Ein kleiner blauer Planet, der eine durchschnittliche Sonne am Rand der Milchstrasse umkreist. 
Bild: NASA

Sind wir allein im All – oder gibt es Leben da draussen?

Der britische Starphysiker Stephen Hawking hat sich mit einem russischen Millionär zusammengetan, um die Suche nach ausserirdischem Leben voranzutreiben. Solange sie nicht fündig werden, wissen wir nicht, ob es nur auf der Erde Leben gibt. 
22.07.2015, 20:4323.07.2015, 09:23

Die Erde ist ein merkwürdiger Planet. Riesige Ozeane aus Wasser bedecken den grössten Teil ihrer Oberfläche, rund ein Fünftel ihrer Atmosphäre besteht aus dem aggressiven Gas Sauerstoff. Und sie ist voller Leben; vom winzigsten Virus bis zum Blauwal besetzen Myriarden von Lebensformen jeden geeigneten Winkel. 

Ausserhalb dieser Biosphäre aber ist: Nichts. So unendlich gross das Universum erscheint, nirgendwo haben wir bisher eine Spur von Leben gefunden, das nicht von unserem Heimatplaneten stammt. Sind wir tatsächlich völlig allein im Weltall?  

Stephen Hawking wirbt für die Suche nach Aliens

Diese Frage will das Projekt «Breakthrough Listen» beantworten. Die private Initiative zur Suche nach Leben im All, für die sich der berühmte britische Physiker Stephen Hawking stark macht, wird vom russischen Investor Yuri Milner finanziert. Einige der grössten und leistungsstärksten Teleskope der Welt sollen den Weltraum nach Spuren extraterrestrischen Lebens absuchen. 

Hawking bei der Vorstellung des Projekts «Breakthrough Listen».
Hawking bei der Vorstellung des Projekts «Breakthrough Listen».
Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

«Breakthrough Listen» ist nicht das erste Projekt, das sich der Suche nach ausserirdischem Leben verschrieben hat. Seit rund 55 Jahren horcht die SETI-Gemeinde («Search for extraterrestial Intelligence») das All ab. Manche der Wissenschaftler wollen nun sogar selbst Signale ins All senden – während andere dies verantwortungslos finden. 

«Wo sind denn alle?»
Enrico Fermi

Die Ungeduld der Astronomen hat einen Grund: Eigentlich müssten wir doch längst fündig geworden – oder eher gefunden worden sein. Der SETI-Forscher Dan Werthimer rechnete es 2014 vor einem Ausschuss des US-Kongresses vor: Allein in unserer Heimatgalaxie, der Milchstrasse, gibt es rund eine Billion (das sind tausend Milliarden oder eine Million Millionen) Planeten. Davon sind laut Werthimer 10 bis 80 Milliarden erdähnlich. Hinzu kommen grosse Monde, die Gasriesen umkreisen – ähnlich wie der bewohnbare Mond Pandora im Science-Fiction-Film «Avatar».

Dokumentation: «Avatar's ‹Pandora› Could be a Reality»

Millionen von intelligenten Zivilisationen?

Bei dieser riesigen Anzahl potenzieller Brutstätten für Leben müssten doch tausende oder gar Millionen von intelligenten Zivilisationen entstanden sein, darunter sicher ein paar, die uns technologisch weitaus überlegen wären. Der amerikanische Astrophysiker Frank Drake, der ebenfalls an «Breakthrough Listen» beteiligt ist, stellte eine nach ihm benannte Gleichung auf, mit der die Wahrscheinlichkeit einer ausserirdischen Intelligenz in der Milchstrasse berechnet werden kann – allerdings mit einer Reihe von Variablen, deren Wert derzeit höchst ungewiss ist. 

Dennoch: Bisher hat uns noch keine extraterrestrische Zivilisation besucht, und die SETI-Forscher haben noch kein einziges entsprechendes Signal aufgefangen. Der Physik-Nobelpreisträger Enrico Fermi fragte deshalb schon 1950: «Where is everybody?» («Wo sind denn alle?»). Diese Frage ist als Fermi-Paradoxon bekannt geworden. Es beruht auf folgenden Annahmen: 

  • Es gibt neben unserer eigenen noch mindestens eine weitere technologische Zivilisation in der Milchstrasse.
  • Diese Zivilisation ist fähig zu interstellarer Kolonisation.
  • Unsere Zivilisation ist durchschnittlich, also weder die erste, noch die am weitesten entwickelte und auch nicht die einzige, die Kontakt aufnehmen will. 
  • Die Kolonisierung der Milchstrasse dauert weniger als eine Milliarde Jahre. 
«Where is everybody?»: Enrico Fermi.
«Where is everybody?»: Enrico Fermi.
Bild: PD

Falls diese Annahmen allesamt zutreffen – was allerdings nicht feststeht –, ist das Fermi-Paradoxon nicht lösbar. Es gibt aber mehrere Lösungsvorschläge, die meistens eine der Grundannahmen bestreiten. 

