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Auch dank Windpocken-Impfung: Alzheimer-Risiko ist gesunken

Altes Paar
Im letzten Jahrhundert haben sich die Risikofaktoren stark verändert.Bild: Shutterstock

Alzheimer-Risiko drastisch gesunken – das sind die Gründe

Je älter eine Bevölkerung, desto mehr Demenz-Diagnosen werden gestellt. Dabei geht komplett vergessen, dass das Risiko, zu erkranken, in den letzten 40 Jahren extrem gesunken ist. Ein Faktor ist die Windpocken-Impfung.
15.02.2026, 18:3016.02.2026, 10:37
Sabine Kuster / ch media

Doch auch andere Risikofaktoren für Demenz sind bekannt und einige davon wurden im 20. Jahrhundert immer besser behandelbar. Dazu gehören Diabetes, ein hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, der Hör- und der Sehverlust. Gleichzeitig hatten die frühen Jahrgänge noch öfter mit Mangelernährung und Traumata in der frühen Kindheit zu kämpfen, während der Weltwirtschaftskrise und der beiden Weltkriege. Danach wurde das Leben besser.

Eine Impfung kann das Risiko bereits jetzt reduzieren: Es ist die Varizellen-Impfung gegen Windpocken beziehungsweise Herpes Zoster. Zwei Studien mit Daten aus Wales und aus Australien zeigten letztes Jahr, dass das Risiko, an Demenz zu erkranken, bei den Geimpften um 20 Prozent reduziert war. Und eine Erhebung aus Kanada bestätigte dies soeben. Hier wurde nur mit dem Lebendimpfstoff Zostavax und Ungeimpften verglichen. Doch die Shingrix-Impfung hatte in einer «Nature»-Studie 2024 sogar einen noch höheren Effekt gezeigt.

Doch wie extrem das persönliche Risiko, zu erkranken, gleichzeitig zurückgegangen ist, geht vergessen: Tatsächlich gingen die Demenzfälle nach Altersgruppen in den USA zwischen 1984 und 2024 um zwei Drittel zurück! Darüber berichteten 2025 drei Hirnforschende der Duke University School of Medicine in Amerika und belegten dies für mehrere Länder, nicht nur für die USA: Auch in Schweden, den Niederlanden, Grossbritannien und Frankreich konnte derselbe Verlauf beobachtet werden – und das, obwohl sich die Erhebungsmethoden unterschieden.

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bild: ch media

Die Forschenden zeigen in einer eindrücklichen Grafik, wie der Anteil an Demenzerkrankten tiefer und tiefer wurde – je später eine Altersgruppe geboren wurde. Während unter allen 85-89-Jährigen, die zwischen 1895 und 1899 in den USA geboren wurden, 30 Prozent Demenz hatten, ist dies bei derselben Altersgruppe, die zwischen 1935 und 1939 geboren wurde, nur noch bei 13 Prozent der Fall.

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bild: ch media

Und wer 2024 zwischen 85 und 89 Jahre alt war, hatte nur noch ein 10-prozentiges Risiko, dement zu sein.

Was hat unsere Gehirne gesund gehalten?

«Diese Rückgänge waren unerwartet und wurden grösstenteils ignoriert», schrieben die Forschenden. Pro Jahr sei der Rückgang jeweils um 2,5 bis 3 Prozent erfolgt und es sei keine Verlangsamung des Rückgangs absehbar.

Was also hat die Gehirne der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Geborenen gesünder gemacht? Und wird dieser Trend anhalten bei jenen, die später geboren sind?

Nur eine Studie habe zwei mögliche Faktoren identifiziert, schreiben die Forschenden: der Rückgang des Rauchens und das steigende Bildungsniveau (vermutlich speziell jenes der Frauen).

Doch auch andere Risikofaktoren für Demenz sind bekannt und einige davon wurden im 20. Jahrhundert immer besser behandelbar. Dazu gehören Diabetes, ein hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, der Hör- und der Sehverlust. Gleichzeitig hatten die frühen Jahrgänge noch öfter mit Mangelernährung und Traumata in der frühen Kindheit zu kämpfen, während der Weltwirtschaftskrise und der beiden Weltkriege. Danach wurde das Leben besser.

Positive Entwicklungen auch in jüngerer Zeit

Die Anzahl der Raucher begann ab 1965 langsam zu sinken, als die Folgen des Konsums bekannt wurden. Antidepressiva kamen auf. Ab den 1970er-Jahren begann auch der Alkoholkonsum zu sinken. In den 1980er-Jahren stieg besonders in der Schweiz die Luftqualität, die ebenfalls ein Faktor für Gehirngesundheit ist. Diese jüngeren Entwicklungen sind positive Zeichen dafür, dass sich dieser Trend bei den späteren Jahrgängen nun fortsetzen wird. Die Forschenden schreiben: «Wenn der Effekt anhält, wird die zukünftige Belastung durch Demenz erheblich geringer ausfallen als derzeit prognostiziert.»

