Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Chai Ling, Wang Dan, Feng Congde und Li Lu – vier der 21 meistgesuchten Tiananmen-Aktivisten. Bild: Reuters

Operation Gelber Vogel

Wie die Tiananmen-Anführer aus China entkamen und was aus ihnen wurde

Nach dem Tiananmen-Massaker 1989 landeten 21 Studentenführer auf einer «schwarzen Liste». Einigen gelang die Flucht nach Hongkong, dank «Operation Gelber Vogel».



Am 4. Juni 1989 marschierte die Volksbefreiungsarmee auf: In einem blutigen Einsatz schlug sie die Studentenbewegung nieder, die seit fast zwei Monaten den Tiananmen-Platz im Zentrum von Peking besetzt hatte. Schätzungen zufolge kamen bis 3000 Menschen ums Leben, zu einem grossen Teil Einwohner der Hauptstadt, die die Protestierenden schützen wollten.

Zahlreiche Studenten konnten nach Verhandlungen mit der Armee den Platz des Himmlischen Friedens gewaltlos verlassen, darunter mehrere Anführer. In den Tagen danach begann die Hetzjagd der Behörden, 21 Studentenführer wurden öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Einige wurden gefasst, doch acht von ihnen gelang die Flucht nach Hongkong, nachdem sie sich teilweise monatelang in China versteckt gehalten hatten.

Bild

Das Fahndungsplakat für die 21.

Verantwortlich dafür war eine der spektakulärsten Rettungsaktionen der Geschichte: Operation Gelber Vogel. Benannt wurde sie nach einem chinesischen Sprichwort: «Die Gottesanbeterin verfolgt die Zikade, ohne den gelben Vogel hinter sich zu bemerken.» Eine abenteuerliche Allianz hatte sich gebildet, um Tiananmen-Aktivisten ausser Landes zu bringen: Beteiligt waren Bosse der Triaden, der Hongkonger Mafia, Polizisten, Geschäftsleute, kommunistische Funktionäre mit Sympathien für die Studenten und westliche Geheimdienste.

Die Angaben über die Zahl der Geretteten gehen auseinander, es sollen zwischen 400 und 800 gewesen sein. Unter ihnen befanden sich neben Aktivisten auch flüchtige Soldaten und Polizisten. Die meisten wurden mit Booten nach Hongkong gebracht, doch es gab auch ausgefallenere Methoden. Chai Ling, Nummer vier auf der Liste der 21 «Meistgesuchten», wurde nach zehn Monaten Versteckspiel in einem Frachtcontainer mit fauligem Fisch transportiert. Die Operation Gelber Vogel dauerte bis zur Rückgabe der britischen Kolonie Hongkong an China 1997.

Was aber geschah mit den 21 «Most Wanted»? Drei leben auf der Insel Taiwan, elf in den USA und sieben noch immer in China. Einen Überblick über ihr Schicksal liefert das Multimedia-Special der Hongkonger Zeitung South China Morning Post. Hier die Prominentesten:

Wang Dan, Nummer 1

Chinese dissident Wang Dan attends a news conference on Human Rights Day in Taipei December 10, 2012. Wang urged Chinese government to release jailed Chinese dissident Liu Xiaobo and his wife Liu Xia, local media reported. The words in the background read

Bild: © Pichi Chuang / Reuters/

Der ehemalige Geschichtsstudent organisierte auf dem Tiananmen einen Hungerstreik und brachte es so zu internationaler Bekanntheit und zum Status als meistgesuchter Anführer der Protestbewegung. Am 2. Juli 1989 wurde er verhaftet. Bis 1993 und erneut ab 1996 sass er im Gefängnis. Im Vorfeld eines Besuchs von US-Präsident Bill Clinton 1998 durfte er aus «gesundheitlichen Gründen» in die USA ausreisen. Heute lebt der 45-jährige Wang Dan als Universitätsdozent in Taiwan und engagiert sich weiterhin für Demokratie auf dem Festland. Er setzt darauf, dass die jüngere Generation «sich früher oder später erhebt, um zu kämpfen».

Wuer Kaixi, Nummer 2

To go with China-Tiananmen-anniversary-history,FOCUS by Amber WANG, Carol HUANG in Beijing
In this picture taken on April 4, 2014, Chinese dissident Wuer Kaixi (R) speaks during an interview by AFP at the National Taiwan University (NTU) in Taipei.  A quarter of a century after Communist authorities crushed the Tiananmen Square demonstrators and their hopes of reform, protest leader Wuer Kaixi still lies awake at night, haunted by the dead and their unrealised dreams.   AFP PHOTO / SAM YEH

Bild: AFP

Nach zehn Wochen im Untergrund und zwei gescheiterten Fluchtversuchen wurde Wuer, Angehöriger der muslimischen Minderheit der Uiguren, dank Operation Gelber Vogel mit einem Boot nach Hongkong gebracht. Für den prominenten Aktivisten verlangten die Schlepper 600'000 HK$ (etwa 60'000 Franken). Er studierte in San Francisco und lebt in Taiwan. «Ich bereue meine Handlungen nicht, aber der Preis war gigantisch», sagte der 46-Jährige der Financial Times. Aus Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Eltern wollte Wuer Kaixi sich mehrfach den chinesischen Behörden stellen, doch die wollen nichts von ihm wissen. Sein vorerst letzter Versuch scheiterte im letzten Herbst in Hongkong, ihm wurde die Einreise verweigert.

