7 Sex-Mythen, die du getrost vergessen kannst
«Männer haben mehr Lust als Frauen»
Es heisst oft, Männer hätten von Natur aus ein grösseres sexuelles Verlangen. Studien zeigen jedoch hauptsächlich Unterschiede im Ausdruck sexueller Lust, keine biologische Hierarchie. Männer berichten im Durchschnitt mehr von spontaner Lust oder Fantasien, während die weibliche Libido häufiger vom emotionalen und beziehungsmässigen Kontext abhängt.
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Das Problem dabei: Viele Männer können angesichts dieser Vorstellung Scham über einen möglichen Mangel an sexueller Lust empfinden und sich unter Druck gesetzt fühlen, immer die Initiative zu ergreifen.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
«Es kommt auf die Grösse an»
Die Penisgrösse muss oft als Gegenstand von Witzen herhalten, ja viele glauben immer noch, dass ein grösserer Penis automatisch zu mehr sexueller Befriedigung beim Partner führt. Tatsächlich geben 45 % der heterosexuellen und 38 % der schwulen und bisexuellen Männer an, sich wegen ihrer Penisgrösse unsicher zu fühlen. Allerdings konnte in Studien bisher kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Penislänge und allgemeiner sexueller Zufriedenheit bei der Partnerin oder dem Partner nachgewiesen werden.
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Die Mehrheit der heterosexuellen Frauen hingegen gibt an, dass ihr die Penisgrösse egal ist, und 85 % sagen, sie seien mit derjenigen ihres Partners zufrieden. Die Sexualwissenschaftler Masters und Johnson kamen bereits zum Schluss, dass die Entstehung weiblicher Lust physiologisch nicht von diesem Faktor abhängt, da die Vagina ein anpassungsfähiges Organ ist und Lust vielmehr von gezielter Stimulation, Interaktion und sexueller Kommunikation abhängt.
«Sex bedeutet Penetration»
Sexualwissenschaftlerinnen beklagen häufig, dass Menschen in bestimmten sexuellen Szenarien verharren: nämlich im Vorspiel, das in der Penetration gipfelt. Diese reduktionistische Denkweise, die die Penetration zum einzig «wahren Sex» erhebt, reduziert nicht nur andere sexuelle Handlungen auf blosse Schritte ohne intrinsischen Wert, sondern trägt auch zur anhaltenden Lustlücke zwischen Männern und Frauen beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr bei.
Eine Studie ergab, dass nur 18 % der Frauen allein durch Penetration einen Orgasmus erreichten, während 37 % angaben, zusätzlich klitorale Stimulation zu benötigen, um beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus zu erreichen.
Dr. Laurie Mintz, emeritierte Professorin für Psychologie an der Universität von Florida, geht noch weiter und behauptet in ihrem Buch Becoming Cliterate, dass der Prozentsatz der Frauen, die allein durch Penetration einen Orgasmus erreichen, nur bei 4 % oder weniger liegt.
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Sex mit Penetration gleichzusetzen, schliesst auch Menschen aus, die auf andere Weise Intimität ausleben. Beispielsweise schwule Männer, die keinen Analsex haben, Menschen, die durch Oralsex grössere sexuelle Befriedigung finden, oder auch diejenigen, die einfachen Körperkontakt bevorzugen.
«Alle anderen haben ein aktiveres Sexualleben als ich»
Dieser Mythos begleitet moderne Menschen ihr ganzes Leben lang, von der Jugend bis ins mittlere Alter. In einer Beziehung – insbesondere in einer langjährigen – ist es nicht ungewöhnlich, das Gefühl zu haben, eine Phase sexueller «Flaute» zu durchleben. Um dieses Gefühl einzuordnen, ist es wichtig zu wissen, dass die sexuelle Aktivität in den letzten Jahren allgemein deutlich abgenommen hat, aus Gründen, die noch immer nicht vollständig erforscht sind.
In einer 2023 von «Blick» durchgeführten Umfrage unter mehr als 1000 Personen in der Romandie gaben die Befragten an, nur noch 1,4 Mal pro Woche Sex zu haben – im Vergleich zu 2,3 Mal im Jahr 2003. Dieser Rückgang spiegelt sich in allen Kategorien wider: Männer, Frauen, Jung, Alt, in einer Partnerschaft oder Single.
