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Diese Sex-Tipps aus der Antike sind ziemlich deftig

Puttana – Affresco di Pompei
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=736525
Dieses erotische römische Fresko zeigt ein Paar beim Coitus a tergo.Bild: Wikimedia/Museo Archeologico Nazionale, Napoli

Diese Sex-Tipps aus der Antike sind ziemlich deftig

26.05.2024, 17:23
Daniel Huber
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Sex in der Antike – wer denkt da nicht an dekadente römische Orgien oder freizügige Darstellungen auf griechischen Vasen? Dass es damals ziemlich wild zur Sache gegangen sein muss, legt doch schon die Tatsache nahe, dass unser erotisches Vokabular mit vielen Begriffen glänzt, die aus der lateinischen und griechischen Sprache entlehnt sind: Cunnilingus, Fellatio, Koitus, Pornographie oder Prostitution.

Die Wirklichkeit, soweit sie uns bekannt ist, sieht allerdings deutlich differenzierter aus. Das liegt zum einen schlicht daran, dass die griechisch-römische Antike einen Zeitraum von rund anderthalb Jahrtausenden umfasst, in denen sich die griechische und die römische Gesellschaft erheblich wandelten. Zum anderen betrachten wir diese längst im Nebel der Vergangenheit versunkene Welt mit modernen Augen und laufen daher Gefahr, antike Vorstellungen mit heutigen Kategorien zu vermischen.

Darstellung des Cunnilingus auf einem Fresko in Pompeji (vor 79 n. Chr.)
https://de.wikipedia.org/wiki/Cunnilingus#/media/Datei:Sexual_scene_on_pompeian_mural.jpg
Cunnilingus auf einem Fresko in Pompeji.Bild: Wikimedia

Ein Beispiel dafür ist die männliche Homosexualität. Die berüchtigte griechische Knabenliebe (Päderastie) wird oft als Beleg dafür herangezogen, dass Homosexualität im antiken Griechenland weitverbreitet und völlig akzeptiert gewesen sei. Doch die Päderastie war bestimmten Regeln unterworfen – so spielte neben der mehr oder minder ausgeprägten sexuellen Komponente auch ein pädagogischer Anspruch eine Rolle: Der ältere Beziehungspartner sollte den Jugendlichen zu «männlicher Tugend» erziehen.

Päderastische Werbungsszene traditionelle Oben-Unten-Position; Attisch-schwarzfigurige Amphore mit Zeichnungen des Malers von Cambridge 47; 6. Jahrhundert v. Chr.; Staatliche Antikensammlungen und Gly ...
Der ältere Mann («Erastes» genannt) umwirbt auf dieser Darstellung auf einer Amphore einen jugendlichen Mann («Eromenos»).Bild: Wikimedia

Zudem war nur der Schenkelverkehr gesellschaftlich akzeptiert, der Analverkehr hingegen galt als verpönt, da er die männliche Identität des empfangenden Partners infrage stellte. Aus demselben Grund waren homosexuelle Beziehungen zwischen erwachsenen Männern gesellschaftlich geächtet, da die passive Sexualrolle als «weibisch» und für Männer entehrend galt. Das heutige westliche Verständnis von Homosexualität unterscheidet sich davon und die Grenzen des gesellschaftlich Akzeptierten verlaufen anders.

Antike Aphrodisiaka

Anders als heute waren in der Antike auch die Mittelchen und Tipps, die Ratsuchenden zu einem erfüllten Sexualleben verhelfen sollten. Verbreitet waren Liebeszauber und -tränke, um begehrte Menschen an sich zu binden, und eine Vielzahl von Aphrodisiaka, die Potenz und Lust steigern sollten. Die Wirksamkeit dieser Zauber und Mittelchen darf mit Fug bezweifelt werden – eine Salbe aus Eselsmist wirkt vermutlich weniger zuverlässig als eine Viagra-Tablette.

Aphrodisiakum
Ein Aphrodisiakum (Plural: Aphrodisiaka, Adjektiv: aphrodisisch) ist ein Mittel zur Steigerung, Wiedererweckung, Belebung der Libido, der sexuellen Begierde und des sexuellen Lustempfindens. Es wirkt spezifisch reizend und erregend auf die Geschlechtsorgane. Der Name stammt aus dem Griechischen und ist von Aphrodite, der Göttin der Liebe, und ihrem Fest Aphrodisia abgeleitet.

