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Menschheit war vor 900'000 Jahren fast ausgestorben

Vor 900'000 Jahren wurde es eng für uns: Als die Menschheit fast ausstarb

Das Schicksal der Menschheit hing vor etwa 900'000 Jahren am seidenen Faden. Dass es den modernen Menschen überhaupt gibt, hängt wohl mit einer Entdeckung zusammen.
03.09.2023, 13:5203.09.2023, 13:57
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t-online

Auf der Erde leben acht Milliarden Menschen. Sie bevölkern fast jeden Winkel des Planeten, beuten Ressourcen aus und sorgen dafür, dass täglich unzählige Tier- und Pflanzenarten aussterben. «Hätten wir vor 800'000 bis 900'000 einen Blick auf unsere Erde werfen können, hätte das Bild ganz anders ausgesehen», schreibt jetzt eine chinesisch-italienische Forschergruppe in der Fachzeitschrift «Science». Denn damals gab es gerade einmal 1000 Steinzeitmenschen.

Rekonstruktion eines Homo heidelbergensis
Rekonstruktion eines Mannes der ausgestorbenen Menschenart Homo heidelbergensis. Bild: Smithsonian National Museum of Natural History

Unfassbar, aber wahr. Unsere direkten Vorfahren waren den Erkenntnissen nach vor etwa 900'000 Jahren zu fast 99 Prozent ausgestorben. Damals – wir sprechen von einer Zeit weit vor der Entstehung des Homo sapiens – seien nur noch 1000 bis 1300 fortpflanzungsfähige Individuen übrig gewesen. Ungefähr 117'000 Jahre lang war die Welt fast menschenleer, was laut der Forscher wahrscheinlich auf Klimaveränderungen mit Vergletscherungen, Trockenheit und Kälte zurückzuführen ist.

Diese Krise der Menschheit deckt sich mit dem Fakt, dass aus der Zeit fast keine afrikanischen und eurasischen Fossilienfunde bekannt sind. Besonders betroffen vom Schwund war wohl der Homo heidelbergensis, aus dem sich vor etwa 300'000 Jahren neben dem Homo sapiens auch der Neandertaler und der Denisova-Mensch entwickelten.

Wie das Team um Wangjie Hu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai zu seinen Erkenntnissen kam?

Die Forscher stützen ihre Kalkulationen auf die Analyse der Genome von 3154 heutigen Menschen verschiedener Herkunft. Mit einem neuen komplexen Verfahren zur Analyse genetischer Varianten ermittelten sie frühere Populationsgrössen und sprechen von einem «Flaschenhals». Ab der Zeit vor etwa 813'000 Jahren habe sich die Menschen-Population wieder erholt und sei schnell gewachsen.

Dieses Bevölkerungswachstum sei höchstwahrscheinlich dem Umstand zu verdanken, dass der Mensch es schaffte, Feuer zu kontrollieren und für seine Zwecke nutzbar zu machen. So konnten unsere Ahnen ihr Überleben in einer feindlichen, kalten Welt sichern.

Verwendete Quellen:

  • Science.org: "Genomic inference of a severe human bottleneck during the Early to Middle Pleistocene transition" (englisch, kostenpflichtig)

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430'000 Jahre altes Neandertaler-Erbut
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430'000 Jahre altes Neandertaler-Erbut
Menschen aus der Sima de los Huesos (künstlerische Darstellung): Bei den 430'000 Jahre alten Fossilien aus Spanien haben Forscher das mit Abstand älteste Neandertaler-Erbgut gefunden.
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101 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Peppy
03.09.2023 16:08registriert Juli 2023
Vor ca 2500 Jahren wurde es aber nochmals richtik prekär, zum Glück hat aber Noah eine Arche gebaut 🙈.
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Ahab
03.09.2023 15:52registriert November 2020
Nun ja, und noch immer versuchen wir verzweifelt, uns die Erde Untertan zu machen, was gelinde gesagt, der grösste Fehler überhaupt ist. Alle anderen Lebewesen leben mit der Erde, akzeptieren die Gesetze von Mutter Erde. Das, was die Urvölker auch so gemacht haben, haben wir vor rund 10 000 Jahren aus der Hand gegeben, indem wir sesshaft wurden und Ackerbau betrieben. Und endgültig mit Mutter Erde haben wir gebrochen, als die Industrialisierung aufkam vor gut 200 Jahren - von da an ging es rasend schnell: Über acht Milliarden Menschen, Probleme zu Hauf, und niemand weiss, was zu tun ist.
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Don't look up!
03.09.2023 15:08registriert Juni 2021
Ok, das spricht alles für Prometheus.
Wir sollten wohl die griechischen Götter nicht zu früh abschreiben!
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