Summer vacation guest at Lido Mappo campground Sophie Marty, a centenarian from Lucerne, is pictured with her daughter Yvonne and Tommaso Pedrazzini, campground director, in Tenero, Switzerland, Thurs ...
Nicht nur die Herzen der Seniorinnen und Senioren sind heute gesünder – auch die Gehirne. Spazierende in Tenero.Bild: keystone

Auch die Gendermedizin nimmt erst jetzt Fahrt auf – sie wird künftig vielleicht erklären, warum so viel mehr Frauen an Alzheimer erkranken. Und auch so könnten weitere Risikofaktoren ausgeschaltet werden. Das ist wichtig, denn wie die Forschenden schreiben: «In einer Zeit, in der kognitive Fähigkeiten wichtiger denn je sind», sei es wichtig zu handeln.

«Die nachfolgenden Generationen können wieder mehr Probleme haben.»
Bogdan Draganski, Professor für Demenzen und neurodegenerative Krankheiten

Doch andere Risiken sind im Laufe der letzten 130 Jahre hinzugekommen oder haben sich erhöht: speziell Übergewicht und Bewegungsmangel. Und Diabetes ist zwar gut behandelbar, aber auch viel häufiger geworden. Und anders als in den eingangs genannten europäischen Ländern gab es übrigens in Japan keine positiven Trends in der Vergangenheit. Und je nach Bevölkerungsgruppe war das auch in den USA nicht der Fall: Bei der afroamerikanischen Bevölkerung waren sogar steigende Inzidenzen feststellbar.

Aargauer Zeitung, 09.02.2026:
Immer mehr Alzheimer? Nein! Die Krankheit pro Kopf nahm drastisch ab

Bogdan Draganski, Professor für Demenzen und neurodegenerative Krankheiten.
Bogdan Draganski.Bild: zvg

Andere Expertinnen und Experten denken daher, dass die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, wieder zunehmen könnte. Bogdan Draganski, Leiter der universitären Memory Clinic am Inselspital in Bern, sagt, er erwarte zumindest nicht, dass der Abwärtstrend bei Demenz anhalte. «Die Generation der Nachkriegszeit hat friedlich und gut gelebt. Die nachfolgenden Generationen können wieder mehr Probleme haben. Doch das sind Vermutungen.» Die Forschung dazu und das Sammeln der Daten hätten erst jetzt richtig begonnen.

Eine Impfung reduziert das Demenzrisiko bereits

Manche denken, dass es dereinst sogar eine Impfung geben wird, welche vor Demenz schützen wird. Dies, weil es dem Immunsystem offensichtlich mit zunehmendem Alter nicht mehr gelingt, gewisse schädliche Proteine aus den Hirnstrukturen wegzuräumen.

Eine Impfung kann das Risiko bereits jetzt reduzieren: Es ist die Varizellen-Impfung gegen Windpocken beziehungsweise Herpes Zoster. Zwei Studien mit Daten aus Wales und aus Australien zeigten letztes Jahr, dass das Risiko, an Demenz zu erkranken, bei den Geimpften um 20 Prozent reduziert war. Und eine Erhebung aus Kanada bestätigte dies soeben. Hier wurde nur mit dem Lebendimpfstoff Zostavax und Ungeimpften verglichen. Doch die Shingrix-Impfung hatte in einer «Nature»-Studie 2024 sogar einen noch höheren Effekt gezeigt.

Herpes-Viren waren schon länger im Verdacht, eine Demenz zu begünstigen. Offenbar hilft eine Impfung sogar dann noch, wenn erste Symptome bereits da sind. Bei Männern ist der Effekt weniger deutlich.

Der amerikanische Arzt Eric Topol formulierte den Befund kürzlich auf der Medien-App Substack so: «Wenn diese Impfung ein Medikament wäre und es das Risiko von Alzheimer um 20 Prozent reduzieren würde, wäre das der grosse Durchbruch.»

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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stronghelga
15.02.2026 18:56registriert März 2021
Ein dramatisches Ergebnis.

Insbesondere die Impfgegner werden für weiterhin zahlreiche (Früh-) Demenzfälle sorgen.

Selbst wenn die Impfung „nur” ein Faktor unter mehreren ist, sind Impfgegner oft genau in mehreren dieser Risikofelder gleichzeitig schlechter aufgestellt. Und dann wird aus einem theoretischen Risiko ziemlich real ein gesellschaftliches Problem.

Das Bittere daran ist, das trifft später nicht nur sie selbst, sondern auch Angehörige, Pflegepersonal und das gesamte Gesundheitssystem.
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