Bei Paaren, die weniger als 10 Jahre zusammen sind, ist der Durchschnitt auf 2,1 Mal pro Woche gestiegen, bei Paaren, die länger als 10 Jahre zusammen sind, auf 1,2 Mal. Berücksichtigt man alle Paare, ergibt das im Durchschnitt 6 Mal pro Monat.
«Fehlende Erektion oder Gleitfähigkeit bedeutet mangelnde Lust»
Es ist wichtig, das Ausbleiben einer Erektion oder Lubrikation bei der Partnerin oder dem Partner nicht als Zeichen der Ablehnung zu deuten. Wie James Earl, ein auf Sexualität und Beziehungen spezialisierter Therapeut, dem Guardian erklärt, sind Körper und Geist nicht immer im Einklang. «Manchmal bekommen Männer eine Erektion, ohne erregt zu sein, genauso wie Frauen feucht sein können, ohne Lust zu verspüren.»
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«Man kann auch aufgeregt oder verliebt sein, ohne so befeuchtet zu sein, wie man es sich wünschen würde», fügt Dr. Debby Herbenick, Direktorin des Zentrums für sexuelle Gesundheitsförderung an der Indiana University School of Public Health, in der New York Times hinzu.
Ein weiterer wichtiger Punkt für Frauen: Scheidentrockenheit tritt zwar häufiger bei älteren Frauen auf, kann aber in jedem Alter vorkommen. Schätzungsweise 17 % der Frauen zwischen 18 und 50 Jahren erleben beim Geschlechtsverkehr Scheidentrockenheit, im Vergleich zu über 50 % nach den Wechseljahren. Verschiedene Faktoren können dazu beitragen: Stillen, die Perimenopause, bestimmte Medikamente oder Verhütungsmethoden.
«Analsex ist nur für Homosexuelle»
«Heterosexuelle Männer neigen dazu, Analsex als homosexuelle Praxis zu betrachten», bemerkt die Sexualwissenschaftlerin Silva Neves im «Guardian».
Im Gegenteil: Alle können Analsex geniessen, unabhängig von Genitalien, Geschlecht oder sexueller Orientierung. «Viele heterosexuelle Männer geniessen Analsex. Er stimuliert die Prostata (eine Drüse zwischen Penis und Enddarm), was sehr lustvoll sein kann.»
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Manche Männer schämen sich jedoch schon beim Gedanken an Analsex und sind weniger daran interessiert, sich über sichere Praktiken zu informieren. Wenn die Neugierde siegt, hier ein Tipp: langsam und behutsam vorgehen, Schritt für Schritt, denn die Analschleimhaut ist empfindlich. Die Expertin empfiehlt die Verwendung von reichlich Gleitmittel und gegebenenfalls eines speziell für die Prostata-Massage entwickelten Sexspielzeugs.
«Geplanter Sex ist langweilig»
Spontaner Sex gilt oft als intensiver und «echter» als geplanter Sex. Studien zur sexuellen Zufriedenheit zeigen jedoch, dass Planung die Qualität des Geschlechtsverkehrs sogar verbessern kann, da sie Leistungsängste reduziert, Zeit für das Ausdrücken der eigenen Begehren mit der Partnerin oder dem Partner ermöglicht und eine angenehme Atmosphäre schafft, die häufig mit einem besseren Erlebnis für beide Personen einhergeht.
Menschliche Sexualität ist nicht eine ausschliesslich impulsive Reaktion. Verlangen kann durch Vorfreude, emotionale Verbundenheit, Rollenspiele oder einvernehmliche Stimulation ausgelöst oder verstärkt werden. Und wie die Psychologin Dr. Lori Brotto in der «Times» betont:
Für viele Paare verbessert die bewusste Einplanung von Intimität die gegenseitige Kommunikation, fördert das Ausprobieren neuer Praktiken und bekräftigt sowohl das Vergnügen als auch das spontane Verlangen. Sie ermöglicht es auch, die Erregung zu steigern.