Die Erde als seltene Ausnahme

Die sogenannte Rare-Earth-Hypothese geht davon aus, dass die Entstehung des Lebens auf der Erde das Ergebnis von vielen unwahrscheinlichen Zufällen ist. So mussten eine Vielzahl von Bedingungen erfüllt sein, damit sich komplexere Lebensformen entwickeln konnten – beispielsweise die Anwesenheit eines relativ grossen Mondes, der die Erdachse stabilisiert. 

Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass es zwar ausserirdische technologische Intelligenzen gibt, diese sich aber jeweils zwangsläufig selbst zerstören, bevor sie die Fähigkeit zur interstellaren Kolonisation erlangen. Dies würde dann wohl auch für uns gelten – eine eher deprimierende Aussicht. 

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Keine interstellaren Reisen

Angesichts der ungeheuren Distanzen im All ist es auch denkbar, dass keine Zivilisation, so weit fortgeschritten sie auch sein mag, die Fähigkeit zur interstellaren Kolonisation entwickeln kann. Allerdings könnten hochentwickelte Zivilisationen Sonden bauen, die sich zwar nur mit einem Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxis bewegen würden, aber sich selbständig reproduzieren könnten. Solche Roboter könnten die Milchstrasse in 10 bis 100 Millionen Jahren vollständig durchqueren – eine kurze Zeitspanne im Vergleich zu den 13 Milliarden Jahren, die unsere Galaxis schon auf dem Buckel hat. 

Ungeheure Distanzen: Die «Säulen der Schöpfung» im Adlernebel sind etwa 7000 Lichtjahre entfernt.
Ungeheure Distanzen: Die «Säulen der Schöpfung» im Adlernebel sind etwa 7000 Lichtjahre entfernt.
Bild: Wikipedia
«Are we alone in the universe? If we are, it is an awful waste of space!»
Carl Sagan

Wiederum eine andere Möglichkeit besteht darin, dass die Ausserirdischen die Erde bereits besucht haben, jedoch lange vor der Entstehung der Menschheit. Je nach Befindlichkeit reizvoll oder erschreckend ist die Vorstellung, dass weiter entwickelte Zivilisationen Kenntnis von uns haben, sich aber vor uns verbergen. Zum Beispiel, weil wir als geschützte oder unter Quarantäne gestellte Zivilisation in einer Art galaktischem Zoo lebten, ohne es zu ahnen. 

Sind die Aliens schon da?

Dass wir nichtsahnend von weiter entwickelten Aliens beobachtet werden, ist Bestandteil mancher Verschwörungstheorie von UFO-Gläubigen. Darüber machte sich der in Ungarn geborene Physiker Leó Szilárd lustig, der Fermis Frage «Wo sind denn alle?» mit dem Scherz beantwortete: «Sie leben bereits unter uns, aber wir nennen sie Ungarn.» 

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Die Frage nach der Existenz ausserirdischen Lebens – zumal intelligenten Lebens – kann mit dem derzeitigen Wissensstand nicht befriedigend beantwortet werden. Sicher ist, dass die Beweislast bei denen liegt, die extraterrestrisches Leben für möglich halten. 

Möglicherweise halten wir uns am besten an Carl Sagan. Der amerikanische Astrophysiker und Wegbereiter für die Suche nach ausserirdischen Intelligenzen schrieb den Roman «Contact», der 1997 mit Jodie Foster in der Hauptrolle verfilmt wurde. Darin wird sein Spruch zitiert: «Are we alone in the universe? If we are, it is an awful waste of space!» («Sind wir allein im Weltraum? Wenn dem so ist, dann ist das eine unglaubliche Verschwendung von Raum!»)

Trailer zum Science-Fiction-Film «Contact».

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quelle: nasa/esa
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