Liu Gang, Nummer 3

Liu Gang, a leading Chinese dissident, speaks on the phone at a friend's apartment in Cambridge, Mass., Friday, May 3, 1996. Liu, who served a six-year prison sentence for his role as a leader of the 1989 Tiananmen Square democracy movement, fled China on April 27 with the help of human rights groups, and is seeking political asylum in the United States. (AP Photo/Elise Amendola)

Bild: AP

Der heute 53-Jährige studierte damals Physik und hatte eine führende Rolle bei den Protesten. Elf Tage nach dem Armeeeinsatz wurde er verhaftet und sass bis 1995 im Gefängnis. Im folgenden Jahr konnte er mit Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen in die USA ausreisen. Heute arbeitet Liu als IT-Spezialist für die Investmentbank Morgan Stanley, ausserdem unterstützt er nach wie vor Bestrebungen für Demokratie in China.

Chai Ling, Nummer 4

Chai Ling, a former student leader during the Tiananmen Square protests, speaks as U.S. Representative Chris Smith (R-NJ) stands behind her during a news conference on Capitol Hill in Washington, January 18, 2011. Chai Ling discussed forced abortions under one-child policy in China. U.S. Representatives Chris Smith (R-NJ) and Frank Wolf (R-VA) hosted the news conference to draw attention to human rights violation in China on the occasion of Chinese President Hu Jintao's State visit with President Barack Obama.  REUTERS/Hyungwon Kang   (UNITED STATES - Tags: POLITICS) - RTXWQZH

Bild: © Hyungwon Kang / Reuters

Die bekannteste Frau auf dem Tiananmen konnte mit ihrem damaligen Ehemann Feng Congde (Nummer 13 auf der Liste) nach Hongkong fliehen (siehe oben). Die 48-Jährige lebt in den USA. Sie ist Geschäftsfrau, gläubige Christin und engagiert sich unter anderem mit einer wohltätigen Organisation gegen die Folgen der Ein-Kind-Politik in China.

Wang Chaohua, Nummer 14

Wang Chaohua, ehemalige Tiananmen-Aktivistin

Als Studentin der Literatur auf dem Tiananmen aktiv, konnte sie nach sechs Monaten im Untergrund aus China fliehen. Sie reiste nach Kalifornien, wo sie heute als Autorin und Wissenschaftlerin lebt.

Li Lu, Nummer 19

Li Lu,  founder and Chairman of Himalaya Capital Management, speaks at the Sohn Investment Conference in New York, May 8, 2013. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATES - Tags: BUSINESS) - RTXZFB6

Bild: © Brendan McDermid / Reuters

Er hat sich ideologisch wohl am weitesten von seiner Vergangenheit als Tiananmen-Aktivist entfernt. Nach seiner Flucht dank Operation Gelber Vogel zog Li in die USA. Dort gründete der heute 48-Jährige den Hedgefonds Himalaya Capital, der eng mit Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway zusammenarbeitet. Li wird gar als möglicher Buffett-Nachfolger gehandelt. Er kann als einer der wenigen damaligen Studentenführer wieder problemlos nach China reisen. Mit Tiananmen will Li Lu nichts mehr zu tun haben, Anfragen für Interviews zu dem Thema blockt er konsequent ab.

Xiong Yan, Nummer 21

Bild

Das «Schlusslicht» auf der 21er-Liste hat ebenfalls eine illustre Karriere gemacht. Nach 19 Monaten Haft konnte Xiong 1992 in die USA flüchten. Dort studierte der heute 49-Jährige Theologie und verpflichtete sich als Feldprediger bei der US-Armee. In dieser Funktion diente er unter anderem im Irak-Krieg. Wie die meisten seiner damaligen Kampfgefährten engagiert sich Xiong noch heute für die Demokratiebewegung in China.

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

67
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

70
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

91
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

96
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

40
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

159
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

46
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

67
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

70
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

91
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

96
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

40
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

159
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

46
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Kurdin, Jesidin, Deutsche: Warum Düzen Tekkal nicht mehr schlafen kann

Düzen Tekkal (41) ist derzeit die wichtigste Stimme der Kurden in Deutschland. Im Interview sagt sie, dass es noch nicht zu spät ist, Rojava zu retten. «Aber jetzt muss schnell gehandelt werden.»

Wenn Düzen Tekkal einmal loslegt, dann gleich richtig. Die Deutsche mit kurdisch-jesidischen Wurzeln nimmt kein Blatt vor den Mund. Seit Wochen kritisiert sie den türkischen Angriffskrieg in Rojava öffentlich und in einer scharfen Deutlichkeit: dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan völkerrechtswidrig handelt, dass er eine ethnische Säuberung vornimmt, dass er mit seinem Handeln dem Islamischen Staat zu neuer Kraft verhilft.

Tekkal ist derzeit die wichtigste Stimme der Kurden in …

Artikel lesen
Link zum Artikel