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Aphrodisiaka
Auch der sexuelle Appetit, so glaubte man bereits in der Antike, kommt mit dem Essen. Damals schon gab es eine Vielzahl von aphrodisischen Mitteln – meist essbare Substanzen, von denen man annahm, sie würden die fleischliche Lust wecken oder steigern. Bild: Darstellung eines Liebesakts auf einer Trinkschale, Griechenland, um 470 v.Chr.
quelle: wikimeida
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Ovids «Liebeskunst»

Auch der römische Dichter Ovid (Publius Ovidius Naso) empfiehlt in seinem berühmten Gedichtwerk Ars amatoria («Liebeskunst») natürliche Mittel, um die Lust zu stimulieren: Zwiebeln, Honig und Pinienkerne. Ovid gab Männern wie Frauen darüber hinaus eine Reihe von Tipps, die sie zu Meistern der Liebe machen sollten. Dabei geht es ums Kennenlernen, Flirten, ja sogar um die Körperpflege.

Ovid, der vielleicht wegen seiner Ars amatoria vom sittenstrengen Kaiser Augustus aus Rom in ein Kaff am Schwarzen Meer verbannt wurde, lehnte allerdings magische Mittel ab, sowohl für die Geliebte wie für den Liebhaber:

«Schlucke selbst keine Liebestränke, sondern stimuliere deine Lust mit natürlichen Mitteln!»
Ars amatoria, (Liber 2, 415)
«Liebestränke schaden dem Geist und verursachen Wahnsinn. Halte dich fern von allem Grauen: Um geliebt zu werden, musst du liebenswert sein.»
Ars amatoria, (Liber 2, 105-108)
Ovid (Publius Ovidius Naso) auf einem anonymen Stich aus dem 18. Jahrhundert. 
https://en.wikipedia.org/wiki/Ovid#/media/File:Ovid_18th_century_engraving_(cropped).jpg
Ovid auf einem anonymen Stich aus dem 18. Jahrhundert.Bild: Wikimedia

Die griechischen Zauberpapyri

Magische Mittel waren aber in der Antike durchaus beliebt. Das zeigen etwa die Papyri Graecae Magicae (PGM), die in Ägypten gefunden wurden. Darin sind zahlreiche magische Sprüche enthalten, die zur Kategorie der Liebeszauber gehören und begehrte Personen binden oder anziehen sollen. Sie scheinen überwiegend von Männern ausgeführt worden zu sein, wie auch dieses Beispiel zeigt:

«Wenn man eine Frau für sich gewinnen will, muss man drei Tage lang ‹rein› sein, d. h. sich enthalten, dann ein Weihrauchopfer machen und darüber den geheimen ägyptischen Namen der Aphrodite ‹Nepherieki› aussprechen. Dann muss man zu der Frau gehen und diesen Namen sieben Mal in sich selbst rezitieren, während man sie anschaut. Das muss man sieben Tage lang tun.»
GPm IV, 1265-1274

Teilweise werden aber auch explizite sexuelle Wünsche geäussert:

«Sie soll nicht Beischlaf üben von vorn oder hinten, nicht zur Lust mit einem anderen Mann verkehren […] zwinge die NN, untertan zu sein mir […] dass du sie mir herführest […] dass sie Kopf mit Kopf vereine und Lippen mit Lippen verbinde und Leib mit Leib vereine und Schenkel dem Schenkel nahebringe und das Schwarze an das Schwarze füge und ihr Liebeswerk erfülle.»
PGM IV, 353-406
Courtesan and her client. Tondo of a red-figure cup, ca. 510-500 BC.
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Hetaeras_in_ancient_Greek_pottery#/media/File:Man_and_hetaira_on_red-figre_kylix_tondo. ...
Hetäre (ἑταῖραι hetairai) mit einem Freier. Hetären waren Prostituierte, aber im Gegensatz zu Huren (πόρναι pornai) gebildet und sozial anerkannt. Bild: Wikimedia

Daneben sind auch Rezepte in den PGM zu finden, die dem Mann zu besserer Standfestigkeit verhelfen sollen:

«Um viel Sex haben zu können: Reibe fünfzig Pinienkerne, zwei Mass Honig und Pfefferkörner und trinke es. Um einen Ständer zu haben, wann immer du willst: Reibe Pfeffer mit Honig und schmiere ihn auf dein Ding.»
(«Ding» ist die Übersetzung des griechischen Wortes πραγμα pragma, das in diesem Kontext Geschlechtsorgan bedeutet.)
PGM VII, 183-186

Honig scheint eine wichtige Rolle als Aphrodisiakum zu spielen:

«Ewiges Liebesband: Mische Schweineleber, Steinsalz und attischen Honig zusammen und bestreiche deine Eichel damit.»
PGM VII, 191-192

Neben Honig sollen allerdings auch andere Substanzen tierischer Herkunft das sexuelle Erleben verstärken. Etwa Schaum aus dem Maul eines Hengstes:

«Eine Frau dazu bringen, dass sie es liebt, wenn du mit ihr kopulierst:
Schaum aus dem Maul eines Hengstes. Salbe deinen Phallus damit und liege bei der Frau.»
Papyri Demoticae Magicae (pdm) XIV, 1047-1048
Red-figure kantharos erotic scenes (Boston MFA 95.61) detail 02
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Hetaeras_in_ancient_Greek_pottery#/media/File:Red-figure_kantharos_erotic_scenes_(Boston_MFA ...
Erotische Szene auf einem griechischen Kantharos, einem Trinkgefäss. Bild: Wikimedia

Das Gruselkabinett des Plinius

Eine ganze Reihe von erotischen Hilfsmitteln zählt der römische Gelehrte Plinius der Ältere in seiner Naturalis historia («Naturgeschichte») auf. Dabei ist nicht klar, ob der Universalgelehrte selbst an deren Wirkung glaubt oder ihnen skeptisch gegenübersteht. Die Liste ist imposant:

  • eine Salbe aus Wildschweingalle
  • ein Getränk aus Schweinsmark
  • eine Salbe aus Eselsmist
  • das Fett einer männlichen Gans
  • die Flüssigkeit einer Stute nach der Paarung
  • eine Lösung aus den pulverisierten, getrockneten Hoden eines Pferdes
  • der rechte Hoden eines Esels in der richtigen Dosierung, mit Wein gegessen oder als Amulett in einem Armband getragen
  • der Schaum, den ein Esel nach der Paarung absondert, in einem roten Tuch gesammelt und in einen silbernen Anhänger eingeschlossen
Plinius der Ältere
https://en.wikipedia.org/wiki/Pliny_the_Elder#/media/File:Grande_Illustrazione_del_Lombardo_Veneto_Vol_3_Plinio_Secondo_300dpi.jpg
Darstellung von Plinius dem Älteren aus dem 19. Jahrhundert.Bild: Wikimedia

Die griechische Hebamme Salpe empfahl laut Plinius, das Genital eines Esels siebenmal in siedendes Öl zu tauchen und die Geschlechtsteile zur Stimulation damit zu bestreichen. Um den sexuellen Appetit der Frau anzuregen, sollte man Wolle mit dem Blut einer Fledermaus tränken und unter den Kopf der begehrten Person legen. Noch besser wirkt gemäss Plinius der Darm einer Hyäne: Wer einen solchen am linken Oberarm trage, der «solle ein Weib so geil machen können, dass sie ihm sofort folge». Wer diesen Ratschlag besonders befremdlich findet, ist damit vermutlich nicht allein.

Auch Mittel pflanzlicher Herkunft sollen laut Plinius die sexuelle Leistungsfähigkeit steigern: So weise die Wurzel des Sandkrauts zwei Knötchen auf, die den Hoden ähnelten.

«Der grösste oder, wie manche sagen, der dünnste von beiden, in Wasser aufgelöst, regt den Sexualtrieb an, der kleinste oder weichste, mit Ziegenmilch getrunken, wirkt eher hemmend.»
Naturalis historia

Auch das Satyrkraut wirkt laut Plinius als Aphrodisiakum, wegen der an Hoden erinnernden Form seiner Wurzeln, aber auch wegen seines Namens. Satyrn sind in der griechischen Mythologie – oft bocksbeinige – Mischwesen, die manchmal abgebildet werden, wie sie lüstern Nymphen verfolgen.

Red-figure lekythos with erotic scene. Archaeological Museum of Dion.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55954068
Erotische Darstellung mit einem Phallusvogel auf einem griechischen Ölgefäss. Bild: Wikimedia/Zde

Nicht ausprobieren!

All diese antiken Liebeszauber und Potenzmittelchen sind nach heutigem Wissensstand wirkungslos oder gar schädlich. Falls es nicht schon längst klar ist, sei es deshalb an dieser Stelle noch ausdrücklich festgestellt: Nicht ausprobieren, nichts davon! Viel eher sollte man sich an Ovids Maxime ut ameris, amabilis esto halten: Um geliebt zu werden, musst du liebenswert sein.

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53 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Magenta
26.05.2024 18:09registriert März 2018
Ich mag die Sex-Artikel von Hubini sehr viel besser als die von Emma, Big Ben & Co.

Mehr Substanz. 😉👍🏻
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Tsherish De Love aka Flachzange
26.05.2024 17:52registriert September 2020
Honig und Pfeffer einschmieren? Wer jemals Jerk Chicken gegessen hat und die Hände vor dem Pinkeln gut gewaschen hat, hat trotzdem ziemlich Respekt vor dem Pfeffer, sagte mir ein Freund
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umugänghü
26.05.2024 20:29registriert April 2014
super tipps, vielen dank. sex ist einfach wunderbar aber das eidgenössische schwingfest häufiger.
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